Kultur | 21.10.2013

“Ich habe eine gewisse Gelassenheit”

Text von David Schneider | Bilder von Yanik Gasser
Lissie ist nicht nur Musikerin, sondern auch Powerfrau. Die Künstlerin aus Rock-Island zeigt im Interview mit Tink.ch Humor und eine herzliche Art. Auch ihre Liebe für die Schweiz schimmert durch.
Lissie verbindet eine besondere Liebe zum Ländlichen.
Bild: Yanik Gasser

Tink.ch: Lissie, wenn man dich zum ersten Mal sieht und deinen Namen hört, könnte man direkt vermuten, du seist eine Musikerin aus Schweden. Beinhaltet diese Annahme ein wenig Wahrheit?

Ja, vor etwa hundert Jahren zog ein Grossteil meiner Familie aus Schweden in die Staaten. Rund 80 Prozent meiner Verwandten stammen aus Schweden. Zudem habe ich zehn Prozent deutsche Wurzeln und auch noch zehn Prozent Schweiz in mir. Aber egal wo meine Wurzeln liegen, ich habe es gut mit allen Leuten und bin diesbezüglich ziemlich ausgeglichen. Schlussendlich sind wir alle gleich.

 

Seit kurzem hast du dein neues Album “Back to forever” am Start. Du hast daraus ein paar Stücke am “Stars in Town” in Schaffhausen gespielt. Wie hat es sich angefühlt, die neuen Stücke zu präsentieren? Konntest du die Zuschauenden abholen?

Das ist eine lustige Sache, denn wir touren seit Mai in den Staaten und nun in Europa. Da ist immer dieser Gedanke, dass die Leute nur Songs hören wollen, die sie kennen. Aber es ist ja nicht so, dass ich seit meinem letzten Album ein grosser Star bin und alle meine Musik kennen. Deshalb ist jedes Konzert eine Chance, die Leute für unsere Musik zu begeistern. Und die Personen, die uns bereits kennen, überraschen wir mit dem neuen Material. Beispielsweise mit der aktuellen Single “Further Away”, ein Song, bei dem wir jedes Mal tolle Reaktionen erhalten.

 

Was fühlst du, wenn du auf der Bühne stehst und deine Lieder performst? Suchst du die Verbindung zu den Leuten oder bis du auf dich selbst gerichtet?

Als allererstes versuche ich eine generelle Verbindung zum Publikum herzustellen. Sobald ich merke, dass die Zuschauenden mit mir fühlen, kann ich mich mehr auf mich und was in meinem Kopf passiert konzentrieren. Was die Musik anbelangt, wollen wir einfach Spass haben. Man sollte sich auf der Bühne nicht zu viele Gedanken machen. Denn sobald du zuviel überlegst, verlierst du dich in deinen Gedankensträngen. Die Idee ist also, dass ich während dem Konzert nicht zu viel denke, sondern einfach spiele.

 

In der Schweiz stiess dein Album bis in die Top 50 vor: Lieben die Leute in Europa überall deine Songs so sehr?

Wir waren auch in Norwegen unterwegs und haben dort nicht nur das grosse Oslo besucht, sondern  auch in vielen kleinen Städten Konzerte gespielt. Ich selber komme vom Land und nicht aus der Stadt und wenn wir durch ein Land touren, haben wir viel Spass abseits der grossen Metropolen. Und das Gefühl, dass Leute, die hunderte Kilometer von meinem Zuhause weg wohnen, meine Texte kennen und mitsingen, ist einfach unglaublich. Es sind meist Leute, die weniger Bezug zur Stadt haben.

 

Du willst also sagen, ihr sprecht die Leute an, die nicht so sehr stadt- und status-bezogen sind, die sich selbst bleiben?

Ja, so in etwa. Ich habe nichts gegen diese Personen, aber ich selber bin ländlich aufgewachsen und habe einge gewisse Gelassenheit. Und die widerspiegelt sich in unserem Publikum, das macht und singt mit. Da hat es Zuschauende von zehn bis sechzig Jahren, alle Generationen auf einmal. Es ist wirklich Musik für alle, denn wir rennen keinem Trend nach.

 

Wie du sagtest, hat es auch Kinder unter deinen Fans. Du selber hast auch als Kind die ersten musikalischen Schritte gemacht, als du in einem Musical die Hauptrolle spieltest. Wie war das?

Damals spielte ich Annie, das war die Hauptrolle im gleichnamigen Musical. Ich wollte singen und etwas machen. Zu Hause war das normal und ich habe oft gesungen. So war ich ständig am Singen und kam zu dieser Rolle. Bei dem Musical stand ich 80 mal als Annie auf der Bühne und es war professionell, nicht einfach so ein High School-Musical. Es war eine Art Dinner-Theater, bei dem die Leute während der Show dinieren. Ich war neun Jahre jung und spielte für 15 Dollar pro Auftritt.

 

Gab es in deiner bisherigen Karriere auch Momente, die etwas unangenehm waren, zum Beispiel ein besonders langweiliger Auftritt?

Einmal habe ich vor einem Pizza-Hut gespielt, das war speziell. Da war genau eine Person, die draussen stand und kaum richtig zuhörte. Ich spielte mit meiner Akustik-Gitarre und hatte Freude an dem Auftritt. Schlussendlich bekam ich 50 Dollar ausbezahlt und eine Pizza obendrauf. Damals war ich 19 Jahre alt, und es war ziemlich komisch.

 

Zum Schluss: Wann werden wir in der Schweiz wieder von dir hören?

Ich werde am 30. Oktober in der Härterei Zürich spielen. Bis dahin werden wir einige Radio-Konzerte spielen, um unser neues Album zu promoten. Ich hoffe, die Leute werden unser neues Album mögen und finden den Weg an eines der Konzerte. Aber egal wie viele Zuschauende da sein werden, wir werden alles geben.

 

Eckdaten


Neues Album “Back to forever” neu im Handel erhältlich.

 

Lissie live: 30. Oktober in der Härterei Zürich