Kultur | 18.10.2013

Bands, Raclette und Netzwerk

Text von Martin Sigrist | Bilder von Martin Sigrist
Alljährlich strömt die Musikwelt in Hamburg zum Reeperbahn Festival, um musikalisch und geschäftlich auf den neuesten Stand gebracht zu werden.
  • Über den Dächern Hamburgs: The Glitches in den "Tanzenden Türmen", präsentiert von Grossbritannien

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  • Die etwas steife Eröffnung mit Hamburgs Erstem Bürgermeister Olaf Scholz...

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  • ...wird sofort aufgelockert durch MTV-Legende Ray Cokes...

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  • ...der auch gerne mit seinen Gästen (hier Dave Stewart) ein Tänzchen ...

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  • ...oder mit We Intenvted Paris ein Interview auf Schweizerdeutsch wagt.

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  • Etwas traditioneller die Schweizer: Grossandrang beim Raclette

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  • Überfüllter Hörsaal gleich nebenan: The Balconies spielen für Kanada

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  • Nordischer Indierock: The Royal Concept aus Schweden im vom Abriss bedrohten Club Molotow

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Die Hamburger Reeperbahn steht für so manche Geschichte. Jeweils im frühen Herbst treten die dortigen Sexclubs in den Hintergrund und sie wird Schauplatz eines der grössten Clubfestivals in Europa. An über 70 Orten präsentieren 300 Musiker, die meisten davon Nachwuchskünstler, ihr Talent vor heuer 28’000 Besuchern. Unter das Publikum mischen sich auch mehrere tausend Fachbesucher wie Booker, Promoter und Veranstalter. Hier lockt also nicht nur Musik, sondern auch das grosse Geschäft. Ein Auftritt am Festival, wo einst Boy oder Sophie Hunger erste internationale Gehversuche wagten, garantiert zwar nicht den grossen Durchbruch, ist aber sicherlich eine Anerkennung wert.

Vom Zirkuszelt in die Hochhausbar

Das Festival verteilt sich auf unterschiedlichste Orte rund um die einst sündige Meile Hamburgs. Nebst bekannten Clubs und Bars werden auch eine Kirche, ein Fussballclub, ein Zirkuszelt und für wenige Konzerte sogar eine Bankfiliale bespielt. An diesen Orten präsentieren vier Tage lang nicht nur einzelne Bands, sondern auch Länder ihren Musikexport. Die Schweiz lockt mit Raclette, Gipfeli und Bands wie den verrückten Oy, den Indies von We Invented Paris und dem Vorzeige-Schwiegersohn Dagobert. Grossbritannien lädt exklusiv in den 18. Stock der „Tanzenden Türme«, um bei Cocktails und The Glitches die Aussicht über die Stadt zu geniessen und Kanada deklariert gleich für die ganze Festivaldauer einen Club zum „Canada House«.

Fachpublikum und Legenden

Für das Fachpublikum finden tagsüber zahlreiche Gesprächsrunden und weitere Vernetzungsveranstaltungen statt. Es werden Themen wie kostenlose Remixe, die Gefährdung klassischer Musik und die Klublandschaft besprochen. In diesem Rahmen präsentiert Eurythmics-Hälfte Dave Stewart eine Bank für Künstler, die sie im geschäftlichen Teil ihrer möglichen Karriereunterstützen soll. Ray Cokes, eine ebenfalls schon fast vergessene Legende aus Zeiten als das „M“ von MTV noch für Musik stand, lädt täglich zu seiner Reeperbahn Revue, wo von ihm ausgewählte Bands einen Song akustisch präsentieren und ein Interview geben.

Gute Musik

Die Qualität der Bands ist allgemein hoch. Um möglichst viele persönliche Highlights zu hören, empfiehlt sich eine gute Vorbereitung gemäss dem eigenen Geschmack oder die nötige Offenheit, um auch unbekannte Musiker zu entdecken, etwa wenn gewisse Clubs vorübergehend voll sind. Nebenher ist es auch sehr interessant die unterschiedlichen Spielstätten zu entdecken.

Und soweit Zeit bleibt, bietet Hamburg fernab der Reeperbahn noch so einiges mehr.