Kultur | 16.07.2013

Makaber und unterhaltsam

Text von Anita Béguelin | Bilder von zVg
«Who killed Johnny" kommt diesen Sommer in die Kinos. Die überdrehte Schweizer Trash-Komödie beweist nicht nur den Ideenreichtum der Regisseurin Yangzom Brauen, sondern auch ihren Sinn für schwarzen Humor.
"Who killed Johnny" ist mehr als billige Unterhaltung.
Bild: zVg

Max (Max Loong) und Mel (Melanie Winiger) wollen ein Drehbuch schreiben. Max-˜ Ideen sind dabei eher makaberer Art: Der ganze Film soll in einer Küche spielen und der Hauptdarsteller bereits in der ersten Szene ermordet werden. Mel hingegen möchte lieber einen autobiografischen Film über ihr beider Leben als Schweizer in Hollywood drehen. Einig werden sich die beiden auf jeden Fall nicht so schnell. Und nachdem sie zwecks Ideenfindung eine gehörige Portion Hasch-Brownies verspeist haben, gerät alles aus den Fugen.

 

Drogen und andere Verwirrungen

Yangzom Brauens Erstling ist ein abgedrehter Low-Budget-Film. In den Hauptrollen spielt nebst Winiger und Loong ein exzentrischer Carlos Leal. Gesprochen wird Schweizerdeutsch und Englisch, gedreht in Brauens Privathaus in Los Angeles. Die Handlung ist simpel: Die Schauspielerin Melanie, die von einem Oscar träumt, und der Drehbuchautor Max, der nie gewagt hat, von einem Oscar zu träumen, wollen zusammen einen Film drehen. Die guten Ideen dazu fehlen ihnen jedoch. So versuchen sie, ihr Bewusstsein mit Drogen zu erweitern und drehen sich doch stundenlang nur im Kreis. Und während Max die grossbusige Gudrun (Glamour-Model Jordan Carver gibt ihr Filmdebüt) bewundert, die zusammen mit ihrem Freund Jambo (Ernest Hausmann) im Pool ihre Runden dreht, geschehen merkwürdige Dinge.

 

Leiche statt Drehbuch

So liegt zum Beispiel auf der Strasse plötzlich ein Toter, der aussieht wie Johnny Depp. Der Einfluss des Haschischs ist zu gross, als dass Max und Mel die Sache ernst nehmen könnten. Statt die Polizei zu rufen, helfen sie Gudrun und Jambo, den vermeintlichen Johnny Depp ins Haus zu tragen. Und da sie sowieso einen Film drehen wollten, machen sie das jetzt. Mit von der Partie: Ein totes Johnny-Depp-Double (Ronnie Rodriguez). Schliesslich könnten sie sich den Echten niemals leisten! So haben sie zwar immer noch kein Drehbuch, doch immerhin ein paar Aufnahmen mit Johnny Depp. Und als sie genug Szenen im Kasten haben, ruft Max einen “Cleaner” an, und weg ist das Problem. Vorerst.

 

Schwarzer Humor

Yangzom Brauen lebt selbst in Los Angeles und stand unter anderem für “Aeon Flux” und “Wilde Salome” vor der Kamera. 2009 war sie Co-Produzentin der Web-Soap “Hallo Hollywood”, die das Leben von vier Schweizern behandelt, die in Hollywood Fuss fassen wollen. Mit “Who killed Johnny” vertieft Brauen dieses Thema und beweist als Produzentin und Regisseurin Mut. Der Film ist unkonventionell, so werden zum Beispiel die Szenen, die sich Max und Mel für ihr Drehbuch ausdenken, jeweils eingespielt. Teilweise ist die gleiche Szene fünf Mal nacheinander in nur leicht abgeänderter Weise zu sehen. Am Anfang ist das unterhaltsam, mit der Zeit für den Zuschauer aber genauso nervenaufreibend wie für die erfolglosen Drehbuchautoren. Auch die ewigen Streitereien zwischen Max und Melanie sind auf Dauer anstrengend. “We agreed to disagree”, bringt es Mel auf den Punkt. Überzeugend ist aber die Selbstironie, mit der sich die Schauspieler selbst aufs Korn nehmen. Zum Schluss der Trash-Komödie ist Brauens Humor jedoch so schwarz, dass die Unterhaltung auf der Strecke bleibt.

 

Billige Unterhaltung?

“Who killed Johnny” ist eine Art Familienproduktion. Brauen verzichtete gänzlich auf Förderungsgelder und sammelte stattdessen Geld über die Crowdfunding-Plattform kickstarter. So kamen durch Spenden knapp 30-˜000 Dollar zusammen, mit denen mehr als die Hälfte der Produktion finanziert werden konnte. Das restliche Geld kam von Brauens Privatkonto. Innerhalb von nur 8 Tagen wurde “Who killed Johnny” abgedreht, was dem Endresultat aber kaum anzumerken ist. Winiger, Loong und Leal, die alle auf eine Gage verzichteten, wurde dabei keine schauspielerischen Höchstleistungen abverlangt. Für die Unterhaltung ist trotzdem gesorgt. Und im Gegensatz zu Michael Steiners “Missen-Massaker”, das 3 Millionen Bundes-Förderungsgelder verschlang, wird die Komödie wohl ein breiteres Publikum ansprechen. Wenn man vom Ende absieht, sorgt “Who killed Johnny” für gute Laune.