Kultur | 21.11.2013

Der Verzweiflung nahe

Der Regisseur Denis Villeneuve setzt in seinem Film Prisoners die Zuschauenden unangenehmen Bildern aus. Rund drei Stunden lang erzählt der Blockbuster von der Suche nach zwei verschwundenen Mädchen. Dabei beleuchtet der Regisseur die seelischen Abgründe seiner Charaktere.
Hugh Jackman in einer ungewohnt emotionalen Rolle.
Bild: zvg, im Verleih von Ascot Elite

Der Bildschirm flackert. Nur das Quietschen von Autoreifen ist hörbar. Ein Mann fährt in einem Camper die Strasse entlang, sein Blick bleibt lange an zwei Häusern hängen. Er schaut interessiert und erwartungsvoll. Am Ende der Strasse angelangt, wirft er nochmals einen Blick in den Rückspiegel. Erneut bleibt er mit den Augen an den zwei Häusern hängen.

 

So beginnt Prisoners. Der Film handelt von zwei Familien, die sich treffen, um gemeinsam Thanksgiving zu feiern. Nach dem Abendessen möchten Joy und Anna, die beiden Kinder der Familie spielen gehen. Fortan tauchen die Zwei nicht wieder auf. Dem Zuschauenden wird klar, etwas stimmt hier nicht.

Ein Verdächtiger ist schnell gefunden, jedoch entpuppt sich dieser als unzurechnungsfähig. Er besitzt, gemäss einem psychologischen Gutachten, den IQ eines Zehnjährigen. Die Ermittlungen geraten ins Stocken, worauf Keller Dover, der Vater von Anna, selbst Untersuchungen anstellt. Auch sein polizeiliches Pendant, Detektiv Loki, ist emotional stärker in den Fall involviert, als ihm lieb ist.

 

Nicht mehr du selbst

Prisoners ist ein rasanter Thriller, der zeigt, wie weit Menschen für Leute, die sie lieben, gehen und wie hart es für Eltern ist, in der Ungewissheit zu leben, ob sie ihre Kinder je wiedersehen werden. Im Verlauf des Films kommen immer mehr Intrigen, verborgene Geheimnisse und unentdeckte Seiten zum Vorschein. So verwandelt sich Keller Dover von einem liebenswürdigen Vater zu einer unberechenbaren und gewalttätigen Person.

 

Besser als erwartet

Hugh Jackman spielt die Hauptrolle des Keller Dovers, einem Vater, der für das, was er liebt, kämpft und auch selbst zur Tat schreitet, wenn es notwendig ist. Anders als in seiner Paraderolle des rauen Wolverines im Film X-Men zeigt sich Jackman hier ungewohnt emotional.

Der Regisseur des Films, Dennis Villeneuve, hat bereits einige Filme gedreht, doch dies ist der Erste, welcher in Kinos auf der ganzen Welt gezeigt wird.

 

Verzweiflung pur

Prisoners dauert beinahe drei Stunden. Diese Zeit vergeht, dank der aufgeladenen Atmosphäre in den Verhören und Verfolgungsjagden, wie im Flug. Der Film zeichnet sich durch starke Emotionen der Charaktere und den spannenden Aufbau aus. Ein negativer Punkt ist, dass es vielen Szenen an Logik fehlt.

Prisoners ist sehenswert für cineastischen Adrenalinjunkies, die gerne Mitdenken und -rätseln. Sensible Kinogänger sollten sich nach Alternativen umsehen oder eine breite Schulter zum Verstecken mitschleifen.