Kultur | 17.07.2013

Vom Aufwand her mehr als ein Hobby

Text von Sarah Getzmann | Bilder von zVg.
Wir alle kennen sie, die erfolgreichen Bands. Die, die es geschafft haben. Aber wie ist es dazu gekommen? Ich habe mich auf den Weg gemacht und einen Vormittag mit einer vielversprechenden Newcomerband verbracht. Mit ihnen über ihre Träume und Ziele gesprochen, ihre neusten Projekte, wo sie sich ihre Motivation herholen und weshalb sie keine Politiker wurden. Aber trotzdem viel zu sagen haben.
Es begann im Jugendraum in Heimberg, ist inzwischen im Hallenstadion angekommen - Was werden "Undiscovered Soul" noch erreichen?
Bild: zVg.

Ich irre verloren im Gschwend rum, in den Gängen des alten Fabrikgebäudes in Steffisburg. Michael muss mich abholen. Der Boden des versteckten Bandraums ist mit alten Teppichen ausgelegt, es hat eine Zimmerpflanze und eine Menge Instrumente und Kabel. Dominik, der Drummer, und Lukas, der Gitarrist, stehen auf dem Dach und rauchen eine. Kein Joint, nur eine Zigarette. Mit Drogen hätten sie kein Problem, meint die Band, als ich sie später darauf anspreche. Mit dem Alkohol eigentlich auch nicht, sagen sie mit einem leicht verschmitzten Lächeln. Ich glaube ihnen nicht, aber ich frage auch nicht nach. Die Band ist frisch von einem verlängerten Wochenende in England zurück, wo sie an einem grossen Newcomerfestival gespielt haben. Es sei eine Bühne gewesen, auf der sie sich wichtigen Leuten präsentieren konnten.

 

Am Anfang stand Heimberg

Sie spielen mir den Song vor, an dem sie gerade arbeiten. Ich beneide die Jungs ein bisschen um ihre Leidenschaft, schliesse die Augen und höre genau hin. Ich mag ihre Musik. Ich habe die Anfänge der Band an Schülerkonzerten vor rund 10 Jahren als pubertierende Oberstufenschülerin miterlebt. Und nein, mir ging es damals nicht um die Musik. Es waren anfänglich zwei Bands, die dann fusionierten und nun als Undiscovered Soul unterwegs sind. Dominik als Drummer, Rease als Bassist, Jay singt, Lukas spielt Gitarre, gemeinsam mit Michael, der ab und zu auch am Piano begleitet. Nun sind sie nicht mehr die Rotznasen, die ich einst im Jugendraum Heimberg kennengelernt habe.

 

Zwischen Hallenstadion und Disziplin

Seit dem Zusammenschluss sei die Band auch um einiges ernster unterwegs. Auf meine, Frage was sich seit dieser Zeit verändert habe, meinen sie nur lachend, sie kämen jetzt nicht mehr betrunken an die Bandprobe. Ausserdem, hätten die Texte ihrer Songs an Bedeutung gewonnen. “Die meiste Zeit schnauzen wir uns an”, meint Michael und lacht. “Das klingt jetzt so negativ”, schreitet Lukas ein. “Es macht genau gleich viel Spass wie früher, die Freude an der Musik und an der Gemeinschaft überwiegt immer noch.” Aber, es sei halt wie eine Art Beziehung, da gehörten Hochs und Tiefs dazu, fügt Dominik an. Die Jungs philosophieren darüber, weshalb es so viel mehr zum Krampf geworden ist als früher und sie sind sich einig: Sie hätten alle sehr hohe Ansprüche an sich selber. Fleiss hat seinen Preis – aber mittlerweile sind die Seelen ja gar nicht mehr so unentdeckt. Vor zwei Jahren waren sie auf der Waldbühne am Gurtenfestival, haben mit “Dresscode Love” bereits 3000 Exemplare ihrer ersten EP verkauft und haben auf rund 60 verschiedenen Schweizer Bühnen gespielt. Sie traten auch im Hallenstadion auf, als Vorband von Silbermond. Im Anschluss waren sie für eine erfolgreiche, einmonatige Tour in England unterwegs.

 

Musik für Kämmerchen und Bühnen

Angesprochen auf ihre Erfolge meint Lüku: “Es ist momentan noch ein Hobby, vom Finanziellen her. Aber vom Aufwand, den wir alle in das Ganze reinbuttern, bestimmt mehr als das…” Alle arbeiten zur Zeit noch bis zu 80% neben der Band, sie unterrichten ihr Instrument, arbeiten im Verkauf oder im Büro. Die Motivation sei in erster Linie das Feedback der Fans. Einerseits, meint Dominik, sei es wunderbar zu sehen, wie an einem Konzert die Meute im Takt zur Musik springt, und andererseits sei es schön zu wissen, dass Leute ihre Musik auch im stillen Kämmerchen hören, auf den Text achten und sich damit identifizieren können. “Wenn die Leute das Konzert mit einem Lächeln verlassen, ist das eigentlich bereits alles was zählt”, meint Rease. Die Vision sei es, einen guten “Vibe” in diese Welt zu bringen, und der musikalische Weg dazu falle ihnen allen einfacher, als beispielsweise politisch aktiv zu werden. Sie erklären mir, dass sie aus Überzeugung auch unter keinem Label-Vertrag stehen, was ihnen die Möglichkeit gibt, gesund zu wachsen und auch selber zu ernten.

 

“Wir müssen uns halt gegenseitig vertrauen”

Keiner der Jungs bereut es, diesen Weg eingeschlagen zu haben, obwohl es ihnen bewusst ist, dass andere Züge nun abgefahren sind. Michael meint, er könne ja auch mit 30 noch die Berufsmittelschule besuchen, wenn er wolle. Wobei Lukas weiss, dass er beruflich wahrscheinlich an einem ganz anderen Punkt stehen würde, hätte er auf ein anderes Pferd gesetzt. Keiner der Jungs möchte jedoch etwas anderes machen. Bei der Frage nach Alternativen, meint Rease, er würde einfach nach Indien abhauen. Aber das sei im Moment ohnehin kein Thema. Die Jungs planen nämlich alle, der Band die höchste Priorität einzuräumen – sicher für die nächsten drei Jahre. Sie arbeiten hart an ihren Songs für die nächste EP, die im Sommer aufgenommen wird. Es sollten weitere EPs folgen und dann hoffentlich auch bald ein Album. “Wir sprechen oft über unsere Zukunftspläne”, sagt Lüku. “Wir müssen uns halt gegenseitig vertrauen, dass alle dabei bleiben, zumindest für die nächste Etappe.”

 

 


 

Undiscovered Soul – Live:

27. Juli 2013        Openair Lumenzia/Vella
31. Juli 2013        Jungbürgerfeier/ Steffisburg
02. August 2013    Brienzersee Rockfestival/Brienz
03. August 2013    Rock the truck/ Thun

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