Kultur | 13.08.2013

Jubiläumsausgabe der Strassenmusiker

Dieses Wochenende machte man in der Berner Altstadt seltsame Begegnungen. Fahrende Badewannen, übergrosse Torten und betrunkene Klaviere schmückten die Strassen, inmitten von Scharen gut gelaunter Passanten.
  • Die Breakdancegruppe von Skilluminated und Duofragma war die Attraktion auf der Jugendbühne

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  • Breakdance auf hohem Niveau

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  • Das Akrobatik Duo aus Chile mit ihren kraftvollen Darbietungen

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  • Graffittikunst auf der Münsterplattform

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  • Roikkuva heisst dieses Seiltanztheater

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  • Das Buskers ist ein Festival für Gross und Klein

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  • Die balancierten Steine blieben während des ganzen Festivals bestehen

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  • Lyle Rowell reitet mit seinem Höllenhund durch die Gassen

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  • Der Sänger von der Gruppe Faela vermag mit viel Herzblut zu begeistern

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  • Der Fakir Thomas Blackthorne verschluckt ein 65cm langes Schwert

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  • Mit der 60kg Schlange beeindruckt der Fakir das Publikum

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  • Romano Carrara ist ein begabter Komiker und jongliert unglaublich gut

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  • The Box nennt sich die Gruppe mit dem bunt gemischten Auftritt

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Die Berner Altstadt erblüht in neuen Farben. In allen Ecken tummeln sich Menschen, die fasziniert den Künstlern auf deren Bühnen zusehen.

Das alles begann vor einigen Jahren, als die beiden Schwestern Lisette und Christine Wyss dem flauen Sommerleben in der Stadt Bern neues Leben einhauchen wollten. Das Ergebnis war das bis heute bestehende Strassenmusikfestival namens Buskers. Dieses Jahr können sie auf ein 10-Jahre-Jubiläum anstossen und sich freuen, zusammen mit 65‘000 Zuschauern und einer Reihe einzigartiger Künstler.

Vergangene Perlen

Dieses Jahr, zum Jubiläum, haben die Organisatoren ein Perlenprogramm zusammengestellt: 31 der insgesamt 39 Grupen waren bereits in einer früheren Ausgabe des Festivals zu Besuch in Bern, und so traf man in der Altstadt auf viele altbekannte Gesichter.

Lief man die Strassen hinunter, traf man beispielsweise auf den englischen Fakir Thomas Blackthorne, den man schon 2007 sowie 2009 in Bern sehen konnte. Oder auf das Strassenduo “Funny Bones”, die vor zwei Jahren bereits das Publikum mit ihren Scherzen amüsierten. In einer anderen Ecke stand ein seltsam aussehendes Klavier, das doch tatsächlich Cocktails herausgab. Auf dem Klavierdeckel stapelten sich Reagenzgläser, die mit verschiedenfarbigen Flüssigkeiten gefüllt waren, und ein Glas, das sich je nach Lied mit den Tasten bewegte. Das Glas fing die Getränke auf, und ging dann gefüllt an einen der Zuschauer. In einer anderen Gasse fand man einen Beatboxer, der die Besucher schamlos blamierte, indem er sie auf die Bühne bat und ihnen ein Geräusch auftrug. Auf den 27 verschiedenen bespielten Plätzen, die von Münsterplattform bis in die Postgasse reichten, tummelten sich insgesamt 165 Künstler und Künstlerinnen – alle mit jeweils anderen Talenten, wie Seiltanz, akrobatischen Meisterleistungen oder Puppentheater.

Dazwischen tauchten immer wieder neue Musikgruppen auf, von denen jede auf ihre Weise einzigartig war. Ob Mambo, Afro Beat oder Karpaten-Dorfmusik: Fast jede Stilrichtung war in den Strassen von Bern zu hören.

Bizarrer Bazar

Doch nicht nur Künstler gab es zu bestaunen, auch der Aktionsmarkt auf der Münsterplattform, genannt “Bizaar”, gab dieses Jahr viel her.

Die Künstlergruppe Artacks aus Bern zeichnete auf einzelne Platten an einer riesigen Wand, die man einzeln herauspicken und mit nach Hause nehmen konnte. Nicht nur Kunst auf der Wand, sondern auch Kunst auf dem Kopf gab es zu bestaunen: Der Coiffeursalon Schnittpunkt zauberte den Mutigsten und Tapfersten eine wundervolle Haarpracht. Die ausgefallenen Frisuren konnte man auf dem ganzen Festivalgelände bestaunen.

Für den grössten Spass bei den Zuschauern sorgte allerdings eine neue Trendsportart: das Torting! Wer schmeisst nicht gerne wildfremden Menschen hübsch verzierte Törtchen ins Gesicht?

Torterie

Auf dem Münsterplatz sah man schliesslich das Kurioseste überhaupt. Eine übergrosse, dreistöckige Torte ragte, fast dem Münster selbst Konkurrenz machend, gen Himmel. Kaum zu glauben, aber ab und zu sah man von oben herab eine orange Kerze herunterspähen. Genauer hingesehen entpuppten sie sich als Menschen mit einem orangen Schwert und einer Flamme auf dem Kopf.

Um herauszufinden, was es auf sich hatte mit dieser Riesentorte, musste man sich hinein wagen. Die Torte war ein Geburtstagsgeschenk für den 10. Geburtstag des Buskers, welcher viele Überraschungen mit sich brachte. Die Organisatoren haben sich einig Mühe gemacht, so ein riesen Gerüst aufzustellen. Wie ein Abenteuerhaus verschluckte sie die Menschen und spuckte sie, nach kurzer Zeit, wieder aus. Manche kamen auf grauen Plastikbecken in mitreissendem Tempo aus der Torte herausgerutscht.

Vespaqua

Plötzlich fuhr eine alte, braune Vespa vorbei, die mit zwei Anhängern beladen war. Die Anhänger waren Badewannen, bis oben hin gefüllt mit warmem Wasser, die ihre Insassen mit einem entspannenden Bad und einer Stadtrundfahrt beglückten.

Es gab viele Wasserratten, die sich tatsächlich in die Badewannen wagten. Es stand eine Umkleidekabine bereit, in der man in die farbenfrohen Badeanzüge schlüpfen konnte.

Das Badewannenmobil gehörte drei Holländern, die zum ersten Mal beim Buskers mit dabei waren. “Wir freuen uns sehr hier zu sein! Trotz des nicht gerade guten Wetters gibt es doch viele, die sich in unsere Badewannen trauen, das hätten wir nicht gedacht. Heute ist erst Donnerstag, wir hoffen, dass es noch ein wenig wärmer und schöner wird in den nächsten Tagen.” Der Wunsch wurde ihnen erfüllt.

Ohne Bändeli – kein Festival?

In allen Ecken des Festivals standen freiwillige Helfer, entweder an den Infoständen, als Bändeli– und Programmverkäufer, oder solche, die von hier nach da liefen – als Mädchen für alles. Einer der Verkäufer verriet uns, dass die Menschen sehr gerne Bändelis kaufen. Es besteht jedes Jahr die Möglichkeit, sich zwischen einem normalen Bändeli und einem goldigen Gönnerbändeli zu entscheiden. Neu gibt es auch Kinderbändeli. “Die etwas älteren Semester kaufen schon öfters die goldenen Bändeli, die anderen meistens die normalen. Oft muss ich nicht einmal auf die Menschen zu gehen, sie kaufen freiwillig eines davon. Ich halte Ausschau nach Leuten, die noch kein Bändeli tragen, aber es ist schwierig solche zu finden”, erzählt eine Helferin.

Eintritt fürs Buskers zu bezahlen, ist freiwillig. Einer der Organisatoren erklärt: “Es gibt viele Gründe, weshalb am Buskers keine fixen Eintritte verlangt werden. Einer davon ist sicherlich die Moral, Strassenmusik wird doch nicht hinter Absperrungen gespielt. Ein weiterer auch die Infrastruktur, wie sollte man ein Wohnquartier in der Innenstadt absperren oder überall kontrollieren? Das wäre wohl unmöglich.”

Die Künstler selber bekommen, ebenfalls wie die Helfer, keine Gagen, dafür können sie ihr ganzes Hutgeld behalten. Auf die Frage, wie viel die Passanten in einen solchen Hut legen, bekam ich häufig dieselbe Antwort. “Wenn mir ein Künstler wirklich gefällt, dann gebe ich gerne 5 Franken.”

Prosit!

Jedes Jahr lässt sich das Buskers-Team, zusammen mit den Grafikern von duplex_bern, etwas Spezielles einfallen, was das Plakat angeht. Fast ist es zur Tradition geworden, die Besucher jedes Jahr zu überraschen. Dieses Jahr, passend zum Jubiläum, sehen wir zehn Prosecco Gläser, die unterschiedlich hoch gefüllt sind. Viele würden es dabei belassen, doch dahinter steckt noch mehr: Die Gläser bilden eine Glasharfe, welche, wenn man sie der Reihe nach spielt eine bestimmte Moll-Melodie ergibt. Alle Musikgruppen erhielten die Melodie zum Voraus, und hatten den Auftrag sie irgendwie in ihr Arrangement einzubauen. Sei es als Intro, Refrain oder ganzes Lied, sie konnten selber entscheiden. Auch sonst sollte man die Melodie überall antreffen, als akustisches Signet für die Jubiläumsausgabe.

Nächstes Jahr wieder

Alle Artisten waren begeistert vom Festival, vor allem von der Organisation schwärmen viele.

Der unermüdliche Einsatz der 250 freiwilligen Helfer ermöglichte es, eine positive Bilanz zu ziehen, was alle Organisatoren freudig auf das nächste Festival blicken lässt. Die 11. Ausgabe wird vom 7. – 9. August 2014 stattfinden, hoffen wir auf ein weiteres Gelingen dieser Art.