Kultur | 02.09.2013

Zigarettenautomat

Text von Chiara Nauer | Bilder von Chiara Nauer
Was passiert eigentlich mit alten Zigarettenautomaten? Eine Möglichkeit ist, sie mit Texten von jungen Autoren zu füllen und es Literaturautomat zu nennen. Am Freitag stellten das JKF und das Literaturhaus Basel fünf Autoren vor, die den Nachschub für diese Automaten sichern.
Ausgedient? Davon kann bei gewissen Automaten nicht die Rede sein.
Bild: Chiara Nauer

Dass nicht nur Zigaretten, sondern auch Literatur süchtig machen kann, wissen wir jetzt. Denn am Freitag präsentierten sich fünf von sechs Autoren des Literaturautomaten und brachten ihre Texte zum Besten.

 

Literaturautomat stellt sich vor

Im Raum stehen überall verteilte Tische, die alle besetzt sind. Es gibt kein grosses Gerede, wahrscheinlich weil die meisten auf die Künstler der Sprache warten. Dann gibt es eine kleine Einführung zum Literaturautomaten: Jeweils sechs Autoren haben die Chance, einen Platz im Literaturautomaten zu bekommen. Ihre Produkte, die Texte, kosten fünf Franken. Insgesamt gibt es fünf Automaten, die in Basel verteilt sind, es sollen aber bald mehr werden. Danach spielt Klara, Singer und Songwriterin, zwei Lieder über Liebe und immer lachende Barbiepuppen – ein guter Einstieg für die kommenden Gedichte und Geschichten.

 

Fünf Autoren

Den Anfang macht Nina, die 1982 geboren wurde und jetzt mit zwei Kinder und Freund in Berlin wohnt. Sie trägt ein paar ihrer Kärtchen vor, die von Jägern und Versicherungsmaklern handeln, dazu noch drei weitere Gedichten, die nicht zu kaufen sind. Als zweites kommen drei Männer aus Bern, die sich Unrein nennen. Sie erzählen alle sehr unterschiedliche Geschichten  und das in unterschiedlichen Weisen. Der eine versucht es mit Standarddeutsch und lässt dabei noch möglichst viele berndeutsche Wörter fallen. Der andere erzählt von einer Bundesbeamtin, die sich ab der Dummheit ihres Kindes nervt und der Dritte hat Titel von CD’s für sein Schreiben verwendet. Der Dritte im Bunde ist Cédric, ein Blogger und Student, der im Konjunktiv das Leben von Fritz Jäger und der grossen Liebe schildert. Die darauffolgende Autorin kann leider nicht an der Veranstaltung teilnehmen.

Das Interessante aber an ihren Kärtchen ist, dass sie alle auf Senslerdeutsch geschrieben sind. Senslerdeutsch zählt zum höchstalemannischen Sprachraum und wird im Kanton Freiburg gesprochen. Tibo kommt aus Bern und schreibt für das Theater. Zuerst einmal stellt er dem Publikum Fragen, wie ob sie Mario kennen. Danach erzählt er von seiner Schulzeit und den Närrinnen und Narren, die Literatur, die älter als 100 Jahre alt ist, nicht mochten. Die Jüngste, mit 19 Jahren, ist Julia aus Basel. Sie schreibt Lyrik und Prosa und wenn es um ihre Kärtchen geht, ist sie sehr bescheiden. Diese handeln von Brieffreundschaft, Schaufensterpuppen und Amuse Bouche.

 

Fazit

Die Veranstaltung war gut, blieb jedoch etwas trocken. Denn die fünf Autoren trugen alle am Stück vor. Kleine Auflockerung war der musikalische Teil von Klara am Anfang und am Schluss. Ein Besuch ins Sud Basel oder Literaturhaus Basel lohnt sich aber auf jeden Fall, um das Verlangen nach Literatur zu stillen.