Kultur | 19.09.2013

Ein Abend voller Probleme

Text von Veronika Henschel | Bilder von Raoul Pellaton
Unzählige Lieder und alle handeln von Problemen. Das könnte eintönig sein, muss es aber nicht. Bodo Wartke schafft es, als Alleinunterhalter zweieinhalb Stunden humorvoll und kurzweilig von Problemen aller Art - und manchmal auch von deren Lösungen - zu erzählen und zu singen. Vergangenen Samstag begeisterte er die Zuschauer des ausverkauften Neuen Theaters Spirgarten in Zürich.
Mit viel Charme und einem verschmitzten Lächeln unterhält Bodo Wartke das Publikum. Er kombiniert Klavierspiel mit gesungener Poesie. Der Musiker führt gekonnt durch das Programm.
Bild: Raoul Pellaton

Wie zum Teufel bindet man eine Krawatte? Spam im elektronischen Posteingang anstelle von Post im Briefkasten? Plötzlich gesiezt werden? Diese und noch viele andere Schwierigkeiten behandelt der Klavierkabarettist Bodo Wartke in seinem neuen Programm “Klaviersdelikte”.

 

Vielseitiges Talent

Tosender Applaus und schallendes Gelächter erklingen in kurzen Abständen, wenn Bodo Wartke zu Gast ist. Durch die ständige Interaktion mit dem Publikum und seine authentische Art fühlt man sich als Zuhörer persönlich angesprochen und wird komplett in den Bann des Künstlers gezogen. Er singt, spielt Ukulele und Mundharmonika, baut einen Gag nach dem anderen ein, tanzt Chachacha, unterhält. Sein Hauptpartner ist das Klavier, das Hauptthema: Probleme. Ein Blues über Sprachprobleme folgt auf ein kritisches Stück über die deutsche Nachkriegsarchitektur, darauf widerum ein gereiztes Lied über Lärm im ICE. Über das Teenageralter und eine Pollenallergie, die eine tiefe Liebe zerstört, singt Bodo, immer gereimt, immer witzig. Mal verpackt er seine Texte in leichte Frühlingslieder, mal in melancholische Balladen, mal lässt er eine deutsche Volksmelodie aufleben.

 

Auch Boxhandschuhe wirken

Bodo Wartkes Ideenstrom scheint unerschöpflich. Auf seiner Internetseite kann sein Liebeslied in allen Sprachen der Welt per Mail verschickt werden, ausserdem arbeitet er gerade an einem Stück, in dem jedem Frauennamen eine Strophe gewidmet ist. Auch verwunderlich: Bei allem Witz erscheint Bodo Wartke nie unecht oder übertrieben. Selbst als er in Boxhandschuhen und mit Zahnspange das Stück “Ja Schatz” anstimmt, schafft er es, nicht lächerlich zu wirken. Hört man seinen Liedern genau zu, kann man oft eine gewisse Portion Ironie finden, manchmal auch Kritik. Dass er darüber den Blick für das Alltägliche und Lebenswerte nicht verliert ist bewundernswert. Auch vertritt er, nicht aufdringlich aber konsequent, seine Werte und Moralvorstellungen. Beispielsweise bezahle er seine Mitarbeiter “anständig, nicht so wie Amazon”, wie er auf der Bühne scheinbar beiläufig erwähnt.

 

Mit neun Requisiten vierzehn Rollen spielen

Mit “Klaviersdelikte” beweist der 36-jährige Bodo einmal mehr sein vielfältiges Talent. Seit seinem ersten Programm 1998 produzierte der Künstler vier weitere, darunter eine Solo-Interpretation der klassischen Tragödie “König Ödipus”. Mit nur neun Requisiten stellte er vierzehn Rollen dar. Unzählige Bezeichnungen treffen auf ihn zu: Musiker, Autor, Dichter, Liedermacher, Schauspieler, Kabarettist, Pianist, Komponist. Auch ist Bodo Wartke schon mit vielen Preisen versehen worden, etwa dem Stuttgarter Besen, dem Deutschen Kleinkunstpreis und dem Aroser Schneestern. Doch vor allem ist der Deutsche ein auf dem Boden gebliebener Entertainer, der es vermag, die Zuhörer für einen Abend komplett in seinen Bann zu ziehen – und sie auch noch Tage und Wochen später den Zauber davon spüren zu lassen.

 

 

Bodo Wartke in der Schweiz


15.11.: Theater Casino Zug

16.11.: KK Thun

17.11.: Palace Theater Biel

18.11.: Casino Theater Winterthur

13.12.: Tschuggen Zelt Arosa