Kultur | 08.10.2013

Welche Wege führen in den Innenhof?

Text von Katharina Good
Während dem Shnit wird der Veranstaltungsort Progr in der Berner Innenstadt zum Mekka der Kurzfilmwelt. Welche Menschen treffen sich hier im Innenhof? Was wird ihnen vom diesjährigen Shnit in Erinnerung bleiben - und was würden sie lieber "wegschneiden"?
Arne Nositz aus Wien zeigt am Shnit den Kurzfilm "Für tot erklärt". Jan-Dirk Bouw, aus Amsterdam: "Wie haltet ihr es hier aus? Es ist alles so teuer!" Katia Grüter hat drei Monate lang auf das Festival hingearbeitet. Livio Andrieri ist schon zum fünften Mal am Shnit als Helfer dabei. Raissa Wynne aus Bern geniesst die Atmosphäre im Progr.

Arne Nositz, der Regisseur aus Wien

“Mein Kurzfilm “Für tot erklärt” wird im Rahmen des internationalen Wettbewerbs gezeigt. Das Shnit ist zweifellos das grösste Kurzfilmfestival, auf dem ich bisher war. Trotz der Grösse ist die Stimmung sehr angenehm, die Organisatoren und Helfer sind sehr freundlich und man kann mit vielen internationalen Filmschaffenden unkompliziert reden. Es ist ein unglaublich dichtes Programm, deshalb würde ich, falls ich könnte, gerne das Gefühl wegschneiden, immer etwas zu verpassen.”

 

Jan-Dirk Bouw, der Animationsfilmer aus Amsterdam

“Mein Film “I Love Hooligans” ist nominiert unter den 20-minütigen Kurzfilmen, die nun nochmals gegeneinander antreten. Mit ihm betritt das Publikum die Welt eines homosexuellen Hooligans, mit dem ich tatsächlich zusammengearbeitet habe. Das Thema ist zurzeit sehr aktuell, also wollte ich es unbedingt in einem Film verarbeiten. Der Mann wollte aber anonym bleiben, also haben wir uns entschieden, einen Animationsfilm daraus zu machen. Ich bin sehr gerne hier am Shnit – aber ehrlich, wie hält ihr es hier in der Schweiz aus? Es ist alles so teuer! Das Festival selbst geht allerdings noch, das ist im Vergleich zu jenen in Amerika noch günstig.”

 

Katia Grüter, die Assistentin der Festivalleitung

“Ich assistiere Silvan Rüssli, dem Festivalleiter des Schauplatzes hier in Bern. Ich habe bereits auf einem anderen Filmfestival gearbeitet, doch das Shnit ist um einiges grösser und dichter. Mir wird insbesondere in Erinnerung bleiben, wie Besuchende und Helfer durch die Innenstadt, von einem Schauplatz zum anderen “pilgern”. Auch wenn ich könnte, würde ich den Stress oder die Büroarbeit nicht wegschneiden. Es gehört alles dazu – obwohl, die Augenringe, die würde ich gerne weglassen!”

 

Livio Andrieri, der Veteran

“Ich bin bereits seit fünf Jahren Helfer am Shnit, also eigentlich schon ein Veteran. Dieses Jahr habe ich hinter der Bar mitgearbeitet und konnte auswählen, an welchen Tagen ich arbeiten wollte. Das Shnit wird immer grösser und professioneller, immer kommt etwas Neues hinzu. Deshalb braucht es immer mehr Helfende und mehr Koordinationsarbeit zwischen ihnen. Was etwas fehlt, sind organisierte Gesprächsrunden mit Regisseuren. Man trifft sie oft hier im Innenhof, aber ein öffentlicher Austausch wäre noch spannender. Und: Dieses Jahr wird mir dieses Spanferkel hier in Erinnerung bleiben.”

 

Raissa Wynne, die Bar-Besucherin

“Ich bin eigentlich nur hier, um etwas Zeit mit meinen Freunden zu verbringen. Letztes Jahr habe ich am Shnit auch einige Kurzfilme geschaut, diesmal hat es sich aber nicht ergeben. Mir gefällt einfach die Atmosphäre – und das pinke Bier schmeckt gut.”

 


 

Info zu den nominierten Filmen
Die Preisverleihung findet dieses Jahr zum ersten Mal in New York statt, am 13. Oktober. Ab heute können alle nominierten Kurzfilme gegen eine kleine Gebühr online angeschaut und bewertet werden. Link: cinema.shnit.net