Gesellschaft | 28.11.2013

Die reisende Multimedia-Generation

Die Zeit vergeht, Werte verändern sich und die digitale Welt gewinnt von Tag zu Tag an Bedeutung. Doch kommen die älteren Generationen bei diesem Wandel überhaupt noch mit? Interessante, lehrreiche und amüsante Situationen im Pendleralltag und Gespräche mit älteren Personen, welche den Wandel der digitalen Welt nicht verpassen möchten, bringen Aufschluss.
Smartphones erobern die Züge,
Bild: Siegfried Fries / pixelio.de

Als aktive Zugfahrerin erlebt man immer wieder interessante Situationen. Doch nur selten trifft man auf Leute, die etwas zu erzählen haben. Letztens ergab es sich trotzdem wieder einmal.

 

Ich sass im selben Abteil wie ein älteres Ehepaar aus der Ostschweiz, das auf dem Weg ins Tessin war. Das Lunchpaket in der Tasche, den Thermobecher auf dem Tischchen und die Fahrkarten in der Hand – so wie man sich das bei einem älteren, reiselustigen Ehepaar vorstellt. Bereit für den heutigen Ausflug.

 

Als wir ins Gespräch kamen und auf das Phänomen des Videokanals Youtube stiessen, war ich verwundert, wie versiert dieses Rentnerehepaar in Sachen Internet ist. Als ihnen vor kurzer Zeit die kaputte Kaffeemaschine den letzten Nerv raubte, überliessen sie kurzer Hand ihr Problem dem mächtigen Videokanal. Und siehe da, der defekte Milchschäumer war in Windeseile mit Hilfe einer Videoanleitung repariert.

 

Zug fahren ohne ein smartes Gerät

Ein Smartphone besass das Ehepaar nicht. Zugfahren konnten sie auch ohne dieses smarte Ding. Hält man in den Bahnhofshallen nach alten Fahrplantafeln Ausschau, sieht man zwar welche, aber beobachtet nur wenige Leute, die sich dort nach den Zugverbindungen erkundigen. Dank den heutigen Smartphones oder leicht mitnehmbaren Tablets wird der Weg zum richtigen Ziel ein Kinderspiel. Kein lästiges Suchen mehr nach optimalen Verbindungen am Bahnschalter.

 

Doch sieht man ältere Leute, die vom Land in die Stadt mit dem Zug reisen, bemerkt man eine gewisse Unsicherheit. Als mich ein Herr vor kurzem im Zug fragte, ob das jetzt der Zug in Richtung Zürich sei und ich ihm dies bestätigte, folgte die grosse Erleichterung. Als der Zug jedoch an einem Bahnhof einen längeren Zwischenhalt einlegte, war er blitzartig wieder verunsichert und fragte aufs Neue nach. Er erklärte darauf hin, dass er seit Jahren nicht mehr Zug gefahren sei.

Ob dieser Herr nun mit einem Smartphone besser unterwegs wäre, wage ich zu bezweifeln. Aber ich wage zu behaupten, dass die heutige, jüngere und modernere Generation dem iPhone mehr vertraut als anderen Dingen im Leben.

 

Handy vergessen?!

Laut Umfragen können viele Leute nur schlecht einen Tag lang ohne ihr geliebtes Touchscreen-Handy auskommen. Für viele gar eine unvorstellbare Situation. Nicht nur für die jüngeren Generationen, auch für die älteren Semester.

 

Ein Beispiel: Eine Frau, geschätzte 65 Jahre alt, suchte zehn Minuten vergebens nach ihrem Smartphone in der Tasche. Dass es sich um ein Smartphone handeln musste, erfuhr ich aus ihren verzweifelten Selbstgesprächen. Mit einem genervten, jedoch auch hilflosen Blick wandte sie sich kurz darauf an eine nette Dame im gleichen Tramabteil und fragte, ob sie rasch ihr Handy ausleihen dürfe. Leider sprach die Dame kein Deutsch und so verwandelte sich der genervte, hilflose Blick der smartphonelosen Frau in einen wütenden und gereizten Gesichtsausdruck. An der nächsten Haltestelle stieg sie aus. Ob sie wohl die nächste Telefonkabine suchte? Dann viel Glück! Von denen gibt es nicht mehr allzu viele.

 

Kurse bringen Sicherheit im Alltag

Da die digitale Welt mehr und mehr an Bedeutung gewinnt, sind sogenannte Computerkurse ein Renner. Es gibt viele seriöse Angebote für Digitalinteressierte. Diese Kurse schaffen neue Kontakte, aber vor allem steigern sie die Sicherheit im heutigen Alltag. Jüngere Leute bringen ihr Wissen bereits aus der Schulzeit und Ausbildung mit.

 

Die neue Generation ist in vielem auf der Überholspur, aber aufgepasst: Die ältere Generation passt sich der jüngeren immer mehr an. In vielem sind sie uns Jüngeren mit einem Reichtum an Erfahrungen voraus und jetzt zeigen viele auch, dass das Neue ihnen keine Angst macht.

 

Smartphonelose Ausflüge mit dem Zug werden in Zukunft seltener. Neben dem Thermosbecher und den selbstgemachten Sandwiches wird ein smartes Gerät bei jedem im Rucksack seinen Platz haben. Nicht nur für die passende Zugverbindung unterwegs, sondern auch für das elektronische Bahnticket auf dem iPhone, welches bereits existiert und früher oder später das Bahnbillet aus Papier ersetzen wird.