Kultur | 06.10.2013

Bärner Platte

Text von Céline Graf | Bilder von Matthias Käser
In der Shnit-Filmreihe "Bärner Platte" entführten Berner Regisseurinnen und Regisseure in Tessiner Berghütten, Schweizer Tresore, auf Berner Entsorgungshöfe oder Spielplätze. Passend zu den Zutaten des traditionellen Berner Gerichts, das der Reihe ihren Namen verleiht, servieren wir fünf kurze Kritiken.
Eine traditionelle Berner Platte mit Speck, Bohnen, Wurst, Salzkartoffeln und Wienerli.
Bild: Matthias Käser

Speck: Mehr davon!

Einfühlsam, in teils verschwommenen Kameraeinstellungen, nähert sich Maria Gysi in ihrem Dokumentarfilm “Daughter of the Woods” (2012) der 12-jährigen Olivia, die mit ihrem Vater in einem abgelegenen Rustico im Tessin lebt. Interviewausschnitte, Alltagsszenen, musikalischen Elemente und Bilder aus dem heimeligen Kleinod bilden eine stimmige Komposition. Die Jury der Schweizer Jugendfilmtage hat treffend geschrieben: “Man würde gerne länger verweilen und mehr erfahren.”

 

Bohnen: Gesund(e Selbstironie)

In Konstantin Gutschers Kurzfilm “Im Schnitt” (2013) schauen wir aus der Perspektive des Computers einem Produzenten, einem Cutter und einem TV-Journalisten dabei zu, wie sie den Film schneiden, in dem sie gerade spielen. Resultat ist ein für den Zuschauer vergnüglicher Schlagabtausch mit Andri Schenardi und Jonathan Loosli, beides Mitglieder des Ensembles von Konzert Theater Bern, sowie dem Schauspieler Pit-Arne Pietz. Fehlt nur noch das Making-of des Making-ofs.

 

Wurst: Wundertüte

Immer schneller und wackeliger verfolgt die Kamera die Männer in den orangen Westen, wenn sie Sofas und Matratzen, Flaschen und Stühle, Farbtöpfe und Lampen in hohem Bogen in Mulden werfen. Madeleine Corbat, übrigens Produzentin von “Im Schnitt”, gibt in ihrem Dokumentarfilm “Adios” (2013) einen Einblick in die Arbeit auf einem Stadtberner Entsorgungs- und Recyclinghof. Das Porträt besticht durch authentische Protagonisten, die eigene Aussagen auch einmal mit einem Augenzwinkern kommentieren, sowie eine einfallsreiche Bildsprache.

 

Salzkartoffeln: Gibt Spannenderes

Ein anderer Dokumentarfilm aus der “Bärner Platte”-Reihe enttäuscht trotz interessantem Schauplatz: In “40 Jahre Längmuur Spili” von Fabienne Schultheiss erzählen Kinder von Erlebnissen und Freundschaften, die sie mit dem Robinson-Spielplatz am Aareufer verbinden. Natürlich sind die jungen Protagonisten süss, lustig, manchmal gar verblüffend. Doch leider erfährt das Publikum bis auf die Tradition des Seifenkistenbauens nichts über die Geschichte des Spielplatzes.

 

Wienerli: Knackig

Von Fabio Friedli, der mit seinem Animationsfilm “Bon Voyage” (2011) über europäische Asylpolitik zahlreiche Preise abgeräumt hat, durfte Bissiges erwartet werden. Man wurde nicht enttäuscht: Dieses Mal mit einem Spielfilm hat Friedli sich die Grossbanken vorgeknöpft. Die Geschichte von “Hold up!” (2012) mit dem charakterstarken Schauspieler Manfred Liechti als Hochstapler, der bald auf dem Chefsessel landet, ist etwas vorhersehbar, macht bei dem rasanten Erzähltempo aber dennoch grossen Spass zum Zuschauen.