Kultur | 03.10.2013

“Ich könnte auf einer Farm Kiwis pflücken”

Die Hamburgerin Leslie Clio startete am letzten Sonntag ihre "Gladys"-Herbsttour in der Schweiz. Doch wer ist die Blondine, welche ihren Musikstil als "modernen Soul-Pop mit einem Hauch Retro" beschreibt? Mit Tink.ch sprach die deutsche Sängerin nach ihrem Konzert in Zürich über Kiwis, Castingsendungen und kalte Gewässer.
Die Hamburger Sängerin Leslie Clio sprach über Kiwis, kalte Gewässer und Castingsendungen.
Bild: zvg (Universal Music)

Leslie Clio, es ist kurz vor 11 Uhr abends , das Konzert ist vorbei, deine Fans gegangen. Kannst du dein jetziges Gefühl mit einem Wort beschreiben?

Nein (lacht). Eher mit zwei: erschöpft, aber glücklich.

 

Und wer ist kurz umschrieben die Person Leslio Clio?

Im Prinzip bin ich nur: “I’m just a girl”, welches seine Lieder singt und sich freut, wenn andere sich die Texte anhören.

 

Wollte Leslio Clio schon immer Soulsängerin werden oder hatte sie als Kind einen anderen Traumberuf?

Ich bin vielfältig. Ich könnte auf einer Kiwifarm Kiwis pflücken oder eine Woche lang als Reiseführerin tätig sein. Aber heute bin ich hier, weil ich gerne singe. Das Singen ist und war schon immer für mich bestimmt.

 

Deine Herbsttour hat heute gestartet. Hier in Zürich. Reiner Zufall oder hast du einen speziellen Bezug zur Schweiz?

Ich mag die Schweiz sehr gerne. Die Leute, aber auch die Berge (lacht) und natürlich das schöne “Schwyzerdütsch” – Das klingt so toll! Es ist jedoch eher Zufall, dass wir hier starten. Leider ist es erst das zweite Mal, dass wir hier auftreten. In der Zukunft würde ich gerne mehr in der Schweiz singen und auch andere Schweizer Städte erkunden.

 

Wie sieht dein Alltag aus, während du auf Tour bist?

Ich stehe meistens als Letzte auf. Bis am Mittag bleibe ich sicher in meiner Jogginghose. Ich checke meine Mails, trinke meinen Kaffee, gehe duschen. Danach mache ich mir die ersten Gedanken über die Tagesplanung. Wo sind wir, was läuft heute. Leider kann ich nicht sagen, dass ich die Konzertstädte richtig kennen lerne. Es fehlt mir die Zeit, Kultur und Menschen näher zu kommen oder Sehenswürdigkeiten zu bestaunen.

 

Und wie gestaltest du dir deinen Tag, wenn du frei hast?

Dann habe ich keine Tagesstruktur. Es gibt Tage, an denen ich mich entschliesse, drei verschiedene Tanzkurse zu besuchen. Manchmal habe ich Gesangsunterricht oder arbeite im Studio an neuen Texten. Ich bin auch an freien Tagen gerne beschäftigt, aber dann mit ganz persönlichen Dingen.

 

Facebook, Twitter und Instagram. Wie aktiv bist du selber auf solchen Portalen?

Für eine Musikerin oder einen Musiker gehört das Jahr 2013 einfach dazu. Da unterscheide ich mich von all meinen Vorbildern und Idolen von früher, zu deren Zeit es Facebook und Co. noch nicht gab. Der Beruf als Sängerin ist durch diese Netzwerke viel facettenreicher geworden. Obwohl ich eher ein privater Mensch bin gehören Facebookposts, welche mit Twitter und Instagram verbunden sind, einfach dazu. Die Kommentare der Fans sind toll. Ich lese sie gerne.

Wenn du jedoch auf meine Twitter- oder Instagram-Seiten gehst, wirst du sehen, dass ich da ziemlich am Anfang bin.

 

Musik ist sehr persönlich. Wo holst du die Inspiration für deine Musik?

Mich inspiriert alles, was passiert. Was man erlebt, will man ja reflektieren. Es gibt Leute, die schreiben Tagebuch, andere sprechen mit ihren Freunden und ich schreib Texte mit meinen Inspirationen. Ich freue mich natürlich, wenn sich andere in meinen Liedertexten wiederfinden.

 

Einen künstlerischen Weg einzuschlagen ist nicht immer leicht. Gab es Momente, in denen du aufgeben wolltest?

Nee (lacht). Am Anfang wird man ja wortwörtlich ins kalte Wasser geworfen. Entweder sagt dir die Kälte zu, du gibst auf oder du lernst schwimmen. Dann merkt man: Das Wasser wird wärmer, wenn man darin schwimmt.

 

Wie gehst du mit Rückschlägen und Enttäuschungen um?

Wenn von 20 Konzerten ein bis zwei Konzerte schlecht waren lernt man daraus. Es ist einfach so und ich mache weiter. Es sind in diesem Sinne keine Rückschläge.

 

Wie stehst du zu Castingsendungen wie Deutschland sucht den Superstar oder The Voice?

Ich habe dazu keine klare Meinung. Für mich kommen solche Sendungen nicht in Frage. Ich bin überhaupt kein kompetitiver Mensch. Ich möchte mich nicht mit anderen messen. Aber jeder ist anders, sucht individuell seinen Weg und es gibt Leute, denen solche Castingsendungen sicher etwas bringen .

 

Der immer wieder angekündigte Weltuntergang ist zur Zeit nicht aktuell. Doch was musst du unbedingt noch erleben, bevor die Welt wirklich untergeht?

Ich möchte reisen, die Welt entdecken. Das finde ich wichtig. Wenn man feststellen würde, dass die Welt in zwei Monaten untergeht, dann würde ich meine Koffer packen und verreisen – und zwar zu Fuss.

 

Die Zukunft kann man schlecht erahnen. Meistens kommt es anders als man denkt. Trotzdem meine letzte Frage an dich: Wo siehst du dich in zehn Jahren?

Das ist eine gute Frage, über die ich mir schon oft Gedanken gemacht habe. Im Moment kann ich sagen, dass ich glücklich bin. Für die Zukunft erhoffe ich mir, dass ich besser werde, mit der Musik weitermachen kann und dass die Leute, welche ich mag, bei mir bleiben. Zehn Jahre sind jedoch sehr weit weg. Daher ist es schwierig zu sagen, was alles noch kommen wird. Am besten soll es so bleiben, wie es jetzt ist.

 

Mit einem fast perfekt ausgesprochenen “Dankäschön” auf Schweizerdeutsch verabschiedet sich Leslie Clio und steigt erschöpft aber glücklich in den Tourbus. Die nächste Konzertstadt, Wien, wartet bereits.