Kultur | 25.07.2013

Von Stimmungsmachern und Spassbremsen

Text von Robin Mahler | Bilder von Bettina Gerber
An den letzten beiden Tagen gab es nochmals einen erheblichen Zuschaueranstieg und einen neuen Besucherrekord. Insgesamt besuchten über 77-~000 Leute das Gurtenfestival 2013. Gegenüber letztem Jahr waren dies rund eintausend Leute mehr.
Black Rebel Motorcycle Club konnte am Gurten überzeugen.
Bild: Bettina Gerber

Bereits am frühen Nachmittag füllte sich das Festivalgelände. Auf der Hauptbühne hatte die aus den USA kommende Alternative-Rockband Beware The Darkness ihren Auftritt. Ihr Sänger Kyle Nicolaides fiel durch seine ungewöhnlich helle Stimme auf. Das Interesse der Zuschauer am Auftritt war allerdings gering. Der vordere Bereich wurde nur mässig von Zuschauern gefüllt. Viele Anwesende hielten sich abseits auf dem Rasen auf, unterhielten sich miteinander, schliefen oder hörten nur nebenbei zu. Anders als beim Black Rebel Motorcycle Club Konzert vom Donnerstag, spielte das Trio aber mit Freude an der Sache.

Als nächstes bot die Basler Indie Band We Invented Paris melancholischen und gemächlichen Pop auf der Waldbühne. Ihre Musik animierte zum verträumen Herumsitzen und -liegen.

 

Um 19:15 Uhr spielten die englischen Synthie-Popper Hurts, welche in nur vier Jahren einen kometenhaften Aufstieg hingelegten. Die Musik ist von den Genre-Vorreitern Depeche Mode inspiriert. Die Jungs waren sichtlich angetan vom Berner Publikum. Der Sänger Theo Hutchcraft warf zwischendurch ein paar gelbe Rosen ins Publikum. Dieses bedankte sich mit kräftigem Mitsingen der Radiohits wie “Wonderful Life”, “Miracle” oder “Somebody to die for”.

 

The not so smashing Pumpkins

Irgendwie schien die Hauptbühne mit einer Art Fluch behaftet zu sein. Entweder war die Stimmung ausgelassen oder ganz und gar zurückhaltend. Letzteres traf bei den Headlinern “The Smashing Pumpkins” zu. Diesmal lag es aber eher an der Band als am Publikum. Die Pumpkins feierten in den 90igern riesige Erfolge, lösten sich aber im Jahre 2000 auf. Bis zur Reunion vergingen acht Jahre. Den Ruf einer stimmungsvollen Liveband haben die 1987 gegründeten Rocker aus den Staaten eher nicht. An der Musik lag es nicht, diese war atmosphärisch und melancholisch. Die Gründe für die fehlende Begeisterung lag an der mangelhaften Kommunikation mit dem Publikum. Bis zum Konzertende wurde nur stur ein Stück nach dem anderen herunter gespielt. Der Auftritt gehörte zu einem der Stimmungstiefpunkte des Festivals.

 

Das Publikum im Griff

Die Französin ZAZ hatte am Sonntagnachmittag ihren Auftritt. Mit ihrer fröhlichen und mitreissenden Art brachte sie die Anwesenden in Stimmung. Die Mischung aus ruhigen Chansons und soulig angehauchten Nummern trafen exakt den Geschmack des Publikums, was die Künstlerin sehr berührte.

Auf der Zeltbühne spielten später Imagine Dragons. Die Band verzeichnete in relativ kurzer Zeit grossen Erfolg, unter anderem dank des Songs “Radioactive«, welcher 2012 das Titellied zum Videospiel “Assassin’s Creed III” wurde. Die Dragons schafften es, ihre Anhängerschaft früh mitzureissen und das Zelt zu füllen. Die Band spielte sich in einen wahren Rausch: Der Frontmann Dan Reynolds suchte immer wieder Kontakt mit dem Publikum. Die Show endete mit dem kollektiven Mitsingen des Songs “Radioactive”.

Etwas später wurde auf der Zeltbühne die Britin Alex Hepburn mit herzlichem Applaus empfangen. Die anfängliche Schüchternheit legte sich im Verlauf ihres Auftritts. Die Performance ihrer Soul- und Blues Songs wurden vom Publikum wohlwollend aufgenommen.

 

Festivalende mit Besucherrekord

Als letzter Headliner betraten die Hip-Hopper Die Fantastischen Vier aus Stuttgart, zusammen mit einem Orchester, die Hauptbühne. Die Jungs beteuerten, es sei “schön, wieder daheim zu sein”. Kein Wunder, Die Fanta 4 hatten bereits ihren vierten Festivalauftritt am Berner Hausberg und könnten fast schon selber ein Gurtenjubiläum feiern.

Die verbliebenen Zuschauer hatten nach dem Konzert der Stuttgarter die Wahl zwischen den Glamrockern The Darkness und dem Schweizer Komiker Müslüm . Mit diesem Programm endete die Jubiläumsausgabe.

Die Veranstalter ziehen ein positives Fazit und freuen sich über den neu aufgestellten Besucherrekord. Ob das cashless System beibehalten wird, darüber sind sich die Organisatoren noch nicht einig. Sicher ist aber das Datum des 31. Gurtenfestivals: Es findet nächstes Jahr vom 17. bis 20. Juli statt.