Kultur | 30.08.2013

Selbstbedienung bei Paris Hilton

Text von Flavia von Gunten | Bilder von Filmstill
Das neuste Werk von Oscar-Preisträgerin Sofia Copolla begleitet eine jugendliche Diebesbande aus Hollywood auf ihren Beutezügen. Die Stars dabei sind nicht etwa die Schauspieler - Louboutins und Krokotaschen übernehmen diesen Part.
"The Bling Ring" - Party in fremder Villa.
Bild: Filmstill

Das Leben hat sich Marc (Israel Broussard) noch nie von seiner schönen Seite gezeigt: Er hat keine Freunde und flog wegen zu vielen Absenzen von der Schule. Wegen Letzterem landet der junge Mann auf der “Versagerschule” von Los Angeles. Dort trifft er auf Rebecca (Katie Chang), die ihn sofort in ihre Mädchenclique integriert und ihn auf überfüllte Hauspartys mitschleppt. Diese werden Rebecca zu langweilig; sie überredet Marc dazu, gemeinsam mit ihr Geld aus unabgeschlossenen Autos zu stehlen. Von dort ist es nur ein kleiner Schritt, Luxustaschen und –kleider aus Villen von verreisten Millionären zu entwenden.

 

Bald sind die Beiden so dick im Geschäft, dass sie mit Hilfe von Google Earth Häuser von Promis, die auf einer Fashionshow oder einem Filmset weilen, ausfindig machen, dort “shoppen” und Partys steigen lassen. Dabei lassen sie keinen Wunsch offen: Taschen, Ketten, Schuhe, Uhren und Makeup von Edelmarken packen sie ein, als ob es das Selbstverständlichste der Welt wäre, sich aus Paris Hiltons Garderobe zu bedienen.

 

Gedreht am Originalschauplatz

Diese Sequenzen wurden in der Originalvilla der amerikanischen Luxusgöre gedreht. Die Zuschauenden erhalten so Einblicke in den ätzenden Überfluss, in dem Hollywoods-Stars und -Sternchen ihre Stunden abseits des Rampenlichts verbringen. Regisseurin und Drehbuchautorin Sofia Coppola kann Hilton dankbar sein; der Streifen lebt von den Bildern der Prunkgüter. Denn die Handlung ist äusserst mager und über die ganze Dauer von 90 Minuten absehbar.

Zum Nachdenken regt einzig der Fakt an, dass der Film auf realen Geschehnissen basiert. Die Journalistin Nancy Jo Sales veröffentlichte in der “Vanity Fair” einen Artikel über fünf Jugendliche aus Hollywood, die von Oktober 2008 bis August 2009 aus Langeweile in Promivillen eindrangen und dabei Luxusgüter im Gesamtwert von über drei Millionen US-Dollar entwendeten.

 

Wo bleibt der Tiefsinn?

Den Tiefpunkt erreicht “The Bling Ring”, als die Kinobesuchenden gefühlte Minuten dunkle Miniaturmenschen in einer hellerleuchteten Villa von Zimmer zu Zimmer ihre Taschen füllen sehen – Langeweile pur! Immerhin gelingt es Coppola,die selbst in Hollywood aufgewachsen ist, die Oberflächlichkeit und die Gier nach dem Gefühl,  ein Star zu sein, den Jugendlichen regelrecht aufs Gesicht zu schreiben. Durch die fehlende Tiefgründigkeit der jeweiligen Charaktere spüren die Kinobesuchenden diese Punkte gut heraus. Da wäre die Besetzung durch Emma Watson als “Nicki”, einer der fünf Cliquemitglieder, nicht nötig gewesen. So trivial der Film ist, kann die populäre Britin ihre Erfahrung und Qualität nicht in ihre Rolle übertragen.

 

 

Hinweis


“The Bling Ring” ist am 15. August in den Deutschschweizer Kinos angelaufen.