Gesellschaft | 16.11.2013

Bunte Blätter und trübe Gemüter

Text von Delilah Siegrist | Bilder von Delilah Siegrist)
Während sich die einen an den bunten Blättern des Herbstes erfreuen und das angenehme Klima geniessen, wünschen sich die anderen sehnlichst den Frühling zurück und denken sogar ans Auswandern. Was tun gegen das Trübsal Blasen?
Herbstblues? (
Bild: Delilah Siegrist)

Die langen, schwülen Sommertage sind vorbei. Bunt gefärbte Blätter fallen von den Bäumen, werden vom kalten Herbstwind durch die Gegend geweht und lassen einen an sommerliche Zeiten zurückdenken, während die Tage immer kürzer werden.

 

Viele Menschen mögen diese farbenfrohe Jahreszeit. Die Temperaturen befinden sich wieder im angenehmen Bereich, man muss nicht schwitzen oder erfrieren, kann bequeme Herbstkleidung tragen, Kürbisse sowohl verzieren als auch verspeisen und nebenbei bringen die bunten Herbstblätter Farbe in unseren Alltag. Malerische Sonnenaufgänge und -untergänge erhellen die Gemüter und stimmen optimistisch.

 

Doch manche Menschen verabscheuen den eisigen Wind, die trüben Wolken, den Nebel und den kalten Herbstregen. Sie vermissen die warmen, sonnigen Zeiten und möchten nichts lieber tun, als die luftig-leichten Sommerkleider wieder aus dem Schrank zu holen und in wärmere Gebiete zu verreisen. Die Heizsaison beginnt und die «Gfröhrli» unter uns wünschen sich den blühenden Frühling sehnlichst herbei. Da kann man sich leicht so betrübt fühlen, dass man in einen Depressionszustand hineingerät. Diese saisonale Depression ist als «Winterdepression» bekannt.

 

Winterdepression

Es gibt aber Leute, die unter dem zunehmenden Lichtmangel im Herbst und Winter leiden und sich daher immer trübseliger fühlen. Eine gedrückte Stimmung, Antriebslosigkeit, geringeres Selbstvertrauen, sowie vermehrte Schlafbedürfnis und ein gesteigertes Verlangen nach Süssem und Kohlehydraten sind Symptome der Winterdepression.

Der ausgebildete Psychiater und Psychotherapeut Dr. Daniel Hell  erklärt, dass Menschen, die auf einen anhaltenden Lichtmangel mit depressiven Verstimmungen reagieren, sich in den Herbst- und Wintermonaten schlecht fühlen.In Frühjahr und Sommer hingegen gehe es ihnen gut. Die Anfälligkeit für solche Winterdepressionen hängt vor allem von erblichen Einflüssen und der Empfindlichkeit auf Lichtmangel ab.

 

Effektiv gegen die Winterdepression

Dr. Hell empfiehlt die «Spaziergangtherapie«, in welcher Menschen, die empfindlich auf Lichtmangel reagieren, sich ins Freie begeben. Selbst bei bedecktem Himmel sorgt ein mindestens halbstündiger, täglicher Spaziergang für eine ausreichende Lichtexposition. Bewegung wirkt antidepressiv und daher wäre es ideal, wenn man sich an die frische Luft begibt, Drachen steigen lässt oder einfach gemütlich durch die Gegend spaziert. Falls eine Spaziergangtherapie jedoch unmöglich ist, wenn zum Beispiel eine Person körperlich geschwächt ist, kann die nötige Lichtexposition mit Hilfe spezieller Lampen von mind. 2’500 bis 10’000 Lux erreicht werden.

 

Tipps gegen Trübsal

Man muss nicht zwingend an einer Depression leiden, um Bedarf nach einer Aufheiterung zu verspüren. Viele Menschen merken, dass sie während den kalten Jahreszeiten tatsächlich mehr Hunger haben als üblicherweise und dass sie viel mehr Schlaf brauchen, um ausgeruht zu sein. Den meisten fehlt die Motivation am Morgen, wenn sie aus dem Haus müssen und die Sonne noch nicht aufgegangen ist. Laut Musik hören, wild durchs Zimmer tanzen und sich mit Freunden umgeben, sind altbewährte Hausmittel, die jedem eine Chance zur Aufheiterung bieten.