Kultur | 02.09.2013

Poesie am Jugendkulturfestival

Text von Ursina Schmidt | Bilder von Thi My Lien Nguyen
Auch das Literaturhaus Basel öffnet im Rahmen des JKF seine Pforten. Samstagnacht wird hier beispielsweise fleissig geslammt. Siegerin des Abends ist Sarah Altenaichinger, deren erster Text vom Jung sein und ohne Ziel und Fokus durchs Leben zu gehen, handelt.
Das Literaturhaus bietet nicht nur alten Textformen, sondern auch jüngeren Trends Platz: Diesmal dem Poetry Slam.
Bild: Thi My Lien Nguyen

Früh kommen lohnt sich. Mit vorrückender Zeit füllt sich auch der Saal im Literaturhaus. Die Helfer haben noch weitere Stühle herangeschleppt, die knapp 150 Plätze sind voll. 6 junge Slammer zeigen in dieser Nacht ihr Können bei einem Wettbewerb, in dem sie gegeneinander antreten. Moderiert wird der Anlass von Badhi Fattler mit einer gehörigen Portion Witz, die aber nie aufdringlich wirkt.

 

 

Stille, Stimme und Stimmung

Die gewählten Texte stimmen nachdenklich, aber nicht melancholisch. Die Stille im Saal wirkt manchmal fast greifbar. Das vorwiegend junge Publikum hört gebannt zu. Die Stimmung ist allgemein gut, es wird gelacht und vor allem viel geklatscht. Den Anfang macht Flo mit einem «Fuck, Scheisse, Fuck«. Es sind Worte, die er in seinem Text wiederholt. Dabei geht es um den klingelnden Wecker, das Aufstehen, die alltägliche Routine. Zuerst traut sich keiner zu lachen, doch das Publikum gewöhnt sich allmählich an die Kraftausdrücke und lacht gegen Schluss entspannt mit. Leo hingegen charakterisiert mit lyrischen Worten die Nacht und einen, der hinausgeht in die schlafende Stadt. Überraschend eröffnet sich dem Zuhörer das Bild eines Sprayers, der die dunkle Nacht in Farben hüllt.

 

 

Fehmi setzt als rhetorisches Stilmittel seine Stimme ein. Der Dialog zwischen Mutter und Sohn wirkt durch seine kunstvoll eingesetzten Stimmwandlungen richtig lebendig. Die Mutter hat eine laute, eindringlich Stimme, die zwischendurch an ein Kreischen grenzt. Ständig ermahnt sie ihren Jungen, dessen Entgleisung sie fürchtet. Dabei überschreitet sie die Grenzen eines gesunden Menschenverstandes. Den Jungen imitiert er mit einer hellen Piepsstimme, die sich im Laufe des Gesprächs immer verzweifelter anhört.

 

Frauenfinale

Allen Zuhörern, denen der Begriff Poetry Slam noch nicht so viel sagt, erklärt der Moderator zu Beginn die Regeln. Die Slammer müssen ihre Texte ohne Utensilien vortragen, die Worte werden nur gesprochen. Den Gewinner kürt das Publikum. Eine Jury, bestehend aus fünf Personen, wird vor Ort aus dem Publikum bestimmt. Vergeben werden dann die Punkte 1 bis 10. Während dem ganzen Abend werden keine Punkte unter 5 vergeben. Den grössten Punktunterschied zwischen der höchsten und tiefsten Zahl erzielt Fehmi mit seinem Mutter-Sohn Dialog. Im Finale entscheidet dann der Publikumsapplaus über Sieg und Niederlage. Dieses erreichen neben Fehmi und Sarah die Zürcherin Olga. Die letzte Entscheidung fällt zwischen den beiden Frauen. Knapp überzeugt schliesslich Sarah die Applaudierenden. Bei ihren Auftritten herrscht jeweils Totenstille. In unzähligen äusserst facettenreichen Formulierungen über Visionen, Inspirationen, untergehen und weiterlaufen spricht sie wahrscheinlich so manchem aus dem Herzen. Von ihr dürfte wohl auch in Zukunft noch etwas zu erwarten sein.