Kultur | 24.11.2013

Die Traumfrau

Text von Mazlum Toprak | Bilder von zvg
Oliver Schwarz' Dokumentation "Traumfrau" zeigt einen Mann, der sich nach einem Burnout für eine ungewöhnliche Beziehungsart entschied. Das Werk des jungen Schweizer Regisseurs wird im Rahmen des alljährlichen Jungfilmfestivals "Upcoming Filmmakers" in Luzern gezeigt.
"Liebe ist weniges - oder auch vieles", sagt Dirk. Nach dem Burnout hat er sich in die Silikonpuppe "Jenny" verliebt.
Bild: zvg

Ein Mann streichelt zärtlich seine Frau. Er erzählt dabei von der Liebe: wie und was sie ist. Von der Schönheit am Morgen aufzustehen und seine Liebsten neben sich zu wissen. Vom Alltag: Man arbeitet, kommt nach Hause, isst etwas Schönes mit der Frau und verbringt den Abend zusammen. Am Wochenende geht man aus und amüsiert sich zu zweit.

 

Liebe ist…

Dirks Beziehungen scheiterten jedoch alle, weil die Partnerinnen seinem Charakter nicht gewachsen waren. In der Dokumentation von Oliver Schwarz erzählt Dirk, wie sein Leben nach dem Burnout weiterlief. Er hat seine grosse Liebe gefunden. Sie ist eine ruhige Frau, die keinerlei Mimik oder Gestik zeigt. Ihr Name ist Jenny.

“Liebe ist weniges – oder auch vieles”, sagt Dirk. Nach dem Burnout hat er sich in die Silikonpuppe “Jenny” verliebt. Für ihn ist das ganz normal. Seine innere Stimme redet mit Ihr, als ob sie real wäre. Er wäscht sie, geht mit ihr essen und sieht mit ihr fern. Entscheidungen werden immer zu zweit getroffen. Auch die Frage, ob es für Jenny in Ordnung wäre, in den Tiefschlaf zu gehen, wenn er eine reale Traumfrau finden würde.

 

Ein unbekanntes Gefühl

Dieser Dokumentationsfilm ist verblüffend. Am Anfang des Films hatte man das Gefühl, es sei eine Frau aus Fleisch und Blut, die neben Ihm schläft. Es gab keine Anzeichen dafür, dass die Frau im Bett eine Silikonpuppe ist, bis er den Rollstuhl ins Schlafzimmer nimmt, Jennys Augenbinde zur Seite legte und sie auf den Rollstuhl manövrierte.

Man kann den Film nicht richtig beschreiben. Der Film ist so eindrücklich, dass er wieder unrealistisch scheint. Am Ende des Filmes fragt man sich, ob es eine Dokumentation ist oder doch reine Fiktion. Es ist das Ungewisse, das einen sprachlos macht. Die Gesellschaft hat vieles zu bieten, das man im Alltag nicht antrifft. Der Film vermittelt das Gefühl etwas Neues, auf den ersten Blick, merkwürdiges gesehen zu haben.

Der Film ist hochspannend, allerdings ein wenig in die Länge gezogen. Bei einigen Szenen muss es sein, da es sonst nicht authentisch gewirkt hätte, aber oft wird die eine Szene schlicht zu lange gezeigt. Trotzdem empfehle ich diesen Kurzfilm vom 27-jährigen Oliver Schwarz all jenen, die sich für gesellschaftliche Dokumentarfilme interessieren.