Politik | 17.10.2013

Zusätzliche 150 Franken pro Semester

Text von Andrea Pinck | Bilder von Katharina Good
Die Basellandschaftliche Regierung zwingt mit einer Vorlage die Universität Basel, die Studiengebühren um 150 Franken pro Semester zu erhöhen, um die geforderten Mehreinnahmen von vier Millionen zu generieren. Die Studierenden wehren sich mithilfe einer Petition.
Soll ein Studium aus der eigenen Tasche finanziert werden, wie einige Politiker fordern?
Bild: Katharina Good

Die Kantone Basel-Land und Basel-Stadt übernehmen seit dem 1. Januar 2007 die gemeinsame Trägerschaft der Universität Basel. 2014 beginnt die dritte Leistungsperiode des Universitätsvertrags der beiden Halbkantone. Die neue Strategie der Universität wurde wiederum für zwei Leistungsperioden festgelegt, von 2014 bis 2017 und von 2018 bis 2021.

 

Um die zukünftige “Strategie 2014” der Universität umzusetzen, benötigt diese mehr Geld, welches ihr von den Regierungen soweit zugesprochen wurde. Gesamthaft steigen die Globalbeiträge von aktuell 314 Millionen auf 329,5 Millionen Franken bis 2017. Der erhöhte Beitrag wird vor allem auf Seiten der Basellandschaftlichen Regierung an die Bedingung geknüpft, dass die Universität ihre Einnahmen mithilfe einer Studiengebührenerhöhung steigert.

 

Widerstand regt sich

Die geplante Erhöhung der Studiengebühren um 150 Franken pro Semester von 700 auf 850 Franken löste grossen Widerstand bei den Studierenden aus. Die studentische Körperschaft der Universität Basel (Skuba) schloss sich mit verschiedenen Jungparteien und anderen Studentenvertretungen zum jungen Bündnis zusammen. Seit dem 16. September sammeln sie Unterschriften für ihre Petition an die Regierungen und Parlamente der betroffenen Kantone. Zudem organisierte die Skuba am 9. Oktober eine Protestaktion gegen die höheren Studiengebühren. Des Weiteren forderten sie auch ein Mitspracherecht im Universitätsrat und die Offenlegung privater Drittmittel.

 

Studium als Zukunftsinvestition

Die Uni Basel, sowie andere Universitäten in Kontinentaleuropa erheben die Studiengebühren nicht, um die volle oder teilweise Deckung der Kosten von Lehre und Forschung zu erreichen. Die Studiengebühren machen nur etwa zwei Prozent des Budgets der Uni Basel aus. Auf Anfrage von Tink.ch beschreibt der Rektor der Uni Basel, Herr Loprieno, die Studiengebühren als eine Steuer, um einen “Service public” zu beanspruchen. Unter Service public kann man in diesem Zusammenhang das Grundrecht auf Bildung verstehen. Loprienos Einstellung zu Studiengebühren deckt sich insofern mit den Befürwortern der Erhöhung. So denkt zum Bespiel Paul Wenger, Landrat und Mitglied der SVP, dass man ein Studium als Investition in die eigene Zukunft betrachten sollte und es deshalb etwas kosten dürfe.

 

Finanzielle Hürden

Die Gegner argumentieren indes, die Erhöhung schüfe eine grössere Hürde und vermindere die Chancengleichheit. Laut einem Flyer der Skuba arbeiten rund 75 Prozent der Studierenden neben dem Vollzeitstudium. Davon sind 47 Prozent auf ihre Arbeit angewiesen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Landrat Paul Wenger, selbst ein ehemaliger Student, ist Befürworter der Erhöhung. Er erachtet es als machbar, neben dem Studium zu arbeiten. Er verweist darauf, dass es für Härtefälle Stipendien gibt, wie er an der Podiumsdiskussion vom 8. Oktober an der Uni Basel verlauten liess.

 

Verlängerte Studiendauer?

Ein weiteres Gegenargument der Skuba bezieht sich auf die Studiendauer. So würden die höheren Gebühren dazu führen, dass sich die Studierenden weniger auf ihr Studium konzentrieren können, da sie mehr arbeiten müssten. Daraus schlussfolgern sie eine verlängerte Studiendauer. Laut Antonio Loprieno kann man, wie die Erfahrung zeige, diese Verbindung nicht ausmachen aufgrund solch “minimalen Unterschieden in den Studiengebühren”, wie er gegenüber Tink.ch argumentiert.

 

Ausgang offen

Es ist festzustellen, dass es in beiden Lagern um eine Grundsatzdiskussion geht. Entweder wird Bildung als eine Investition angesehen und ist entsprechend mit Kosten verbunden oder sie soll allen unabhängig von einem sozioökonomischen Umfeld ermöglicht werden. Ob die Erhöhung tatsächlich umgesetzt wird, ist noch nicht definitiv entschieden. Die Vorlagen wurden den Parlamenten am 27. August vorgelegt. Klar scheint aber, dass die Universität, die an sie gestellte Erwartungen umsetzt, so Loprieno gegenüber Tink.ch. Auch die Skuba plant weitere Schritte zu unternehmen. Dies vor allem während der Übergabe der Petition in Liestal und Basel, wie Nathalie Huber, Studentin und Mitorganisatorin der Protestaktion, am 9. Oktober dem SRF mitteilte.