Kultur | 08.08.2013

Bluesige “huere Schmusesongs”

Im ersten Augenblick mag man sich fragen, was ein Bluesmusiker an einem Rockfestival sucht. Ganz einfach: Dasselbe wie auf jeder Bühne, ein gutes Publikum. Und dieses dürfte Philipp Fankhauser in Brienz gefunden haben.
Bild: Kathrin Ernst Philipp Fankhauser begeistert auch an einem Rockfestival.

Allerdings hält sich die Zuschauerzahl für Fankhausers Verhältnisse in Grenzen. Die ersten Reihen vor der Bühne sind dichter besetzt als bei den vorhergehenden Konzerten, weiter hinten verlieren sich die Zuschauer im Festzelt. Aber alle tanzen vom ersten Song weg mit. Die Chemie zwischen den Musikern, allesamt im weissen Hemd (Ausnahme ist Bassist Angus Thomas im hellblauen), und dem durcheinander gewürfelten Publikum stimmt.

 

Solo ohne Verstärkung

Das Set beginnt rockig. Hendrix Ackle lässt seine Hände über die Tasten fliegen und scheint mit den Unterarmen Keyboard zu spielen. Fankhauser greift selbst kräftig in die Saiten, überlässt das erste Gitarrensolo aber Marco Jencarelli und seiner E-Gitarre. Als die Musik leiser wird, lässt er sein Mikrofon stehen und singt vom Bühnenrand her ohne Verstärkung ein paar Songzeilen. Das Publikum ist ruhig geworden und hört gebannt zu.

 

Probleme suchen

Fankhauser erzählt wenig zwischen den Songs. Es sei ihr letztes Konzert vor einer viermonatigen Auszeit. Sein Stamm-Schlagzeuger ist bereits in den Ferien, ersetzt wird er durch den Engländer Richard Spooner. Er selbst gehe in die USA, so Fankhauser. In das Land, das Meister sei im Probleme-Schaffen. Und er erklärt, warum seine letzten drei Alben voller “huere Schmusesongs« waren: “Ich habe halt sonst keine Probleme. Darum gehe ich jetzt in die USA, Probleme suchen, damit ich neue Songs schreiben kann.«

 

Ruhige Balladen

Von Problemen wollen die Zuschauer nicht viel wissen, in Brienz scheint die Welt gerade in Ordnung. Fankhausers Musik wird ruhiger, auf Try my love folgt das wunderschön nachdenkliche Lied Roadhouses & Automobiles. Kein anderer Song erntet an dem frühen Abend so begeisterten Applaus. Die Zuschauer wollen mehr hören. Fankhausers weisses Hemd ist durchgeschwitzt, auf seinem Oberarm scheint das Abbild der Blues-Legende Muddy Waters durch den nassen Stoff.

 

Von Thun in die USA

Hendrix Ackle spielt in der Zugabe solo ein Lied. Das hindert ihn nicht daran, während dem Spielen eine Zigarette zwischen den Fingern zu halten  – auch nicht, wenn im Festzelt ansonsten striktes Rauchverbot gilt. Für Fankhauser musste ein frisches Hemd her. Darüber hängt er sich ein letztes Mal seine Gitarre, deren Bändel den Namenszug seiner Heimatstadt Thun ziert. Nach dem Song steige er direkt ins Flugzeug nach Amerika, sagt er. “Oder i ga eifach hei. Aber s tönt haut chli besser so!«