Gesellschaft | 01.10.2013

Was Kinderherzen höher schlagen lässt

Text von Laura Oderbolz | Bilder von zVg.
«Ein Tag ohne Lächeln ist ein verlorener Tag", sagte Charlie Chaplin zurecht. Für viele Kinder gibt es bei einem Spitalaufenthalt nicht viel zu lachen. Angst, Schmerzen und Heimweh bestimmen und belasten den Tag. Die Clowns der Stiftung Theodora zaubern seit 20 Jahren täglich Kindern ein Lächeln ins Gesicht. Tink.ch begleitete zwei Clowns im Kantonsspital Luzern.
Dr. Dada und Dr. Klein mit einem kleinen Patienten.
Bild: zVg.

Dr. Ah alias Sibylle Schneller-Jost erwartet mich zu einem Gespräch. Sie macht auf mich einen ruhigen und gelassenen Eindruck. Sie arbeitet seit sechs Jahren als Spital-Clownin bei der Stiftung Theodora. Als ausgebildete Lehrerin hat sie sich für ihre zweite Passion entschieden und machte eine zweijährige Vollzeit-Berufsausbildung im Bereich Bewegungstheater. Sie tourte mit ihren eigenen Stücken durch die Deutschschweiz. Auch als Zirkus-Pädagogin hat sie bei verschiedenen Kinderzirkus gearbeitet. Nachdem sie ihren jetzigen Mann bei einem Kinderzirkus kennengelernt hatte, gründeten sie später ihren eigenen Zirkus Zirkusa. Heute ist die zweifache Mutter neben der Arbeit im Kinderzirkus bei der Stiftung Theodora als Spitalclownin tätig und ist immer wieder fasziniert von dieser eindrücklichen Arbeit. “Die Schicksale der Kinder können sehr nahe gehen, das kann ich auch als Mutter nachempfinden. Der Familie und dem Kind in diesen Situationen helle Augenblicke zu bringen, wo sie ihre Sorgen für eine kurze Zeit vergessen können, macht mich sehr glücklich und ich bin überzeugt, dass es den Kindern und deren Familien gut tut.”

 

 

Andenken an Mutter Theodora

Dieses Jahr feiert die Stiftung Theodora ihr 20-Jähriges Jubiläum. Als der Gründer André Poulie als kleiner Junge nach einem Unfall für längere Zeit im Spital lag, verbrachte die Mutter Theodora jeden Tag am Krankenbett ihres Sohnes. Sie erzählte ihm und seinen Zimmerfreunden Geschichten und erleichterte ihnen den damaligen Spitalaufenthalt. Im Andenken ihrer Mutter Theodora gründeten André Poulie und sein Bruder Jan 1993 die gleichnamige Stiftung. Seither sind 58 professionelle Artisten in 34 Spitälern und 18 Institutionen für Menschen mit Behinderung unterwegs. Die Stiftung Theodora hat das Ziel, das Leiden von Kindern durch Freude und Lachen zu lindern.

 

Lächeln schenken, wo es Lächeln braucht

Die kleinen Patienten schauen bereits aus den Zimmern. Getuschel und Gekicher aus allen Ecken: “Die Clowns sind wieder auf Besuch!” Bevor die zwei Clowns namens Dr. Ah und Dr. Pfnüsel ihren “Besuchsrundgang” starten, informieren sie sich bei den jeweiligen Stationen über die heute anwesenden Kinder. Es wichtig, die Kinder zu fragen, ob sie einverstanden sind, dass eine zusätzliche Besucherin mit auf der Clown-Tour ist. Für die Kinder ist meine Anwesenheit überhaupt kein Problem. Denn ich bin für sie nur eine Nebensache. Im Mittelpunkt stehen die geliebten Clowns. Für mich ist es faszinierend, welche Begeisterungsfähigkeit die ausgebildeten Clowns auslösen können. Das Talent, in den verschiedensten Situationen zu improvisieren, haben nicht alle, ob Schwerter aus Ballons zu machen oder den Kuscheltieren Geräusche zu entlocken. Ich staune wie die Kinder, die in eine Welt voller Farben und Wunder eintauchen. Auch Eltern und Geschwister werden in die Theater und Spektakel einbezogen und sind ebenfalls von Kummer und Sorgen abgelenkt. Kaum verabschieden sich die Clowns vom ersten Zimmer, warten bereits die nächsten jungen Patienten in den Gängen und fordern die Spassverbreiter auf, sie in ihrem Zimmer zu besuchen. “Mein Zimmer ist dort!”, schreit ein kleiner Zwirbelwind. Natürlich lassen die Clowns nicht auf sich warten und folgen dem Kleinen.

 

Auch Eltern Kraft und Zuversicht schenken

Bald darauf bemerkt das Nebenzimmer den Besuch der beiden Artisten. Die Eltern, die sich gerade bemüht haben, ihre Kinder in den Schlaf zu singen, bitten die Clowns, ihre Sprösslinge später zu besuchen. Oft, wenn die Eltern nach Hause wollen, erwachen die kleinen Patienten und müssen von den Clowns abgelenkt werden. Die Dankbarkeit der Eltern gegenüber den Spitalclowns ist gross. Es ist schmerzlich, Kinder im Spital zu sehen. Den Aufenthalt erträglich, sogar lustig zu gestalten, dies wird durch die Stiftung Theodora ermöglicht. Während meinem Besuch finden sich zahlreiche neue Patientinnen und Patienten ein und haben schnell Zugang zum Clown-Spektakel. Sie werden sofort mit einbezogen und machen gerne mit. Am meisten Spass haben die noch sehr kleinen. Die grösseren Kinder, die bald ins Teenie-Alter kommen, sind teilweise etwas skeptischer. Sie empfinden den Besuch gar ein bisschen peinlich. Doch dank der grossen Professionalität und Phantasie der Spitalclowns ist es aber immer möglich, auch kritische Patienten zu erreichen und aufzuheitern.

 

Nach einer Stunde verabschiede ich mich von den Spital-Clowns. Mit vielen neuen, faszinierenden  und berührenden Eindrücken verlasse ich das Kinderspital in Luzern. Mein Besuch gab mir einen kleinen Einblick in den Alltag eines Spital-Clowns und ich erahne, wie viel  Licht durch “Theodora” in die Herzen der Kinder gebracht wird.