Komplexer Bürgerkrieg

So schrecklich chemische Waffen auch sein mögen, der Grossteil der kriegerischen Auseinandersetzungen in Syrien werden mit konventionellen Waffen geführt. Der Fokus auf Chemiewaffen zeigt, dass der Westen zwar bereit ist, gegen den Einsatz von Massenvernichtungswaffen vorzugehen. Gleichzeitig wird aber auch deutlich, dass der Bürgerkrieg selber, solange er mit konventionellen Waffen geführt wird, offenbar keinen Grund für eine Militärintervention darstellt. Ein Militärschlag würde natürlich erhebliche Gefahren und Kosten mit sich bringen. Allerdings dürfte noch ein anderer Faktor eine Rolle spielen, wenn die USA davon absieht, gegen einen alten Erzfeind wie Assad vorzugehen.

 

Komplexer Bürgerkrieg

Nicht nur Assad, sondern auch Teile der Rebellen stellen für die USA ein Problem dar. Die Aufständischen weisen eine grosse Heterogenität auf – von säkular gesinnten Demokraten über Militärs bis hin zu radikalislamischen Extremisten ist alles vertreten, wobei gerade die Extremisten über eine grosse Schlagkraft verfügen. Und auch der Verlauf der Kampffronten lässt sich nicht einfach entlang der Grenze zwischen Opposition und Regime ziehen. So bekämpfen sich auf Rebellenseite mitunter unterschiedliche Gruppierungen untereinander und auch Auseinandersetzungen zwischen Extremisten und Kurden im Norden und Nord-Osten Syriens flammen immer wieder auf.

 

Die Zeit der simplen Aufteilung in Gut und Böse, als friedliche Demonstranten auf die Strasse gingen und brutal vom Regime niedergeschossen wurden, ist lange vorbei. Die Komplexität des Bürgerkriegs und die Feindschaft gegenüber dem Westen beim Regime wie auch bei Teilen der Rebellen machen es für die USA schwierig, direkt zugunsten einer der Parteien einzugreifen. Sei es aufgrund solcher Vorbehalte oder wegen der russischen und chinesischen Unterstützung für Assad im UNO-Sicherheitsrat: Eine Militärintervention in Syrien scheint nach dem Einlenken Assads bezüglich seiner Chemiewaffenarsenale in weite Ferne gerückt.

 

Verfahrene Situation

Ein Ende des Konflikts kann unter diesen Umständen nur durch den militärischen Sieg einer der Kriegsparteien oder durch eine Verhandlungslösung erreicht werden. Obwohl das Regime in den vergangenen Wochen einige militärische Erfolge verbuchen konnte, ist eine vollständige militärische Niederlage der Rebellen kaum wahrscheinlich. Die Kämpfe werden vor allem um kleinere Ortschaften und speziell in den letzten Wochen um Vororte von Damaskus geführt. Wirkliche Frontverlagerungen und massive Gebietsgewinne sind selten geworden. In ihren Kerngebieten im Norden und Süden des Landes scheinen die Rebellen fest im Sattel zu sitzen und können zudem problemlos mit Waffen versorgt werden.

 

Lösung am Verhandlungstisch

Bleibt somit die Option, eine Lösung des Konflikts am Verhandlungstisch zu suchen. Dass Assad solche Verhandlungen bisher abgelehnt hat, liegt nicht nur an seiner aktuellen militärischen Stärke: Sollten in nächster Zeit Verhandlungen zwischen den Aufständischen und dem Regime stattfinden, wäre es wahrscheinlich, dass die Rebellen ihre eroberten Gebiete nicht mehr hergeben würden, nicht zuletzt natürlich aus Angst vor Repressionen. Sollte sich eine solche Pattsituation ergeben, ist sogar eine Spaltung Syriens denkbar.

 

Die Situation bleibt also verfahren und die Zukunft schwierig abzuschätzen. Klar ist hingegen, dass das Leid der Zivilbevölkerung weiter anhalten wird. UNHCR-Schätzungen gehen davon aus, dass die Zahl der Flüchtlinge, welche Syrien seit Konfliktausbruch verlassen haben, bis Ende 2013 drei Millionen betragen wird.

 

 

Christian Wyler


Tink.ch-Reporter Christian Wyler schliesst sein Islamwissenschafts-Studium in Kürze ab und kennt Syrien von einem mehrmonatigen Studienaufenthalt.

 

Youngster Frey trumpft bei YB auf

Um Punkt 19:45 wird das Spiel im Stade de Suisse angepfiffen. Die Berner haben in der zweiten Minute die erste Halbchance. Nach einer Flanke des erst 19-jährigen Florent Hadergjonaj, köpft Gerndt den Ball aus guter Position über das Tor von Joel Mall. Dieser hat, wie auch letzte Woche gegen den FCZ, den Vorrang vor Routinier Sven König erhalten.

 

YB bleibt weiter am Drücker und drängt den FCA weit in die eigene Platzhälfte zurück. Nach fünf Minuten ist es der Aarauer Staubli, welcher den YB-Stürmer Afum in letzter Sekunde am Abschluss hindert. Dieser ist nach einem weiten Abstoss von Wölfli an den Ball gekommen, legt sich diesen jedoch zu weit vor.

Die Aargauer, welche mit derselben Startformation ins Spiel gehen wie gegen den FCZ, sind zu Beginn vor allem mit Abwehrarbeit beschäftigt. So auch nach einer knappen Viertelstunde, als Nuzzolo Torhüter Mall mit einem Fallrückzieher prüft.

 

YB geht verdient in Führung

In der 21. Minute ist es Christoph Spycher, welcher sich auf der linken Seite durchsetzt und zur Mitte flankt. Seine gut getimte Flanke wird von Aarau-Verteidiger Jäckle unglücklich zu Gerndt abgelenkt und dieser ist so überrascht, dass der Ball den Weg zu ihm findet, dass er das Spielgerät mit der Brust in Richtung Tor befördert. Mall wehrt den Ball ab, aber Michael Frey steht genau richtig, um abzustauben. Die Berner dürfen die erste Führung seit fünf Spielen bejubeln.

 

Aarau ohne Chance in der ersten Halbzeit.

Nach 45 Minuten pfeift Schiedsrichter Nikolaj Hänni ab. Aarau war erschreckend passiv und wurde dafür bestraft. Defensiv standen die Aargauer zwar gut, aber in der Offensive brachten sie keinen Fuss vor den Anderen und somit steht in der Torschussstatistik auch eine Null unter dem Wappen der Aarauer.

 

Aarau versucht zu reagieren

Die Pausenansprache von Aarau-Trainer René Weiler war offenbar laut, denn kurz nach Widerbeginn kommt Calla frei zum Kopfball, doch er scheitert am guten Stellungspiel von Marco Wölfli. Aarau spielt jetzt aktiver als in der ersten Halbzeit. Dennoch gehört die nächste Chance den Bernern. Afum knallt den Ball nach einer tollen Frey-Flanke in den Berner Nachthimmel.

YB-Trainer Uli Forte peitscht seine Schützlinge weiter nach vorne und prompt ist das 2-0 Tatsache. Steffen, der zuvor eingewechselt wurde, flankt herrlich auf Frey und dieser köpft in der 64. Minute gnadenlos ein.

 

Fare-Trade Actionweek

Das Spiel ist mehr Kampf und Krampf als Kunst. Allerdings ist der Match fair, der Unparteiische Nikolaj Hänni hat keine Probleme mit der Spielführung. Einzig ein Zuschauer, welcher den Schiedsrichter beleidigt, muss von Uli Forte beruhigt werden.

“Gegen Gewalt und Rassismus” so lautet das Motto des Spiels. Der Berner Mittelfeldspieler Renato Steffen meint dazu: “Es ist definitiv eine tolle Sache und ich hoffe, dass alle, die uns als Vorbilder nehmen, sich von Gewalt und Rassismus distanzieren.” Die Trikots von YB werden in den nächsten Tagen versteigert und der Erlös wird an die Fanarbeit Bern gespendet.

 

YB macht alles klar

In der 70. Minute hat YB das Fussballgeschehen im Griff, doch Aarau gibt noch nicht auf und lanciert in der 74. Minute einen gefährlichen Angriff. Lüscher flankt gefühlvoll auf Calla, welcher wieder ohne Gegenwehr auf das YB-Tor köpfelt. Wölfli jedoch bestätigt seinen Aufwärtstrend und kratzt den Ball mirakulös aus dem unteren Eck.

Praktisch im Gegenzug schafft es der Berner Alexander Gerndt nicht den Ball, nach einem Kubo-Solo, einzuschieben. Joel Mall kann den Ball mit der Fussspitze über die Latte lenken.

Die Aargauer rennen noch einmal bei Wölfli an, doch der Schuss von Ionita ist zu ungenau, um dem YB-Schlussmann Probleme zu bereiten.

Da viele Aarauer aufgerückt sind, können die Berner einen Konter lancieren. Kubo schnappt sich auf der Höhe der Mittelinie den Ball und sprintet an der linke Seitenlinie entlang. Von der Grundlinie aus legt er auf den aufgerückten Affolter zurück, welcher in Stürmermanier einschiebt.

 

YB gewinnt wieder – endlich

3-0 für YB, daran kann der Aufsteiger nichts mehr ändern und ist nach dem Schlusspfiff auch sichtlich enttäuscht. Auf die Frage, warum man in der ersten Halbzeit in der Offensive nichts ausrichten konnte, antwortete Alain Schultz nur: “YB war zu stark, wir kämpften, aber standen nicht optimal und hatten viele Fehlpässe aufzuweisen.”

Ganz anders die Stimmung bei Doppeltorschütze Frey. Er meinte, dass nun endlich einmal die stärkere Mannschaft gewonnen habe und sie angesichts des Resultates auch alles richtig gemacht hätten. Übrigens, war dies sein erstes Doppelpack in der Super League und wird aus Sicht der Berner hoffentlich auch nicht das Letzte bleiben.

Faszination des Gewöhnlichen

Das Internetportal Youtube wurde von drei Freunden im Jahre 2005 gegründet. Heute enthält es eine schier überwältigende Vielzahl von Videos, die nach Herzenslust abgespielt werden können. Was genau jemand anschauen will, bleibt ihm oder ihr selbst überlassen. Von Clips, die etwas so Alltägliches wie ein lachendes Baby zeigen, über Video-Blogs bis hin zu ganzen Metallica-Konzerten lässt sich alles finden. Der anhaltenden Kritik verschiedener Seiten zum Trotz wachsen die Nutzerzahlen stetig weiter. Obwohl die meisten Videos das Gewöhnliche und Bekannte wieder und wieder thematisieren.

 

“Warum müllen diese Menschen uns zu mit ihrem Leben, ihren Gefühlen, ihrer ach so grossen Kreativität zu? Und das millionenfach?“, fragt etwa ein Kritiker auf einem Online-Forum. Der niederländisch-australische Medienwissenschaftler Geert Lovink schreibt in seiner Studie “The Cult of the Amateur”: “Statt einer Explosion kollektiver Vorstellungskraft werden wir Zeugen einer digitalen Desillusion. Die niedrige Qualität Youtubes beliebtester Videos zeigt, dass diese Plattform keine Quelle schöpferischer Ästhetik ist.”

 

Sich mit dem Gewöhnlichen identifizieren

Ganz anders sieht es der britische Video-Blogger Benjamin Cook, der in seiner Youtube-Serie “Becoming Youtube” erklärt: “Wir bieten der Welt nicht nur unsere Kunst, sondern wir offenbaren unser Selbst, unser Leben und unsere Identität.”

 

Es herrscht also kein Konsens darüber, ob Youtube-Videos als wichtigtuerische Darstellung des Alltags gelten sollen oder ob genau diesem Portrait der Banalität eine Kunst zu Grunde liegt, die anspricht, was uns alle beschäftigt. Fest steht, dass Millionen Menschen eben diese Videos anschauen.

 

Youtube dient wie viele andere Medien primär der Unterhaltung. Das Videoportal enthält eine riesige Auswahl an Videomaterial. Es kann selbständig ausgesucht werden, wann welcher Clip angeschaut wird. Ausserdem werden laienhafte Videos professionell produzierten oftmals ihrer Authentizität wegen vorgezogen. Mit einem Video, das von irgendeiner  Person an einem beliebigen Ort aufgenommen wurde, kann man sich grundsätzlich besser identifizieren. Eine Person, die sich so präsentiert, kann man besser kennen lernen, als einen berühmten, aber weit entfernten Filmstar.

 

Weltweite Interaktion

Die Faszination auf der Publikumsseite ist das eine, aber was ist mit den Menschen, die Youtube-Videos hochladen? Da Youtube für alle erreichbar und kostenlos ist, kann sich dort darstellen, wer will. Alle haben die Möglichkeit, gross rauszukommen. Nicht aus Zufall verkauft Youtube den Slogan: “Broadcast yourself.” Das bedeutet, dass das Publikum nicht nur untätig zusieht, sondern sich beteiligen kann, indem es kommentiert, kritisiert und selber Material auf YouTube stellt.

 

Ein Video hochzuladen bietet vielen die Gelegenheit, ihr Talent einem grösseren Publikum zugänglich zu machen. Es ist mehr als der blosse Wunsch nach Aufmerksamkeit. Es ist eine Art sich seiner eigenen Existenz und Persönlichkeit zu versichern. Indem etwas auf Youtube gestellt wird, ist es sofort für alle Menschen mit Internetanschluss zugänglich.

 

Youtube ist ein Portal, welches allen, ohne Rücksicht auf Bildung oder finanzielle Ressourcen, die Möglichkeit bietet, das eigene Talent unter Beweis zu stellen und anderen zu zeigen. Oder in den Worten der Youtuberin Lindsay Atkin ausgedrückt, die 2013 in der IF-Kampagne gegen den Welthunger kämpfte: “Ich denke, es ist eine unglaubliche Plattform für normale Menschen wie mich, die uns erlaubt, über diejenigen Themen zu sprechen, die uns bewegen.”

Eine Romanze im Sci-Fi-Remix

Eine Liebe stärker als die Gravitation

Die Geschichte von Adam und Eden überzeugt. Die beiden lernen sich als Kinder aus unterschiedlichen Welten kennen, verlieben sich leidenschaftlich, werden durch Gewalt jahrelang voneinander getrennt und finden sich schließlich wieder, nur um dann noch härter als je zuvor für ihre Liebe kämpfen zu müssen. Das altbekannte Grundkonzept einer Liebesgeschichte wird durch Fantasy- und Science-Fiction-Elemente aufgemischt und so zu einem einzigartigen Film-Erlebnis.

 

Zwillingsplaneten und rosafarbener Blütenstaub

Upside Down überzeugt durch das kreative, ansehnlich gestaltete Set-Up. Zu Beginn wird erklärt, wie die Zwillingsplaneten, die obere und untere Welt, aufgebaut sind und was für Gravitationsregeln auf den Planeten herrschen. Ein vollkommen neues Konzept wird den Zuschauenden präsentiert und es ist überraschend gut nachvollziehbar.

 

Durch die drei Regeln dualer Schwerkraft stehen die Zwillingsplaneten miteinander in Verbindung: Alle Materie wird von ihrem Heimatsplaneten angezogen, die Anziehungskraft eines Gegenstands kann durch Materie der anderen Welt verringert oder invertiert werden (inverse Materie) und kommt Materie mit inverser Materie zusammen, beginnt die Kombination zu brennen.

 

Die Geschichte

Das Konzept der Zwillingsplaneten wirkt glaubhaft. Es existieren zwei entgegengesetzte Gravitationsfelder, wobei Eden von der Schwerkraft ihrer, der “oberen” Welt und Adam von derjenigen der “unteren” Welt angezogen wird. Die Frage ist nur, wie Eden und Adam überhaupt so nahe an die Grenze zwischen oberer und unterer Welt gelangen konnten, wenn der Kontakt zwischen den Welten strikt verboten war.

 

Nachdem Eden und Adam sich jahrelang nicht gesehen haben, treffen sie sich wieder. Nur Eden erinnert sich nicht mehr an Adam, sie hat Amnesie. Nach einiger Zeit und gefährlichen Liebes-Reisen zwischen den Welten, vermag sich Eden spärlich wieder zu erinnern, doch die Gesetzeshüter versuchen mit allen Mitteln, die Liebenden zu trennen. Adam und Eden werden verfolgt, sie werden bedroht, erneut getrennt und erpresst. Ihre Liebe wird auf eine harte Probe gestellt. Wer wird den Kampf gewinnen, die Liebe oder das Gesetz?

 

Flache Handlung und unauffindbar in Schweizer Kinos

Jim Sturgess als Adam und Kirsten Dunst als Eden fügen sich überzeugend in ihre Rollen ein. Sie zeigen in den dramatischen Liebesszenen durch lebensechte Emotionen, dass sie talentiert sind, allerdings zeigen sie nicht ihr ganzes Können. Durch die gute Besetzung wird die monodimensionale Handlung jedoch zur Nebensache.

 

Der kanadisch-französische Film hat es in Kinos auf der ganzen Welt geschafft. In Kasachstan erschien er bereits am 22. August 2012, in Kanada und Frankreich Ende April 2013, in Deutschland vor einem Monat. Doch in schweizerischen Kinos scheint man den Film nicht zu kennen. Er hat nämlich in der Schweiz keinen Kinoverleiher und wird daher gleich als DVD erscheinen.

 

Romantisch, aber gesellschaftskritisch

Romanzen sind oft vorhersehbar. Doch dies hindert begeisterte Filmfans nicht daran, sich immer wieder Liebesgeschichten anzusehen – jeder Film hat seine Eigenheiten. Upside Down befasst sich mit einem außergewöhnlichen Konzept und zeigt uns nebenbei manche Fehler unserer Welt auf. Dass sich Menschen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten nicht lieben dürfen, weil die eine reich und der andere arm ist, kommt nicht selten vor.

 

Die Zuschauenden sollen erkennen, dass es keine Rolle spielt, aus welchen sozialen oder finanziellen Milieus jemand stammt. Es ist viel wichtiger, mit wem man sich umgeben will – ungeachtet der Gesellschaftsklasse. Upside Down wirft bekannte Fragen neu auf und zeigt, wie stark wahre Liebe sein kann.

“Ich habe eine gewisse Gelassenheit”

Tink.ch: Lissie, wenn man dich zum ersten Mal sieht und deinen Namen hört, könnte man direkt vermuten, du seist eine Musikerin aus Schweden. Beinhaltet diese Annahme ein wenig Wahrheit?

Ja, vor etwa hundert Jahren zog ein Grossteil meiner Familie aus Schweden in die Staaten. Rund 80 Prozent meiner Verwandten stammen aus Schweden. Zudem habe ich zehn Prozent deutsche Wurzeln und auch noch zehn Prozent Schweiz in mir. Aber egal wo meine Wurzeln liegen, ich habe es gut mit allen Leuten und bin diesbezüglich ziemlich ausgeglichen. Schlussendlich sind wir alle gleich.

 

Seit kurzem hast du dein neues Album “Back to forever” am Start. Du hast daraus ein paar Stücke am “Stars in Town” in Schaffhausen gespielt. Wie hat es sich angefühlt, die neuen Stücke zu präsentieren? Konntest du die Zuschauenden abholen?

Das ist eine lustige Sache, denn wir touren seit Mai in den Staaten und nun in Europa. Da ist immer dieser Gedanke, dass die Leute nur Songs hören wollen, die sie kennen. Aber es ist ja nicht so, dass ich seit meinem letzten Album ein grosser Star bin und alle meine Musik kennen. Deshalb ist jedes Konzert eine Chance, die Leute für unsere Musik zu begeistern. Und die Personen, die uns bereits kennen, überraschen wir mit dem neuen Material. Beispielsweise mit der aktuellen Single “Further Away”, ein Song, bei dem wir jedes Mal tolle Reaktionen erhalten.

 

Was fühlst du, wenn du auf der Bühne stehst und deine Lieder performst? Suchst du die Verbindung zu den Leuten oder bis du auf dich selbst gerichtet?

Als allererstes versuche ich eine generelle Verbindung zum Publikum herzustellen. Sobald ich merke, dass die Zuschauenden mit mir fühlen, kann ich mich mehr auf mich und was in meinem Kopf passiert konzentrieren. Was die Musik anbelangt, wollen wir einfach Spass haben. Man sollte sich auf der Bühne nicht zu viele Gedanken machen. Denn sobald du zuviel überlegst, verlierst du dich in deinen Gedankensträngen. Die Idee ist also, dass ich während dem Konzert nicht zu viel denke, sondern einfach spiele.

 

In der Schweiz stiess dein Album bis in die Top 50 vor: Lieben die Leute in Europa überall deine Songs so sehr?

Wir waren auch in Norwegen unterwegs und haben dort nicht nur das grosse Oslo besucht, sondern  auch in vielen kleinen Städten Konzerte gespielt. Ich selber komme vom Land und nicht aus der Stadt und wenn wir durch ein Land touren, haben wir viel Spass abseits der grossen Metropolen. Und das Gefühl, dass Leute, die hunderte Kilometer von meinem Zuhause weg wohnen, meine Texte kennen und mitsingen, ist einfach unglaublich. Es sind meist Leute, die weniger Bezug zur Stadt haben.

 

Du willst also sagen, ihr sprecht die Leute an, die nicht so sehr stadt- und status-bezogen sind, die sich selbst bleiben?

Ja, so in etwa. Ich habe nichts gegen diese Personen, aber ich selber bin ländlich aufgewachsen und habe einge gewisse Gelassenheit. Und die widerspiegelt sich in unserem Publikum, das macht und singt mit. Da hat es Zuschauende von zehn bis sechzig Jahren, alle Generationen auf einmal. Es ist wirklich Musik für alle, denn wir rennen keinem Trend nach.

 

Wie du sagtest, hat es auch Kinder unter deinen Fans. Du selber hast auch als Kind die ersten musikalischen Schritte gemacht, als du in einem Musical die Hauptrolle spieltest. Wie war das?

Damals spielte ich Annie, das war die Hauptrolle im gleichnamigen Musical. Ich wollte singen und etwas machen. Zu Hause war das normal und ich habe oft gesungen. So war ich ständig am Singen und kam zu dieser Rolle. Bei dem Musical stand ich 80 mal als Annie auf der Bühne und es war professionell, nicht einfach so ein High School-Musical. Es war eine Art Dinner-Theater, bei dem die Leute während der Show dinieren. Ich war neun Jahre jung und spielte für 15 Dollar pro Auftritt.

 

Gab es in deiner bisherigen Karriere auch Momente, die etwas unangenehm waren, zum Beispiel ein besonders langweiliger Auftritt?

Einmal habe ich vor einem Pizza-Hut gespielt, das war speziell. Da war genau eine Person, die draussen stand und kaum richtig zuhörte. Ich spielte mit meiner Akustik-Gitarre und hatte Freude an dem Auftritt. Schlussendlich bekam ich 50 Dollar ausbezahlt und eine Pizza obendrauf. Damals war ich 19 Jahre alt, und es war ziemlich komisch.

 

Zum Schluss: Wann werden wir in der Schweiz wieder von dir hören?

Ich werde am 30. Oktober in der Härterei Zürich spielen. Bis dahin werden wir einige Radio-Konzerte spielen, um unser neues Album zu promoten. Ich hoffe, die Leute werden unser neues Album mögen und finden den Weg an eines der Konzerte. Aber egal wie viele Zuschauende da sein werden, wir werden alles geben.

 

Eckdaten


Neues Album “Back to forever” neu im Handel erhältlich.

 

Lissie live: 30. Oktober in der Härterei Zürich

Retro, Multi und Hipster

Das französische Duo “Juveniles” hat mit ihrem Hipster-Elektro-Pop in der Westschweiz bereits renommierte Festivals, wie das Paléo und das Montreux Jazz Festival, besucht. Jetzt machen sie sich auf, die deutschsprachige Welt zu erobern – und das mit Erfolg. Die Festivals reissen sich bereits jetzt für den kommenden Sommer um sie. Nach der ersten Single auf dem französischen Label Kitsuné folgte diesen Sommer das erste Album “Juveniles”, produziert von Yuksek, einem anderen Elektropop-Export Frankreichs.

 

MNRS

Das britische Duo MNRS (Manors), um den Multiinstrumentalisten Ben Mercer, macht sphärischen und gleichzeitig tanzbaren Pop. Das Nachfolgeprojekt von RCSA (Right Click Save As) hat zwar noch keine Termine in der Schweiz, aber ein paar kostenlose Songs als Einstimmung im Angebot. Ganz egal, ob Ben in London bleibt oder sich laut Gerüchten in Berlin neu erfindet. Es lohnt sich, die Augen und Ohren offen zu halten.

 

Robert DeLong

Zwar war der US-amerikanische Schlagzeuger bereits eine Woche vorher in Zürich live zu hören, dennoch sei er hier nochmals wärmstens empfohlen. Der junge Herr bringt neben Schlagzeug eine ganze Menge weitere Instrumente mit, auf die Gefahr hin, dass er sich als One-Man-Show mit seinem musikalischen Mix irgendwo zwischen Party, Techno und Musik verliert. Auf jeden Fall aufregend, wenn auch manchmal etwas wirr, dennoch spannend und abwechslungsreich.

 

Antimatter People

Die britische Band um den Lockenkopf Yehan Jehan, deren nostalgischer Sound schon als Antithese zur aktuellen Musik bezeichnet wurde, hatte in Hamburg nur überschaubares Publikum. Die Website zeigt zwar nur ein Bild der Band, dennoch ist hier viel Materie vorhanden. Ihr schleichender Retropop, einschliesslich Querflöte, ist ohne hippen Offbeat nichts fürs Schunkeln, mit einem Hauch Pink Floyd wird hier richtig zum Tanz gebeten. Der Hipsterfaktor darf dabei nicht fehlen, Antimatter People werden auf der kommenden Kitsuné-CD mit drauf sein, ein eigenes Album soll folgen.

 

 

 

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Links

Bands, Raclette und Netzwerk

Die Hamburger Reeperbahn steht für so manche Geschichte. Jeweils im frühen Herbst treten die dortigen Sexclubs in den Hintergrund und sie wird Schauplatz eines der grössten Clubfestivals in Europa. An über 70 Orten präsentieren 300 Musiker, die meisten davon Nachwuchskünstler, ihr Talent vor heuer 28’000 Besuchern. Unter das Publikum mischen sich auch mehrere tausend Fachbesucher wie Booker, Promoter und Veranstalter. Hier lockt also nicht nur Musik, sondern auch das grosse Geschäft. Ein Auftritt am Festival, wo einst Boy oder Sophie Hunger erste internationale Gehversuche wagten, garantiert zwar nicht den grossen Durchbruch, ist aber sicherlich eine Anerkennung wert.

Vom Zirkuszelt in die Hochhausbar

Das Festival verteilt sich auf unterschiedlichste Orte rund um die einst sündige Meile Hamburgs. Nebst bekannten Clubs und Bars werden auch eine Kirche, ein Fussballclub, ein Zirkuszelt und für wenige Konzerte sogar eine Bankfiliale bespielt. An diesen Orten präsentieren vier Tage lang nicht nur einzelne Bands, sondern auch Länder ihren Musikexport. Die Schweiz lockt mit Raclette, Gipfeli und Bands wie den verrückten Oy, den Indies von We Invented Paris und dem Vorzeige-Schwiegersohn Dagobert. Grossbritannien lädt exklusiv in den 18. Stock der “Tanzenden Türme“, um bei Cocktails und The Glitches die Aussicht über die Stadt zu geniessen und Kanada deklariert gleich für die ganze Festivaldauer einen Club zum “Canada House“.

Fachpublikum und Legenden

Für das Fachpublikum finden tagsüber zahlreiche Gesprächsrunden und weitere Vernetzungsveranstaltungen statt. Es werden Themen wie kostenlose Remixe, die Gefährdung klassischer Musik und die Klublandschaft besprochen. In diesem Rahmen präsentiert Eurythmics-Hälfte Dave Stewart eine Bank für Künstler, die sie im geschäftlichen Teil ihrer möglichen Karriereunterstützen soll. Ray Cokes, eine ebenfalls schon fast vergessene Legende aus Zeiten als das “M” von MTV noch für Musik stand, lädt täglich zu seiner Reeperbahn Revue, wo von ihm ausgewählte Bands einen Song akustisch präsentieren und ein Interview geben.

Gute Musik

Die Qualität der Bands ist allgemein hoch. Um möglichst viele persönliche Highlights zu hören, empfiehlt sich eine gute Vorbereitung gemäss dem eigenen Geschmack oder die nötige Offenheit, um auch unbekannte Musiker zu entdecken, etwa wenn gewisse Clubs vorübergehend voll sind. Nebenher ist es auch sehr interessant die unterschiedlichen Spielstätten zu entdecken.

Und soweit Zeit bleibt, bietet Hamburg fernab der Reeperbahn noch so einiges mehr.