Kultur | 14.08.2013

Kitschiger Anstrich

Text von Sina Kloter | Bilder von zvg (Rialto Film AG)
«What Maisie Knew" (Was Maisie wusste) erzählt die Geschichte einer Scheidung aus der Perspektive eines Kindes. Der neue Film des Regieduos David Siegel und Scott McGehee greift den Roman von Henry James auf und setzt ihn in der heutigen Zeit um.
Onata Aprile und Alexander Skarsgård verstehen sich ausgezeichnet.
Bild: zvg (Rialto Film AG)

Im Jahr 2012 wurden in der Schweiz von 100 Ehen 43 wieder geschieden. Ein Verhältnis, das seit 1970 stetig ansteigt. Damals betrug die Scheidungsrate gerade einmal 13 Prozent. Wer aber glaubt, dass Scheidungen damals kein Thema gewesen seien, der irrt. Henry James, ein amerikanischer Schriftsteller, verfasste bereits 1897 einen Roman, der sich mit dieser Thematik auseinandersetzt. “What Maisie Knew” schildert die Geschehnisse aus der Sicht eines Kindes, welches miterlebt, wie seine Eltern getrennte Wege gehen. Das Regieduo David Siegel und Scott McGehee greift diesen Stoff auf und transferiert ihn von London nach New York und vom späten 17. Jahrhundert ins Einundzwanzigste.

99-minütige Berg- und Talfahrt

 

Geschrei hallt durch die Räume eines New Yorker Stadtapartments. Gegenüber stehen sich Rockstar Susanna, gespielt von Julianne Moore, und Beale (Steve Coogan). Die Lautstärke und Gestik verdeutlicht, ein Kompromiss ist keine Lösung mehr. Die Kamera schwenkt ab, ein kleines Mädchen linst hinter einer Wand hervor und beobachtet die beiden Erwachsenen regungslos. Ihr Name ist Maisie, sie ist sechs Jahre alt.

Der Film “What Maisie Knew” schildert Maisies Geschichte nach der Scheidung ihrer Eltern. Denn die Trennung ist erst der Auftakt zu einer 99-minütigen Berg- und Talfahrt der Emotionen. Nach der Scheidung erhalten die Eltern das geteilte Sorgerecht, der Vater heiratet Margo, das ehemalige Kindermädchen der Familie, und Susanna gibt einem Barkeeper, namens Lincoln, das Ja-Wort. Fortan pendelt Maisie zwischen zwei Kinderzimmern, einer unzuverlässigen Mutter und einem selbstverliebten Vater und zwei neuen Stiefeltern hin und her.

 

Eine Seifenoper?

 

Die vertrackte Anordnung der Liebesbeziehungen der Erwachsenen klingt verdächtig nach den Handlungssträngen einer Seifenoper, wäre da nicht die Dimension des Kindes. Maisie wird von Onata Aprile verkörpert – und wie. Vollkommen natürlich und unglaublich berührend stielt die erst Siebenjährige namhaften Schauspielern wie Julianne Moore oder Steve Coogan, die Show. Einzig Alexander Skarsgård, der Lincoln spielt, vermag mitzuhalten. Lincoln nimmt nach der Heirat mit Susanna die Rolle des Stiefvaters ein und kümmert sich um Maisie, während seine Ehefrau mit ihrer Band auf Tour ist. “What Maisie Knew” lebt von der Dynamik zwischen Aprile und Skarsgård, die schlussendlich den gesamten Film rettet. Denn obwohl die Schauspieler weitgehend überzeugen, wirkt die Geschichte an einigen Stellen unglaubwürdig und konstruiert. Ein Beispiel dafür ist die Liebesgeschichte zwischen Margot und Lincoln am Schluss des Films, welche dem Ganzen einen unnötig kitschigen Anstrich verpasst.

 

Vom unsäglichen deutschen Titel “Das Glück der grossen Dinge” sollte sich der anspruchsvolle Kinogänger nicht abschrecken lassen. Obwohl das Drehbuch nicht überzeugt, bewahrt es den Kern von Henry James’ Roman: Das einfühlsame und vielschichtige Porträt eines Scheidungskindes – und dies ist sehenswert.

 

 


 

 

Tink.ch verlost Tickets für die Vorpremiere von “What Maisie Knew” am Orange Cinema in Bern. Die Vorführung findet am Sonntag, 18. August auf der Grossen Schanze statt.

Die Verlosung findet ihr auf unserer Facebook Seite: https://www.facebook.com/Tink.ch?fref=ts

Und weitere Infos zum Orange Cinema hier: http://www.orangecinema.ch

Offizieller Kinostart ist der 12. September 2013.