Kultur | 27.08.2013

“Mal schauen, wie lange es funktioniert”

Text von David Schneider | Bilder von Lara Wschiansky
Erst ein Jahr im Geschäft und schon ordentlich Fans im Gepäck: Milky Chance aus Kassel lockte am letzten Freitag viel junges Publikum auf die Steinberggasse in Winterthur - und eroberte mit seiner gemütlich-melancholischen Musik Herzen. Er sagt dazu ganz gechillt: "Wenns den Leuten gefällt, haben wir Glück, wenn nicht, dann eben nicht.»
Milky Chance lässt sich nicht so schnell beeinflussen: "Im Winter wollen wir wieder etwas aufnehmen, und das machen wir dann ganz alleine in unserem Kämmerchen."
Bild: Lara Wschiansky

Clemens Rehbein, alias Milky Chance, ist zwar gerade mal 20 Jahre alt, doch hat er als Musiker schon Einiges erreicht. Mit seinem ersten Song “Stolen Dance” landete er in Deutschland so etwas wie einen Sommerhit, und seit Mai ist sein Debütalbum “Sadnecessary” im Handel. Milky Chances Musik ist leicht, und schwer greifbar, irgendwo zwischen Singer-Songwriter-Kultur und Reggae-Elementen mit einer Prise Dubstep.

 

Du bist nun seit Mai diesen Jahres auf Tour. Gibt es bis anhin ein Konzert, bei dem du sagen kannst, dass war mehr als nur eine grosse Sause?

Wir hatten viele coole Auftritte, aber bei mir verschwimmt das immer so. Ich kann leider die Konzerte nicht auseinanderhalten (lacht). Aber jenes in Hamburg war ganz sicher gut. Eh, geil natürlich. Da waren echt viele Leute vor Ort, so um die 6000. Und vorne haben sie dann auch versucht mitzusingen, das war schon toll.

 

Es wird gemunkelt, dass sich momentan alle grossen Labels um dich reissen. Du hast aber mit deinen Freunden dein eigenes Label namens Lichtdicht Records, bei dem ihr volle Freiheit geniesst. Wie steht es nun um einen Major-Vertrag?

Das stimmt, die haben alle schon an die Tür geklopft, alle grossen Namen. Aber wir haben bei keinem von denen unterzeichnet. Wir bleiben auf alle Fälle bei unserem Label und versuchen alles selbst zu machen. Ich will mir treu bleiben, das hat für mich oberste Priorität. Für unsere geplante Europa-Tournee aber holen wir uns Hilfe bei anderen Independent-Labels, also bei Labels, die zwar schon im Musikgeschäft mitmischen, aber immer noch eigenständig sind. Schliesslich können wir nicht alles alleine organisieren, vor allem ausserhalb von Deutschland nicht. Wichtig ist, dass ich musikalisch die Freiheit behalten kann.

 

Wenn man dann aber merkt, dass sich die Leute wirklich für einen interessieren, wird da der Druck nicht grösser?

Ja, also kurz gefasst: Manchmal denkt man sich so “da sind ganz viele Leute, die das mögen und die will ich nicht enttäuschen”. Aber von diesem Denken habe ich mich schnell wieder abgewendet. Dadurch sind wir in der passenden Laune und nehmen das Ganze gechillt. Eigentlich wollen wir einfach das machen, worauf wir Bock haben und wenn das den Leuten gefällt, haben wir Glück, wenn nicht, dann eben nicht. Es bringt nichts, zu denken “das Album war jetzt cool, also machen wir nächstes Jahr ein Album, das ähnlich klingt”, nur damit es den Leuten wieder in den Kram passt. Im Winter wollen wir wieder etwas aufnehmen, und das machen wir dann ganz alleine in unserem Kämmerchen, ohne irgendwelche Meinungen von Aussen.

 

Ein Magazin hat in einem Bericht über dich geschrieben, dass sie zuerst an einen Surfer von der US-Küste dachten, als sie zum ersten Mal deine Platte hörten. Was denkst du, woher kommt deine Leichtigkeit?

Keine Ahnung, weiss ich nicht. Ich bin auf jeden Fall kein Surfer. Das Meer mag ich zwar schon, war aber noch nicht so oft dort. Die Leichtigkeit kommt wohl von der Surfer-Musik, die ich früher oft gehört habe, also beispielsweise Jack Johnson und so. Da war ich etwa 12 oder 13 Jahre alt. Johnson habe ich auch einmal live gesehen und das hat mich wohl beeinflusst. Also ich bin zwar kein Surfer, aber die Surf-Philosophie finde ich eigentlich ganz cool.

 

Du kamst früh mit Musik in Kontakt, hast mit zwölf Jahren angefangen Gitarre zu spielen und warst dann in diversen Bands tätig. Wann hattest du zum ersten Mal das Gefühl, dass es toll wäre, von deiner Musik leben zu können?

Ach, das ist immer so, wenn man beginnt Gitarre zu lernen und die grossen Stars vor Augen hat. Da denkt man sich als kleiner “Boah, cool. Das will ich auch mal machen”. Aber dieses Denken verging auch wieder. Ich war nicht immer am Musik machen. Klar, ich wollte irgendwie Musiker werden, wusste aber zuerst nicht wie. Und nun hat sich das so ergeben. Mal schauen, wie lange es funktioniert.

 

Dann lass uns einen Ausblick wagen: Nach Deutschland bist du nun hier in der Schweiz. Was folgt als nächstes auf und abseits der Bühne?

Ja Schweiz, Schweiz (überlegt). Wir gehen auch noch nach Österreich, und in die Schweiz kommen wir dann wieder für ein paar Konzerte im Herbst. Danach machen wir erst einmal Winterpause und spannen ein wenig aus, bevor die neuen Aufnahmen folgen. Ich werde mich sicher ins Schreiben vertiefen oder es zumindest versuchen. In den letzten Monaten konnte ich mich selten dem Songwriting widmen. Ich habe unterwegs vielleicht drei, vier Songs angefangen zu schreiben, aber die sind noch nicht fertig. Auf der Tour lasse ich es jeweils ganz sein, da habe ich den Kopf nicht frei.