Kultur | 02.07.2013

„Musiker si di Einzige, wo gärn länger bügle!“

Text von Melanie Bösiger | Bilder von Annette Eckenstein
Wo normalerweise Schulkinder spielen, taten dies am vergangenen Wochenende verschiedene Bands. Den Ländli-Schulhausplatz in Baden zierte für das Open Air Rebstock eine grosse Bühne, auf der am Samstag eine mindestens ebenso grosse Band auftrat: Patent Ochsner gaben bekannte Hits und überraschende Soli zum Besten.
Büne Huber: Trotz des lauen Sommerabends gehört die Mütze mit auf die Bühne. Auf der vollen Bühne stehen die Bläser dicht beisammen. Zwischendurch folgen Instrumentalteile der Musiker.
Bild: Annette Eckenstein

Der Himmel ist blau, den Platz vor der Bühne säumen grüne Bäume. Deren Schatten sucht niemand, es ist ein lauer Sommerabend. Vor dem Konzert machen es sich die Zuschauer an der Sonne gemütlich, sitzen auf den Kieselsteinen des Schulhausplatzes. Tags zuvor, beim Konzert von Gigi Moto, war der Platz leer geblieben, bis die Ansagerin die Gäste fünf Minuten vor Konzertbeginn aufgefordert hatte, vor die Bühne zu kommen. Bei Patent Ochsner ist das ganz anders, die besten Plätze sind lange vor dem Konzert besetzt.

 

Büne auf voller Bühne

Auch die Bühne füllt sich: Patent Ochsner spielen zu neunt auf mindestens doppelt so vielen, verschiedenen Instrumenten. «An der Violine, Bratsche, Posaune und am Engelsgesang: Daniela Bertschinger«. Wie lange Sänger Büne Huber wohl geübt hat, bis er beim Vorstellen der Band jedem Musiker die richtigen ein bis vier Instrumente ohne Zögern zuordnen konnte?

 

Streicher und Bläser-Soli

Mit dieser Vielfalt an Instrumenten entsteht der typische Ochsner-Sound. Die Texte scheint das Publikum Zeile für Zeile auswendig zu können, überall singen die Zuschauer mit. Vom Dreikäsehoch bis zum Greis, die Songs von Patent Ochsner kennt man über Generationen hinweg. Zwischen den Zeilen geben die Musiker unzählige Soli zum Besten. Hier eine E-Gitarre, da ein Saxophon, dort eine Trompete und immer wieder die Violine. Nicht nur beim Instrumental-Teil der «W. Nuss vo Bümpliz« ist sie tonangebend, sondern auch an vielen andern Stellen. Langsam am Anfang, immer schneller zum Schluss, das Publikum klatscht nur noch mit Mühe im Takt.

 

Tanzende Gummibäume

Büne Huber schaut derweil in den blauen Himmel und meint, normalerweise lägen sie um diese Zeit (es ist knapp 20 Uhr) noch im Bett. Nur zum Einkaufen stünden sie ab und zu früher auf, die Migros schliesse leider um sieben. Sonst hält sich der Sänger eher zurück mit langen Reden, oft setzt mit den letzten Takten eines Songs der nächste ein. Besonders «Fischer« bringt Stimmung, die Leute tanzen ausgelassen. Und als in der Zugabe die ersten Takte von «Gummiboum« erklingen, beginnt das Publikum sich gummibaumartig zu bewegen – oder jedenfalls so, wie Büne Huber die Bewegungen eines Gummibaums auf der Bühne vorzeigt: Die Arme vom Körper gestreckt und langsam in Wellenform bewegend, dazu der Oberkörper etwas verträumt hin und her wippend.

 

Und noch ein bisschen länger

In den zwei Zugaben folgt Hit an Hit, nach «Gummiboum« die «W. Nuss vo Bümpliz« und «Scharlachrot«. Es ist unterdessen fast dunkel geworden, die Bühne erstrahlt beim letzten Song in (scharlach)rotem Licht. Die Band verabschiedet sich mit einem nochmals langen und abwechslungsreichen Instrumentalteil. Büne bedankt sichfür die fast zwei Stunden. «Wüsst der, am Sanggalle dörfemer nume ei Schtung. Schteued euch das vor. Drbii si Musiker di Einzige, wo gärn länger bügle!«