Junge Musikerin mit reifer Musik

Sie ist jung, 23 Jahre alt, aber macht reife Musik. Evelyn Trouble kann was und das zeigt sie gerne. Selbstbewusst steht sie auf der Bühne und wirkt von ihrer Musik überzeugt. Das darf sie auch. Mit ihrer kräftigen und trotzdem klaren Stimme dringt sie in eine andere Welt ein, hält Töne aus.

 

Evelyn Troubles Konzert am Jugendkulturfestival wurde dem Publikum via Programmheft sehr empfohlen, ihre Musik hoch gelobt: “Unter der Wucht der grossartigen Live-Konzerte wird sprichwörtlich jede Maus zum Elefanten. Great, big und heavy halt.” Musikalisch ist der Funke gesprungen, der persönliche aber sprang nicht bei jedem über. Vielleicht fehlte ein gelegentliches Lächeln.

 

Trubles Musikstil durchbricht Genre-Grenzen von Pop bis zu psychadelischem Rock. Die Frau hat eine grosse Karriere vor sich. Den Schweizer Mainstream wird sie vermutlich nicht ansprechen, was aber keineswegs ein Hindernis auf dem Weg in die Zukunft darstellt. Ihre Fans und die Lücke, in die sie hineinpasst, möchte sie finden, verriet sie uns später im Interview. Diese Lücke wird sie zweifelsohne finden, denn bereits jetzt haben ihre Eroberungen in der Schweizer Musikszene gefruchtet.

 

Unter den vielen Basler Bands hier am JKF bist du eine der wenigen, die aus Zürich mit dabei ist. Fühlst du dich geehrt?

Es war eigentlich eher Zufall. Unsere Bookerin hat uns online beworben. Danach gab es ein Onlinevoting, wobei wir aber von einer Jury ausgesucht wurden.

 

Im ersten Moment erinnertest du mich an Lana del Ray. Was hältst du von ihr?

Ich muss sagen, ein Song von ihr hat mich echt mal berührt. Aber sonst ist sie für mich mehr ein Popkulturphänomen als eine ernstzunehmende Musikerin. Einige Videos von ihr sind etwas “too much”.

 

Du hast für diesen Auftritt hier ja keine Gage erhalten, macht dir das nichts aus?

Dieses Wochenende ist unser Glück, dass wir nochmals einen Gig haben, für den wir bezahlt werden. Das kompensiert diese fehlende Gage etwas. Aber es ist eine gute Gelegenheit, bekannter zu werden und vor grösserem Publikum zu spielen. An so kleinen Geburtstagsfesten, wie früher, würde ich aber nicht mehr auftreten.

 

Ich habe gelesen, dass du bereits international gespielt hast. Wie kommt das?

Ja, wir durften zum Beispiel letztes Jahr in London spielen. Wir wurden von der Zürcher Popkritik eingeladen, bei den Olympischen Spielen im Schweizer-Zelt zu spielen. Zudem traten wir in Brighton an einem Festival auf.

 

Was ist dein musikalischer Background?

Ich hörte als kleines Kind schon immer Beatles und Jimy Hendrix. Ich mag es sehr, wenn Musik gewisse Normen bricht.

 

Was ist dein Ziel für die Zukunft?

Unbedingt weitermachen, denn es macht Spass. Ich möchte irgendwann meinen Platz finden mit dem passenden Publikum. Zudem ziehe ich nach London.

“Wollte Jemanden, der noch richtig von Hand arbeitet”

Der Loge-Cliquenkeller, etwas versteckt im Gerbergässlein hinter dem Barfüsserplatz, bietet eine einzigartige Atmosphäre für die präsentierten Kurzfilme. Ein abgedunkelter Raum mit etwa 50 Sitzplätzen, vorne eine Leinwand. Nach den Filmvorführungen haben die Jungfilmer Gelegenheit, ein paar Worte zu sagen. Sie machen fast einen Drittel des Publikums aus. Der Anlass bietet für die Filmer eine Möglichkeit, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Doch auch das Publikum wird einbezogen, denn dieses bestimmt jetzt via SMS-Voting, wer das Preisgeld in Höhe von 1000 Franken bekommt. Das Gässli-Film-Festival findet in Partnerschaft mit dem Jugendkulturfestival Basel statt. Es geht darum, Werke regionaler Jungfilmer zu präsentieren und zu prämieren. Dieses Jahr zum 5. Mal.

 

Spuren jahrelanger handwerklicher Arbeit

 

Aurelio Buchwalder ist einer der Jungfilmer: “Bevor ich in die Schule kam, wollte ich Schreiner werden. So kam ich auf die Idee, einen Film über einen Holzarbeiter zu drehen”, erzählt er. Sein Film porträtiert auf sehr authentische und einfühlsame Art einen Holzarbeiter in Norditalien. Er gibt private Einblicke in das Leben eines Mannes, dessen Hände und Gesicht Spuren jahrelanger handwerklicher Arbeit tragen. Ein Mann, der sein ganzes Haus von Hand renoviert hat, lachend Anekdoten zu seinen Holzarbeiten zum Besten gibt und im Garten mit seiner Tochter auf einen Baum klettert.

 

Auf Anhieb gut verstanden

 

Aurelio war auf der Suche nach Jemandem, der noch richtig von Hand arbeitet. Er hat Verwandte in Italien und so hat er sich dort umgehört, ob Jemand einen traditionellen Holzarbeiter kennt. So ist der Kontakt zum Protagonisten entstanden. “Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden, auch jetzt besuche ich ihn noch ab und zu”, erzählt der junge Filmemacher aus Basel: “Wenn er mich sieht, dann freut er sich”. Faszinierend empfindet er dieses Leben in der Vergangenheit des Handwerkers, der trotzdem gut in der Gesellschaft integriert ist. “Regeneration” heisst der 16-minütige Kurzfilm. Er wurde auch schon in China gezeigt. Über das Leben dieses Mannes hätte er noch viele Filme drehen können, sagt Aurelio.

Basel als Jugendkulturmekka

Bereits 2011 war das JKF in Basel ein voller Erfolg. Über 60’000 Besucher waren Teil des Festivals. Auch dieses Jahr wird mit dieser Zahl gerechnet. Junge Menschen aus der ganzen Schweiz und anderen Ländern reisen an, um am JKF mitzuwirken. Auf über 11 Bühnen drinnen und draussen zeigen junge Musiker, Tänzer, Sportler, Schauspieler, Filmemacher oder Slampoeten ihren Beitrag zur Jugendkultur.

 

Eine kleine Auswahl

 

Die Bühnen des JKF bieten viel. Wer das Programm anschaut, kann sich vermutlich kaum entscheiden, welchen Darbietungen er beiwohnen möchte. Und doch entdeckt man bereits beim ersten Durchschauen Interessantes – aus der Region Basel, aus entfernteren Ecken der  Schweiz oder auch aus anderen Ländern. Das Programm bietet Vielfalt, darunter Exotisches oder Ausgeflipptes. Sportbegeisterte sollten zum Beispiel “Boxeo” nicht verpassen. Da werden die Sportarten Teakwando, Kuntaiko und Boxen gezeigt. Für Liebhaber von Theater empfiehlt sich “Theatersport”, wo sich Theatergruppen in Improvisation messen oder das Stück “Biedermann und die Brandstifter”, welches am 31. August am JKF Premiere feiert. In der Sparte Tanz sticht die Basler Gruppe Flamenco Sangre Joven mit ihrer spanischen Tanzart unter Hiphop-, Show- und Streedancegruppen heraus. Für Fans von musikalischen Darbietungen wird die Auswahl vermutlich am schwierigsten. Die Sparte bietet die grösste Auswahl. Da aber viele Konzerte Openair stattfinden, ist die beste Lösung, in der Stadt umherzugehen und den Ohren zu folgen.

 

Junge Künstler ohne Gage

 

Um beim JKF dabei zu sein, bewarben sich die Formationen online. Aus den über 300 Anmeldungen aus der ganzen Schweiz wurde per Onlinevoting und Juryentscheid bestimmt, welche 180 Acts tatsächlich auftreten. Wie auch 2011 sind Bewerbungen für musikalische Darbietungen in der Überzahl. Alleine über 200 Bewerbungen gehen auf das Konto von Bands und anderen Musikern. Die jungen Künstler betrachten das Festival wohl als Plattform, denn bezahlt werden sie nicht. “Die Künstler verzichten auf eine Gage”, steht in einem Festivaldokument geschrieben.

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Diemtigtal: Nicht des Siegermunis Ziel

Für den amtierenden Schwingerkönig Kilian Wenger wartete gleich im ersten Gang ein harter Brocken. Keinen geringeren als den ehemaligen Schwingerkönig Arnold Forrer galt es zu bezwingen. Die Nervosität war den beiden anzumerken – das Duell endete unentschieden, in Schwingersprache ausgedrückt, “gestellt”. Kein Grund für den Diemtigtaler, die Titelverteidigung abzuschreiben. Das änderte sich aber nach dem zweiten Gang, den der 23-Jährige gegen Martin Koch verlor. Mit seinen beiden Siegen im dritten und vierten Kampf darf er sich – trotz dem wohl geplatzten Königstraum – Hoffnungen auf einen Spitzenplatz machen.

Unbezwungen

Anders die Gemütslage bei seinen Verbandskollegen Christian Stucki und Matthias Sempach. Beide überstehen den Samstag, ohne eine Niederlage oder einen Gestellten in Kauf nehmen zu müssen. Als Überraschung des Tages gilt der 25-jährige Sigriswiler Bernhard Kämpf. Auch er verlässt den Sägemehlring stets als Sieger und führt das Klassement gemeinsam mit Stucki an.

Ausgeschwungen

Obwohl nach dem ersten Tag die Spitzenplätze von Athleten des Bernisch Kantonalen Verbandes dominiert werden, ist ein König aus dem Gastgeberkanton noch nicht gesetzt. Morgen, Sonntag stehen nochmals vier Gänge auf dem Programm. An diesen dürfen nach Reglement nur diejenigen Schwinger antreten, welche sich in die drei ersten Viertel des Klassements geschwungen haben. Für 70 Athleten nimmt deshalb das Abenteuer Burgdorf schon heute ein Ende.

Festival oder Schwingfest?

Burgdorf, eine Emmentaler Stadt mit 15’500 Einwohner. Während dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest wird die Personenzahl um das 16-fache steigen: Die Organisatoren erwarten mehr als 250’000 Besucherinnen und Besucher. “Über vier Jahre hat die Planung dieses Grossanlasses in Anspruch genommen”, betonte OK-Präsident Andreas Aebi in seiner Eröffnungsrede am Samstagmorgen. Dazu gehört ein ausgereiftes Konzept, wie die Viertelmillion Schwingfans aufs Gelände gelangen. Die SBB ist mit 400 Extrazügen unterwegs, die regionalen Buslinien stellen 600 zusätzliche Kurse zur Verfügung.

 

Zelten als Entlastung

Bevor die ersten “Bösen” am Samstag um acht Uhr in den Sägemehlring traten, belieferten Züge im zwei-Minuten-Takt den Bahnhof Burgdorf mit neuen Scharen von Schwingbegeisterten. Das Gedränge war entsprechend gross: “Das ist kein Schwingfest mehr – das ist ein Festival”, bilanziert ein Fan. Mit dieser Äusserung spricht er einen weiteren Punkt an: Auf dem Schwingfestareal in Burgdorf sind 25 Hektaren, was mehr als zwölf Fussballfeldern entspricht, fürs Zelten und Campen reserviert. Dadurch wird der Auflauf am Sonntagmorgen am Bahnhof vielleicht etwas bescheidener ausfallen.

Selbstbedienung bei Paris Hilton

Das Leben hat sich Marc (Israel Broussard) noch nie von seiner schönen Seite gezeigt: Er hat keine Freunde und flog wegen zu vielen Absenzen von der Schule. Wegen Letzterem landet der junge Mann auf der “Versagerschule” von Los Angeles. Dort trifft er auf Rebecca (Katie Chang), die ihn sofort in ihre Mädchenclique integriert und ihn auf überfüllte Hauspartys mitschleppt. Diese werden Rebecca zu langweilig; sie überredet Marc dazu, gemeinsam mit ihr Geld aus unabgeschlossenen Autos zu stehlen. Von dort ist es nur ein kleiner Schritt, Luxustaschen und –kleider aus Villen von verreisten Millionären zu entwenden.

 

Bald sind die Beiden so dick im Geschäft, dass sie mit Hilfe von Google Earth Häuser von Promis, die auf einer Fashionshow oder einem Filmset weilen, ausfindig machen, dort “shoppen” und Partys steigen lassen. Dabei lassen sie keinen Wunsch offen: Taschen, Ketten, Schuhe, Uhren und Makeup von Edelmarken packen sie ein, als ob es das Selbstverständlichste der Welt wäre, sich aus Paris Hiltons Garderobe zu bedienen.

 

Gedreht am Originalschauplatz

Diese Sequenzen wurden in der Originalvilla der amerikanischen Luxusgöre gedreht. Die Zuschauenden erhalten so Einblicke in den ätzenden Überfluss, in dem Hollywoods-Stars und -Sternchen ihre Stunden abseits des Rampenlichts verbringen. Regisseurin und Drehbuchautorin Sofia Coppola kann Hilton dankbar sein; der Streifen lebt von den Bildern der Prunkgüter. Denn die Handlung ist äusserst mager und über die ganze Dauer von 90 Minuten absehbar.

Zum Nachdenken regt einzig der Fakt an, dass der Film auf realen Geschehnissen basiert. Die Journalistin Nancy Jo Sales veröffentlichte in der “Vanity Fair” einen Artikel über fünf Jugendliche aus Hollywood, die von Oktober 2008 bis August 2009 aus Langeweile in Promivillen eindrangen und dabei Luxusgüter im Gesamtwert von über drei Millionen US-Dollar entwendeten.

 

Wo bleibt der Tiefsinn?

Den Tiefpunkt erreicht “The Bling Ring”, als die Kinobesuchenden gefühlte Minuten dunkle Miniaturmenschen in einer hellerleuchteten Villa von Zimmer zu Zimmer ihre Taschen füllen sehen – Langeweile pur! Immerhin gelingt es Coppola,die selbst in Hollywood aufgewachsen ist, die Oberflächlichkeit und die Gier nach dem Gefühl,  ein Star zu sein, den Jugendlichen regelrecht aufs Gesicht zu schreiben. Durch die fehlende Tiefgründigkeit der jeweiligen Charaktere spüren die Kinobesuchenden diese Punkte gut heraus. Da wäre die Besetzung durch Emma Watson als “Nicki”, einer der fünf Cliquemitglieder, nicht nötig gewesen. So trivial der Film ist, kann die populäre Britin ihre Erfahrung und Qualität nicht in ihre Rolle übertragen.

 

 

Hinweis


“The Bling Ring” ist am 15. August in den Deutschschweizer Kinos angelaufen.

Grind abe ond raaaaase

Nach unzähligen Zugaben der Oldies-Band Triggerfinger und einigen Litern Bier war es für die meisten Zeit um sich auf den morgigen Tag vorzubereiten – Schlaf zu tanken. Doch einfach war es nicht. Denn bereits am frühen Morgen wärmten die ersten Tefflibueben ihre Motoren der heissen Maschinen auf – zum Leidwesen der Schlafwilligen.

Jung und Alt, Nidwalden und Obwalden

Ein durchmischtes Publikum machte den Event vielfältig. Es trafen sich Jung und Alt, Nidwaldner und Obwaldner. Wobei Letztere an diesem Anlass nicht ohne kleinere Neckereien und Sticheleien auskamen, denn für die Nidwaldner sind die Obwaldner die “Tschiffeler” und umgekehrt sind die Nidwaldner für die Obwaldner die “Reissäckler”. Welchen Grund dahinter steckt, konnte uns niemand erklären. Jedenfalls kam hervor, dass nicht nur die Tefflifahrer untereinander konkurrenzierten, sondern auch der eine oder andere Eingeborene.

Die Stimmung untereinander ist jedoch immer sehr familiär, wie uns eine Teilnehmerin berichtete. “Seit drei Jahren sind wir hier nun dabei, es hat immer mehr Leute, einige könnten nun schon unsere Grosskinder sein!”, meinte Trudi Wahlen aus Ennetbürgen. Auch wir fühlten uns empfangen in dieser familiären Gemeinschaft. Als wir nämlich vor der unlösbaren Hürde des Zeltaufbauens standen, bekamen wir von unseren junggebliebenen Nachbarn reichlich Hilfeangebote. Sogar ein Ersatz-Zelt haben wir erhalten, als unseres in einer Katastrophe endete. Das leidenschaftliche Hobby verbindet und man vergisst den “Kantönligeist” aber auch den Konkurrenzkampf. “Wir schätzen es sehr hier herzukommen, es ist super organisiert und auf die Sicherheit legen sie grossen Wert.”, so Familie Niederberger aus Stans, deren Sohn im OK der Teffli-Rally ist.

Viel Regen, wenig Sonnenstrahlen

Die Rennen waren geprägt von vielen schnellen, im Gegensatz dazu jedoch auch von sehr langsamen Teilnehmern. Es gab drei Kategorien. Kategorie 1 war für die, welche gerne an ihren Tefflis rumfriesieren und auf Action wie auch auf Adrenalin stehen. Denn hier fuhren nur die schnellsten der schnellen. In der Kategorie 2 waren keine friesierten Tefflis erlaubt. Dafür musste man sich verkleiden. Auch in der Kategorie 3 herrschte die Verkleidungs-Pflicht. Da hier jedoch Tefflis mit 3-4 Rädern rumrasten war noch mehr Kreativität und Rumbastlerei gefragt und auch gefunden.

Die Rennstrecke war nicht leicht, denn einige Tücken, wie eine scharfe Kurve oder einen steilen Hang waren gekonnt eingebaut. Das Wetter machte nicht nur den Organisatoren für kurze Zeit einen Strich durch die Rechnung: die Rally wurde wegen des starken Regenfalls für eine gewisse Zeit gar unterbrochen. Später galt es für die Fahrer die Strecke trotz Schlamm zu bewältigen.

Die Gewinner schienen keine grosse Rolle zu spielen. Im Zentrum standen viel mehr die aufwendige Vorarbeit, der Spass beim Fahren und das Beisammensein. Es entstand eine regelrechte kleine Teffli-Familie. Und so gehen auch wir drei dreckig, müde aber zufrieden wieder nach Hause und freuen uns jetzt schon auf die nächste Teffli-Rally in zwei Jahren.