Kultur | 04.08.2013

In den Socken auf dem Bahnsteig

Text von Flavia von Gunten | Bilder von Pascale Amez
Nicht nur der Name ist speziell, auch die Personen dahinter. Für Tink.ch plauderten Kiki und Christopher aus dem Nähkästchen und gaben amüsante Episoden aus dem zwölfköpfigen (!) Bandleben preis.
Kiki Sauer und Christopher Blenkinsop im Gespräch mit der Tink.ch Reporterin Flavia von Gunten.
Bild: Pascale Amez

Tink.ch: Ihr seid zwölf Personen in der Band und nennt euch 17 Hippies. Wie kam es zu dieser Differenz?

Christopher: Bei uns ist der Name nicht Programm, er ist bedeutungslos. Als wir 1995 mit wechselnder Besetzung begannen Musik zu machen, war diese Benennung plötzlich da. Als Hippies betrachteten wir damals ältere Leute, die ihre eigenen skurrilen Dinge drehten. Der Name war ein Stück weit eine Belustigung über diese Menschen.

 

Ist es keine Option, die Zahl “17” als Ziel zu nehmen und nach weiterem Personal zu suchen?

Kiki: Nein, das ist für uns kein Thema. Schliesslich kommt es nicht auf die Anzahl Menschen und Instrumente drauf an. Wichtig ist, wer die Person dahinter ist. Ausserdem würde die Bühne zu klein werden.

 

Kam es denn schon vor, dass ihr nicht alle auf die Bühne gepasst habt?

Kiki: In Zürich spielten wir in einem kleinen Lokal, da mussten wir einige Leute vor der Bühne platzieren. Für die Stimmung war das aber super, denn so waren wir dem Publikum noch näher.

Christopher: Die Grösse dieses Cafés kam mir damals passend zum Land vor – klein und eng.

 

Fühlt ihr euch in der Schweiz oder speziell in Thun – durch die Berge – eingeschnürt?

Christopher: Ich brauche mehr Platz. Das Café Mokka ist aber ein gutes Beispiel, dass eine solch beschränkte Bewegungsfreiheit zu grosser Kreativität führen kann.

 

Wie meinst du das?

Christopher: Willst du auffallen, so musst du etwas Spezielles auf die Beine stellen. Beat Anliker hat nur Erfolg, weil er in Thun ein Querkopf ist, ein Unikum. Bei uns in Berlin würde er nicht auffallen, da diese Stadt mit solchen Typen übersättigt ist. Da sind wir froh, dass wir Konzerte auf der ganzen Welt spielen, viel reisen und so immer neu inspiriert werden.

 

Das Reisen ist sicher nicht einfach mit zwölf Personen. Habt ihr noch nie jemanden verloren?

Kiki: Doch, vor etwa zehn Jahren reisten wir mit der Bahn von einem Konzert nach Hause. Bei einem Halt wollte ein Bandmitglied sich am Bahnhofkiosk etwas zu Trinken kaufen. Als er zurückkam, war der Zug bereits abgefahren und er musste – in den Socken, seine Schuhe hatte er für die Reise ausgezogen – auf den nächsten warten.

 

Warten muss das Thuner Publikum nicht – ihr steht heute Abend auf der “Am Schluss”-Bühne. Nach eurem Auftritt letztes Jahr habt ihr mit MC Anliker abgemacht, von nun an bei jeder Ausgabe dabei zu sein. Wie kam es dazu?

Kiki: Beat Anliker fragte uns an, ob wir das machen würden. Da er ein toller Typ ist und uns das Konzept des Festivals zusagt, entschieden wir uns dieses Angebot anzunehmen. Natürlich ist auch die Umgebung mit der Aare und dem Thunersee sehr schön!

 

 

Kiki Sauer, 48, spielt Akkordeon, indisches Harmonium und singt.

Christopher Blenkinsop, 50, spielt Ukulele, Bouzouki und singt.