Kultur | 21.10.2013

Eine Romanze im Sci-Fi-Remix

Text von Delilah Siegrist | Bilder von Katharina Good
Eine romantische Liebesgeschichte entführt in neue Dimensionen einer anderen Welt. Hartnäckig kämpfen zwei Liebende gemeinsam gegen Gewalt und Unterdrückung, wobei Parallelen zu unserer Gesellschaft aufgezeigt werden. Auf ganz besondere Weise zeigt Regisseur Juan Diego Solanas in "Upside Down": Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.
Liebe zwischen zwei Welten.
Bild: Katharina Good

Eine Liebe stärker als die Gravitation

Die Geschichte von Adam und Eden überzeugt. Die beiden lernen sich als Kinder aus unterschiedlichen Welten kennen, verlieben sich leidenschaftlich, werden durch Gewalt jahrelang voneinander getrennt und finden sich schließlich wieder, nur um dann noch härter als je zuvor für ihre Liebe kämpfen zu müssen. Das altbekannte Grundkonzept einer Liebesgeschichte wird durch Fantasy- und Science-Fiction-Elemente aufgemischt und so zu einem einzigartigen Film-Erlebnis.

 

Zwillingsplaneten und rosafarbener Blütenstaub

Upside Down überzeugt durch das kreative, ansehnlich gestaltete Set-Up. Zu Beginn wird erklärt, wie die Zwillingsplaneten, die obere und untere Welt, aufgebaut sind und was für Gravitationsregeln auf den Planeten herrschen. Ein vollkommen neues Konzept wird den Zuschauenden präsentiert und es ist überraschend gut nachvollziehbar.

 

Durch die drei Regeln dualer Schwerkraft stehen die Zwillingsplaneten miteinander in Verbindung: Alle Materie wird von ihrem Heimatsplaneten angezogen, die Anziehungskraft eines Gegenstands kann durch Materie der anderen Welt verringert oder invertiert werden (inverse Materie) und kommt Materie mit inverser Materie zusammen, beginnt die Kombination zu brennen.

 

Die Geschichte

Das Konzept der Zwillingsplaneten wirkt glaubhaft. Es existieren zwei entgegengesetzte Gravitationsfelder, wobei Eden von der Schwerkraft ihrer, der “oberen” Welt und Adam von derjenigen der “unteren” Welt angezogen wird. Die Frage ist nur, wie Eden und Adam überhaupt so nahe an die Grenze zwischen oberer und unterer Welt gelangen konnten, wenn der Kontakt zwischen den Welten strikt verboten war.

 

Nachdem Eden und Adam sich jahrelang nicht gesehen haben, treffen sie sich wieder. Nur Eden erinnert sich nicht mehr an Adam, sie hat Amnesie. Nach einiger Zeit und gefährlichen Liebes-Reisen zwischen den Welten, vermag sich Eden spärlich wieder zu erinnern, doch die Gesetzeshüter versuchen mit allen Mitteln, die Liebenden zu trennen. Adam und Eden werden verfolgt, sie werden bedroht, erneut getrennt und erpresst. Ihre Liebe wird auf eine harte Probe gestellt. Wer wird den Kampf gewinnen, die Liebe oder das Gesetz?

 

Flache Handlung und unauffindbar in Schweizer Kinos

Jim Sturgess als Adam und Kirsten Dunst als Eden fügen sich überzeugend in ihre Rollen ein. Sie zeigen in den dramatischen Liebesszenen durch lebensechte Emotionen, dass sie talentiert sind, allerdings zeigen sie nicht ihr ganzes Können. Durch die gute Besetzung wird die monodimensionale Handlung jedoch zur Nebensache.

 

Der kanadisch-französische Film hat es in Kinos auf der ganzen Welt geschafft. In Kasachstan erschien er bereits am 22. August 2012, in Kanada und Frankreich Ende April 2013, in Deutschland vor einem Monat. Doch in schweizerischen Kinos scheint man den Film nicht zu kennen. Er hat nämlich in der Schweiz keinen Kinoverleiher und wird daher gleich als DVD erscheinen.

 

Romantisch, aber gesellschaftskritisch

Romanzen sind oft vorhersehbar. Doch dies hindert begeisterte Filmfans nicht daran, sich immer wieder Liebesgeschichten anzusehen – jeder Film hat seine Eigenheiten. Upside Down befasst sich mit einem außergewöhnlichen Konzept und zeigt uns nebenbei manche Fehler unserer Welt auf. Dass sich Menschen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten nicht lieben dürfen, weil die eine reich und der andere arm ist, kommt nicht selten vor.

 

Die Zuschauenden sollen erkennen, dass es keine Rolle spielt, aus welchen sozialen oder finanziellen Milieus jemand stammt. Es ist viel wichtiger, mit wem man sich umgeben will – ungeachtet der Gesellschaftsklasse. Upside Down wirft bekannte Fragen neu auf und zeigt, wie stark wahre Liebe sein kann.