Kultur | 08.08.2013

Wo Musikfans und Wellen tanzen

Gute Musik, dazwischen ein Bad im See und Geplauder mit den Tischnachbarn kann man alljährlich in Brienz geniessen. Am diesjährigen Brienzersee Rockfestival gab's Musik für die Kleinen und Grossen. Rockerin und Cüplitrinker erfreuten sich gemeinsam an den alteingesessenen "Span" und den Newcomern "Zibbz".
Die Schweizerische Mundartrockband Span bei ihrem Auftritt in Brienz.
Bild: Kathrin Ernst Zibbz, das sind Coco und Stee. Kathrin Ernst Der Schweizer Musiker Luke Gasser bei seinem Auftritt in Brienz. Kathrin Ernst.

Schon von weitem hebt sich das weisse Festzelt vom türkisfarbenen Wasser des Brienzersees ab. Der Shuttlebus – ein bescheidener 11-Plätzer – ist an diesem Sonntagmorgen, 4. August, fast leer. Viele Festivalbesucher campieren seit Freitag am See, einige benützen das Bootstaxi und gelangen damit auf dem Wasserweg direkt vom Bahnhof zum Festivalgelände.

 

Die Rockfest-Familie

Im Zelt spielt bereits der Musiker Roland Zoss. Der Sonntag ist in Brienz traditionell Familientag, der 62-jährige Berner und seine Band spielen in lustigen Kostümen Kinderlieder. Vor der Bühne stehen vier Reihen Festbänke, auf denen Kinder freudig mitklatschen. Weiter hinten an den Tischen sitzen Eltern und Rockfestbesucher, die sich nicht richtig für die Kindermusik erwärmen können. Neben langhaarigen Männern mit AC/DC-Hosen und Metallica-T-Shirts trinken andere ein erstes Cüpli. Da sitzen Gruppen, Paare, Familien, vereinzelt allein Gekommene. Knapp ein- bis achtzigjährige Menschen, darunter Gesichter, die man jedes Jahr wieder trifft. Sie alle bilden eine grosse Rockfest-Familie.

 

Rock mit Frieda

Seinem Namen eher gerecht wird das Rockfestival mit der Band Zibbz. Sängerin Coco überzeugt mit einer kraftvollen Stimme und weckt damit auch die letzten schlaftrunkenen Besucher. Ihr Bruder Stee liefert am Schlagzeug die passenden Beats, und stellt Frieda vor: Seine Plastik-Spielzeuggitarre, mit der er das Publikum unterhält, während sich Coco hinter dem Schlagzeug einrichtet. Zum Schluss gibt die Band nochmals Vollgas, Stee spaziert mit einer Umhänge-Trommel durch die Zuschauer, unter denen sich bereits erste in der Badebekleidung tummeln.

 

Frisch gebadet vor die Bühne

Nach dem Konzert erfrischen sich viele im 20 Grad warmen See. Unterdessen geht das Bühnenprogramm weiter mit Luke Gasser. Die Stimme des Obwaldners wird begleitet von drei Gitarren (akustischen wie elektrischen), Bass und Schlagzeug. Vor der Bühne stehen wenige Leute, und die Scheinwerfer versuchen vergebens, gegen das Tageslicht anzukommen. Als Gasser eine CD verschenken will und fragt, wer sie haben möchte, hebt sich nur zögernd eine einzige Hand im Publikum. Die Forderung nach einer Zugabe ist dann aber bis hinter die Bühne zu hören, die Band spielt noch einen letzten Song.

 

Dört hinge am Brienzersee

Langsam füllen sich die 15 Meter zwischen Fotografengraben und Mischpult. Span, Gründerväter des Mundartrocks, haben sich auf der Bühne eingerichtet. Sie geben Songs ihrer neuen CD Rock’n’Roll Härz zum Besten. Das Publikum reagiert verhalten. Erst beim Klassiker Louenesee singen viele lauthals mit, manche etwas richtiger, andere dafür umso lauter. Nach sechzig Minuten und einer Zugabe geben Span die Bühne frei für Philipp Fankhauser. Und dann ist das 26. Brienzersee Rockfestival nach einem letzten Bad im See, bei dem schon Mal Brille und Badehose verloren gehen können, Geschichte.