31.08.2013

“Wollte Jemanden, der noch richtig von Hand arbeitet”

Text von Ursina Schmidt | Bilder von Thi My Lien Nguyen
Das Gässli-Film-Festival zeigt Kurzfilme von Jungfilmern aus der Region Basel und Luzern. Aurelio Buchwalder ist einer von ihnen. Sein Film gibt einen sehr ehrlichen Einblick in das Leben eines traditionellen Holzarbeiters in der Abgeschiedenheit.
Klein und fein ist das Ambiente im Loge-Cliquenkeller.
Bild: Thi My Lien Nguyen

Der Loge-Cliquenkeller, etwas versteckt im Gerbergässlein hinter dem Barfüsserplatz, bietet eine einzigartige Atmosphäre für die präsentierten Kurzfilme. Ein abgedunkelter Raum mit etwa 50 Sitzplätzen, vorne eine Leinwand. Nach den Filmvorführungen haben die Jungfilmer Gelegenheit, ein paar Worte zu sagen. Sie machen fast einen Drittel des Publikums aus. Der Anlass bietet für die Filmer eine Möglichkeit, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Doch auch das Publikum wird einbezogen, denn dieses bestimmt jetzt via SMS-Voting, wer das Preisgeld in Höhe von 1000 Franken bekommt. Das Gässli-Film-Festival findet in Partnerschaft mit dem Jugendkulturfestival Basel statt. Es geht darum, Werke regionaler Jungfilmer zu präsentieren und zu prämieren. Dieses Jahr zum 5. Mal.

 

Spuren jahrelanger handwerklicher Arbeit

 

Aurelio Buchwalder ist einer der Jungfilmer: “Bevor ich in die Schule kam, wollte ich Schreiner werden. So kam ich auf die Idee, einen Film über einen Holzarbeiter zu drehen”, erzählt er. Sein Film porträtiert auf sehr authentische und einfühlsame Art einen Holzarbeiter in Norditalien. Er gibt private Einblicke in das Leben eines Mannes, dessen Hände und Gesicht Spuren jahrelanger handwerklicher Arbeit tragen. Ein Mann, der sein ganzes Haus von Hand renoviert hat, lachend Anekdoten zu seinen Holzarbeiten zum Besten gibt und im Garten mit seiner Tochter auf einen Baum klettert.

 

Auf Anhieb gut verstanden

 

Aurelio war auf der Suche nach Jemandem, der noch richtig von Hand arbeitet. Er hat Verwandte in Italien und so hat er sich dort umgehört, ob Jemand einen traditionellen Holzarbeiter kennt. So ist der Kontakt zum Protagonisten entstanden. “Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden, auch jetzt besuche ich ihn noch ab und zu”, erzählt der junge Filmemacher aus Basel: “Wenn er mich sieht, dann freut er sich”. Faszinierend empfindet er dieses Leben in der Vergangenheit des Handwerkers, der trotzdem gut in der Gesellschaft integriert ist. “Regeneration” heisst der 16-minütige Kurzfilm. Er wurde auch schon in China gezeigt. Über das Leben dieses Mannes hätte er noch viele Filme drehen können, sagt Aurelio.

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