Kultur | 22.08.2013

Wer wartet, wird belohnt

Lange mussten die Schweizer Fans auf ein Konzert von Tenacious D, der Band der beiden US-Schauspieler Jack Black und Kyle Gass warten. Nun war es endlich soweit. Dem Openair Gampel gelang mit ihrer Verpflichtung ein grosser Coup. Die Band hatte am letzten Freitag den ersten Auftritt auf Schweizer Boden. Hat sich das Warten gelohnt? Die knappe Antwort lautet: Ja!
Tenacious D rockten am Openair Gampel mit viel Power.
Bild: Manuel Lopez Beide Schauspieler und Musiker: Kyle Gass (links) und Jack Black (rechts) im gespielten Duell. Explosiv: Jack Black ist auf der Bühne das Energiebündel. Ein Phönix als Bühnenbild über allem. Die Menge feierte ausgelassen. Merkmale der Band sind die albernen und teils vulgären Songtexte.

Viele dürften Jack Black als Schauspieler (unter anderem in “School Of Rock”, “High Fidelity” und “Tropic Thunder”) mit einer Leidenschaft für (Hard)Rock kennen. 1994 gründete er zusammen mit seinem Freund und Schauspielerkollegen Kyle Gass die Band Tenacious D. 2001 veröffentlichten die beiden ihr erstes nach dem Bandnamen benanntes Album. Es folgte ein Gastauftritt im Videoclip “Learn to fly” von den Foo Fighters, der ihnen zusätzliche Bekanntheit verschaffte. 2006 wurde der Film und Soundtrack “Tenacious D in the Pick Of Destiny” (deutscher Titel: “Kings of Rock – Tenacious D”) veröffentlicht. Ihr aktuelles Album “Rize of the Fenix” landete 2012 auf dem vierten Platz unserer Album-Charts.

 

Merkmale der Band sind die albernen und teils vulgären Songtexte und der kraftvolle Gesang von Jack Black. Dieser schafft es, sowohl hoch als auch tief zu singen. Kyle Gass ist eher der zurückhaltende und entspannte Typ, während sein Bühnenpartner das explosive Energiebündel gibt. Beide spielen gekonnt akustische Gitarre. Um ein richtiges Bandgefühl und umfassenderen Sound zu kreieren, werden sie auf ihren Alben und an den Live-Konzerten durch Gastmusiker unterstützt. Seit 2012 macht die laut eigener Aussage “grösste Band der Erde” auch den europäischen Raum unsicher, um den Leuten die Power des Rocks und Metal näherzubringen.

 

Zwei Liebeserklärungen

 

Schon vor dem Auftritt sangen sich einige Leute mit Tenacious D Songs warm. Um 23:30 Uhr war es dann soweit: In Mönchskutten verhüllt traten die Musiker KG und JB zusammen mit einem Drummer, E-Gitarristen und Bassisten auf die Bühne und legten unter grossem Jubel mit “Rize of the Fenix” los. Als Bühnenbild erhob sich passend dazu ein Phönix. Man merkte den beiden die Schauspielerei an. Während des ganzen Konzertes wurde viel inszeniert und geschauspielert. Nach drei Songs des neuen Albums und einer Schilderung des Tourlebens wurde eine Liebeserklärung an den Roadie gesungen. Weiter ging-˜s mit “Dio”, einer Huldigung der verstorbenen Metalsängerlegende Ronnie James Dio. Es folgte ein (gespielter) Streit zwischen Jack Black und Kyle Gass. Dies führte dazu, dass Gass die Bühne verliess (“Kyle Quit the Band”). Passenderweise kam er bei “Dude (I totally miss you)” wieder auf die Bühne, da die Show ja bekanntermassen weiter gehen muss.

 

Deutschfähigkeiten

 

Die beiden gaben im Anschluss ihre Deutschkenntnisse zum Besten: “Kyle, zwanzig Euro bitte!” “Ich habe keine zwanzig Euro.” “Scheisse! Scheisse! Scheisse!” und verliessen wütend die Bühne. Es folgte ein Video namens “Blowjob”, welches auf der Leinwand abgespielt wurde. Jack Black versucht darin erfolglos Geld mit Blasen zu verdienen, bis er auf den verkleideten Kyle Gass trifft, der seinen finanziellen Notstand beendet. Untermalt wurde das Video mit französischer Musik und den Deutschfähigkeiten der beiden.

Nach diesem Videoclip läutete der Song “Kickapoo” die Phase der älteren und bekannteren Lieder ein. Das Publikum sang auch hier textsicher mit. Bei “Deth Starr” (der Todesstern aus Star Wars lässt grüssen) kam ein grünes Tentakelmonster auf die Bühne und wurde von Jack Black mit einer grossen Wasserpistole vertrieben.

 

Grünes Tentakelmonster gegen Metalroboter

 

Plötzlich ertönten metallische Schritte. Ein Roboter stampfte auf die Bühne. Zeit für “The Metal”. Der Song handelt davon, dass sich die Metalmusik im Laufe der Zeit gegen jedes musikalische Genre durchsetzt und nie aussterben wird. Passend dazu lieferte sich der Roboter einen kurzen Kampf mit dem Tentakelmonster und bezwang dieses.

Einen Kampf gegen den Teufel mimten danach Black und Gass bei “Beelzeboss”. Die beiden versuchten mit ihren akustischen Gitarren im Duell gegen die satanischen Klänge des Teufels (gespielt vom E-Gitarristen) anzukämpfen. Mit der Ballade “Tribute” wurde eine Hommage an das beste Lied der Welt, an das sich die Band leider nie erinnern kann,gespielt. Das langsame “Fuck Her Gently” markierte den Abschluss des Konzerts. Unter lautem Jubel wurde die Band verabschiedet. Die Phönixstatue wurde auf die Menge gerichtet und feuerte einen Papierregen ab.

 

Bemerkenswert war, dass das Publikum bei den meisten Songs mitsang und in den Songpausen Fangesänge zum Besten gab. Jack Black war auf jeden Fall von den euphorischen Publikumsreaktionen angetan und meinte, dass die Band bald wieder in die Schweiz kommen sollte. Hoffentlich warten sie damit nicht wieder 19 Jahre.