Kultur | 19.09.2013

Paul Lewis begeistert St. Gallen

Letzte Woche spielte das Sinfonieorchester St. Gallen zusammen mit dem Pianisten Paul Lewis ein anspruchsvolles und abwechslungsreiches Eröffnungskonzert zur neuen Konzertsaison. Das Programm bietet Musik aus der Neuzeit, sowie zwei berühmte klassische Werke.
Das Sinfonieorchester zeigte hervorragende Leistung und Professionalität.
Bild: zvg/Tine Edel Paul Lewis, der international bekannte Pianist bezauberte das St. Galler Publikum. zvg/Josep Molina

Nach der Sommerpause nahmen viele erwartungsvolle Zuhörer in den Sitzen der St. Galler Tonhalle Platz. Mit Ritus für Streichorchester wurde der Zuhörer mit dem jazzig und afrikanisch geprägten Werk in die ferne Hitze von Afrika mitgenommen. Der Anfang erinnert an Filmmusik, danach erinnert das Stück an eine musikalisch beschriebene trockene Savanne. Durch die teilweise ungewohnten Rhythmen und verschiedenen Jazz-Akkorde bewegte sich so manch ein Konzertbesucher leicht mit der Musik. Nicht nur für das Ohr war dieses Stück ein Spektakel, sondern auch für das Auge. Das Cello wurde zwischendurch als Perkussionsinstrument eingesetzt. Zudem ist das Zupfen der Seiten sonst nicht so ausgeprägt auf der Bühne zu sehen. Der kurze und etwas unerwartete Schlusston brachte den Zuhörer wieder aus der Gedankenwelt zurück in den Konzertsaal.

 

Wie von selbst über die Tasten

Die Streicher verliessen die Bühne, das Klavier wurde aus der Seitenwand geschoben und die Bühne für das ganze Orchester eingerichtet. Nach dieser kurzen Umbaupause betrat der Pianist Paul Lewis zusammen mit dem Dirigenten Otto Tausk die Bühne. Mit leisen und klaren Klängen begann Beethovens drittes Klavierkonzert.

 

Besonders beeindruckend war zu sehen wie die Finger des Pianisten scheinbar mühelos über die Tasten glitten und einen sehr entspannten Eindruck machten. Das Spiel war sehr fein und dennoch deutlich. Die Unterschiede zwischen Piano und Forte waren sehr ausgeprägt und angenehm. Wer sich genau achtete konnte feststellen, dass der Pianist mit der Musik atmete.

 

Ausgewogenes Klangbild

Das Orchester schien die Entspanntheit des Pianisten übernommen zu haben. So spielten es mit einem warmen weichen Klang, der stets sehr ausgeglichen war, sodass ein ausgewogenes Klangbild entstand. Das Dirigat von Otto Tausk konnte als eine fast schauspielerische Form des Konzerts betrachtet werden. Das Konzert verzauberte einem, so dass man alles um sich herum vergessen und mit der Musik mitschweben konnte.

 

Der Pianist Paul Lewis feiert internationalen Erfolg und gilt als einer der der besten Pianisten seiner Generation. Nebst der Zusammenarbeit mit namhaften Orchestern spielte er für den Verlag Harmonia Mundi Klavierkonzerte und Sonaten ein. Im Jahr 2010 spielte er als erster Pianist bei den BBC Proms die gesamten Klavierkonzerte von Beethoven. Für seine Arbeit wurden ihm bereits mehrere Auszeichnungen verliehen.

 

Der Spannungsbogen ging bis zum Schluss

Nach der Pause wurde der Konzertabend mit Brahms’ erster Sinfonie abgerundet. Der pompöse Anfang war sauber und durchsichtig gespielt, dies machte ihn nicht so schwerfällig. Nach einer anfänglichen kleinen Intonationsschwankung bei den Holzbläsern konnte man das Wechselspiel zwischen der Violine, Flöte, Klarinette und Oboe geniessen. Der Spannungsbogen des Werkes ging vom ersten bis zum letzten Satz und hörte erst mit dem Verklingen des Schlusstons auf. Das begeisterte Publikum spendete dem Orchester einen lange anhaltenden Applaus, so dass sich der Dirigent kurzfristig dazu entschied, den ganzen dritten Satz der Sinfonie als Zugabe zu spielen. Nach diesem bezaubernden musikalischen Erlebnis machten sich die Zuhörer mit den gehörten Melodien im Kopf auf den Heimweg.

 

 

Als Schüler günstiger in die Tonhalle


Sofern noch freie Plätze vorhanden sind, offeriert die Tonhalle allen Schülerinnen und Schülern, sowie Studentinnen und Studenten mit gültigem Ausweis eine Stunde vor Beginn des Konzerts die Eintrittskarte für 10 Franken. Die Tickets sind an der Abendkasse erhältlich.