Kultur | 08.08.2013

Den Groove im Blut

Text von Linda Bergauer | Bilder von ZVG.
Eines ist sicher: An der Closing Night des Montreux Jazz Festival stand im Stravinski Auditorium kein Paar Füsse still. Marcus Miller, auch treffend «der Groove« genannt, erspielte sich mit seiner Band die pure Begeisterung des Publikums. Besser gewählt hätte der Schlussakt nicht sein können.
Der Jazz-Virtuose Marcus Miller am Jazzfestival in Montreux.
Bild: ZVG.

Ob es sich beim Lauschenden des letzten Konzerts des Montreux Jazz Festival 2013 um einen alteingesessenen Jazzliebhaber oder um einen neugierigen Laien handelte, es herrschte Konsens: Marcus Miller und seine hochkarätige Band rundeten das renommierte Festival am Genfersee gebührend ab. Auf den Gesichtern der Zuhörenden spiegelte sich reine Euphorie, begeistertes Klatschen begleitete das rhythmische Spiel.

 

Basslinien im Vordergrund

Repräsentiert der klassische Bassspieler allzu oft das Bodenständig-Hintergründige, so weiss Marcus Miller sich sehr wohl in den Vordergrund zu spielen- Bei der Frage nach Spitzenbassisten fällt sein Name mit Sicherheit als einer der Ersten. Bereits in den 1980er-Jahren kollaborierte der Jazzkomponist aus den Staaten beim Album «We Want Miles« mit dem weltberühmten Jazz-Trompeter Miles Davis. Heute kreiert der Multiinstrumentalist seine eigenen charakterstarken Kompositionen und sammelt weltweit Anhänger seines flinken Fingerspiels. Ob funkig-wild oder sentimental; seine sensibel arrangierten Stücke spannen den Bogen und bieten für jeden Geschmack einen Leckerbissen.

 

Am Montreux Jazz Festival stand Marcus Millers neueste Schöpfung, das Album «Renaissance«, im Vordergrund, welches vor Kreativität nur so sprüht und den Musiker von seiner besten Seite präsentiert. Stücke dieser Scheibe wie «Detroit«, «Redemption« und «Slippin-˜ Into Darkness« unterstrichen die Vielseitigkeit der Gruppe und deren Potenzial. Das Konzert bildete ein Puzzle aus funkigen Basslinien, mitreissenden Schlagzeuggrooves und ausgeklügelten Soli der Bläser. Insbesondere der Saxophonist Alex Han, ein aufstrebender Stern am Jazzhimmel, wusste das Publikum mit Soloeinlagen zu begeistern. Im Gesamten ergab sich ein Feuerwerk der Klänge, ein Ohrenschmaus sondergleichen.

 

Kunst für den Frieden

Wen der freundlich lächelnde Marcus Miller nicht schon in den ersten paar Minuten in seinen Bann gezogen hat, der findet ihn spätestens beim Vorstellen des Stücks «Gorée« sympathisch. Die Komposition ist den ehemaligen Sklaven Senegals, die in die USA verschifft wurden, gewidmet und hinterliess Gänsehaut im Publikum. Miller wurde zudem von der UNESCO zum «Künstler für den Frieden« nominiert. Der Titel geht an international bekannte Persönlichkeiten, welche mit ihrer Tätigkeit und ihrem Prestige dazu beitragen, die Friedensbotschaft der UNESCO zu verbreiten.