Sport | 28.08.2013

Ein Sonnenkönig im Schatten

Drei Punkte, kein einziges Tor erzielt, und der zweitletzte Tabellenrang in der Super League. Das ist die Bilanz des FC Sion nach den ersten fünf Ligaspielen. Und auch wenn im Cupspiel gegen den Erstligisten Sursee die ersten drei Saisontreffer markiert wurden, bleibt die Lage des FC Sion mehr als nur problematisch.
Der Vergleich mit Ludwig XIV: Blick in die wenigen Sion-Fans beim Cupspiel in Sursee.
Bild: zvg / Dominik Stegemann - www.fan-fotos.ch

Nachdem in der letzten Saison die Qualifikation für den europäischen Wettbewerb verpasst wurde, schlug der FC Sion auf dem Transfermarkt wieder einmal zu. Und dies obwohl Christian Constantin, inzwischen übrigens nicht nur Präsident sondern auch selbsternannter Sportchef, verkündet hatte, es solle in Zukunft vermehrt auf den eigenen Nachwuchs gesetzt werden. Fest steht: das Resultat von Constantins Einkaufsfreude hatte bisher auf den Totomat keine Auswirkungen, jedenfalls keine positiven. Und immerhin ist dieser des Präsidenten Richtwert.

 

Die Mannschaft wirkte in den bisherigen Saisonspielen alles andere als eingespielt. Das geht anfangs der Saison zwar vielen Mannschaften so, da beim FC Sion aber in jeder Sommerpause ein radikaler Umbruch stattfindet, ist es kaum möglich, dass sich  so etwas wie ein Stammteam bildet. Das zeigt auch ein Blick auf die in dieser Saison bisher eingesetzten Spieler. Abgesehen von den Spielern aus dem eigenen Nachwuchs sind einzig der lettische Torwart Andris Vanins sowie der ungarische Verteidiger Vilmos Vanczák bereits länger als zwei Jahre beim FC Sion.

 

Wenn einem das Fan-Sein schwer fällt

 

Bereits Ende der letzten Saison eskalierte der Konflikt zwischen einigen Fangruppen und dem von ihnen mittlerweile mit “Sonnenkönig” Ludwig XiV – der klassische Vertreter des höfischen Absolutismus – verglichene Constantin. Der Kreis der empörten Fans erweiterte sich insbesondere nachdem der Verein auf diese Saison hin massive Veränderungen im Bereich der Nordtribüne angekündigt hatte. So war ein Einheitspreis für das Saisonabonnement beschlossen worden, so dass Kinder, Studenten, Senioren aber auch Invalide in Zukunft keine vergünstigten Eintrittspreise mehr erhalten. Zudem wollte der Verein keine Einzeltickets mehr für die Nordtribüne verkaufen. Ein Affront für all jene Sion-Fans, die aus diversen Gründen nicht so oft an die Heimspiele gehen können, dass sich der Kauf eines Saisonabonnements lohnen würde. Auch wenn der Klub bei dieser Massnahme inzwischen zurückgerudert hat, bleibt die Empörung der Fans, dass so etwas überhaupt jemals beschlossen wurde.

 

Dass die Wut der Fans geblieben ist, zeigt sich bei jedem Spiel des FC Sion. Die aktiven Gruppen die im Kop Nord, der Nordtribüne, beheimatet sind, bleiben den Spielen des FC Sion seit Beginn der Saison fern. Die Fangruppe “Freaks” boykottierte bereits schon die letzten Spiele der vergangenen Saison. Auch ein klärendes Gespräch mit der Vereinsführung blieb fruchtlos. Wohl auch darum, weil die Vereinsführung mit Forderungen um sich warf, ohne auf die Anliegen der Fans einzugehen. So wollte die Klubführung um Präsident Christian Constantin den Fans einen Maulkorb verpassen: Sie sollten die Klubführung in Zukunft nicht mehr öffentlich kritisieren dürfen.

 

Die Forderung nach Konstanz auf der Trainerposition hat Constantin bisher erfüllt. Nach der Absetzung von Gennaro Gattuso als Trainer musste wieder einmal Michel Decastel einspringen und hält sich bisher auf diesem Posten, zum Erstaunen vieler. Damit sind allerdings lange nicht alle Fans zufrieden. Decastel ist eine eher blasse Persönlichkeit und neben der Tatsache, dass er einen defensiven und für die meisten unattraktiven Fussball spielen lässt, ist seine Handschrift im Spiel des FC Sion kaum spürbar. Die meisten Fans hätten sich für diese Momente der Konstanz auf dem Trainerposten wohl einen anderen gewünscht.

 

Sion ohne Constantin?

 

Dass der FC Sion vom Geld Constantins abhängig ist, dessen sind sich auch seine grössten Kritiker bewusst. Doch die Abhängigkeit von Constantins Millionen hat dieser erst selbst herbeigeführt. Das zeigt auch die verzweifelte Suche nach einem Hauptsponsor für die aktuelle Saison. Während die anderen grossen Super League Klubs teilweise durchaus namhafte Unternehmen auf ihren Trikots präsentieren, muss sich der FC Sion bis anhin mit lokalen Sponsoren zufrieden geben. Wohl kaum ein Unternehmen möchte seinen Namen mit den Eskapaden Constantins in Verbindung bringen.

 

Doch auch nebst dieser Tatsache, dass der FC Sion bisher noch ohne Hauptsponsor auftritt, bestehen andere finanzielle Lücken, die der Präsident jeweils mit seinem eigenen Geld füllt. “Normalerweise 1,5 bis 2 Millionen Franken jährlich”, schiesst er in Klub ein, wie er selbst in Vergangenheit gegenüber der WOZ sagte.

Konnten Vereine wie der FC Basel oder der Grasshoppers Club Zürich ihre Kasse mit dem Verkauf von Talenten füllen, fehlt diese Einnahmequelle in Sion. Der eigene Nachwuchs wurde in den letzten Jahren vernachlässigt – und nun ins kalte Wasser geworfen, dadurch dass die Hoffnungen Constantins einzig und allein auf diesem zu liegen scheinen. Hinzu kommt, dass der FC Sion zwar immer wieder höchsttalentierte Spieler kauft, die sich aber in den Walliser Bergen nicht wirklich entfalten können, was wohl vor allem am unruhigen Umfeld des Klubs liegt. Paradebeispiel dafür ist der Tunesier Oussama Darragi. Von Esperance Tunis nach Sion gewechselt konnte er in Sion nie die Erwartungen erfüllen und kehrte bereits nach einer Saison diesen Sommer zu seinem Stammverein zurück.

 

Ein Stadion ohne Stimmung, weil die Fans genug von Constantins Eskapaden haben, ein Trainer ohne Konzept, der zweitletzte Tabellenrang und eine Vereinskasse, die ohne Constantins Geld wohl schon lange leer wäre. Die Probleme des FC Sion sind eklatant. Der Klub befindet sich in einer Sackgasse und es führen wohl nur radikale Schritte aus dieser hinaus.