Sport | 15.07.2013

Luzern – Lausanne

Text von Simon Scheidegger | Bilder von Matthias Käser
Der FC Luzern schlägt defensiv kompakte, aber offensiv harmlose Lausanner mit 2:0. Dimitar Rangelov erzielt ein rares Tor. Während die Lausanner das Positive ins nächste Spiel mitnehmen wollen, freut man sich in der Innerschweiz auf das Duell mit Champions League Finalist Borussia Dortmund.
  • Der FC Luzern schlägt defensiv kompakte, aber offensiv harmlose Lausanner mit 2:0.

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  • Luzerns Michel Renggli verliert den Ball an Patrick Ekeng

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  • Bild: Matthias Käser

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  • Bild: Matthias Käser

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  • Oliver Bozanic versucht an Yannis Tafer vorbeizukommen

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  • Sébastien Méoli gewinnt ein Kopfballduell gegen Daniel Gygax.

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  • Xavier Hochstrasser spielt einen Pass. Der Lausanner Mingyang Yang kommt zu spät.

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  • Goalie Fickentscher klärt vor den einschussbereiten Gygax und Bozanic.

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  • Verhängnisvoller Fallrückzieher: Daniel Gygax fällt unglücklich auf die Schulter und muss nach 30 Min. ausgewechselt werden.

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  • Jahmir Hyka bringt neuen Schwung ins Spiel

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  • Rangelov trifft und wird von seinen Teamkollegen beglückwünscht.

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  • Adrian Winter im Zweikampf mit Jérôme Sonnerat.

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  • Claudio Lustenberger macht mit dem 2:0 nach 88' alles klar.

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Der FC Luzern startet in Gegensatz zu seinem Gegner Lausanne ungeschlagen in die neue Saison. In allen Testspielen gingen die Innerschweizer als Sieger vom Platz. Während Lausanne aber in der Vorbereitung auch gegen hochkarätige Gegner wie Dynamo Moskau oder den SC Freiburg antrat und die Breisgauer sogar mit 2:1 bezwang, testeten die Luzerner lediglich gegen unterklassige Gegner. Die beiden Teams konnten nicht verbergen, dass sich die acht beziehungsweise neunt Platzierten der letzten Saison gegenüberstanden. Das Niveau war anfangs bescheiden, wobei sich beide Mannschaften bemüht zeigten. Die Luzerner Siegesserie, die saisonübergreifend und inklusive Testspiele bereits sieben Spiele lang Bestand hatte, schien dem Heimteam aber doch Selbstvertrauen zu verleihen. Das letzte Mal als Luzern als Verlierer den Platz verlassen musste, geht bereits zurück auf den 25. Mai 2013. Gegner war damals – genau – Lausanne.

Gygax’ Schulterprellung

Nach fünf Minuten kamen die Luzerner zum ersten Mal gefährlich vor das Tor von Lausanne-Hüter Kevin Fickentscher. Xavier Hochstrasser schiesst aber nach einer guten Flanke von Dimitar Rangelov deutlich übers Tor. Nach gut 20 Minuten war es wiederum Mittelfeldspieler Hochstrasser, der zu einer guten Möglichkeit kam: Daniel Gygax versuchte im Strafraum einen Fallrückzieher, der aber anstatt aufs Tor schliesslich zum heraneilenden Hochstrasser an die Strafraumgrenze kam. Mit vereinten Kräften vermochten die Lausanner dessen Schuss zu blocken. Diese Szene hatte grösseren Einfluss auf das Spiel als man gemeinhin annehmen konnte: Gygax fiel bei der Bicicletta unglücklich auf die Schulter, zog sich, wie der FC Luzern nach dem Spiel verlauten liess, eine starke Prellung zu und musste nach 29 Minuten durch den flinken Albaner Jahmir Hyka ersetzt werden. Luzern brauchte ein paar Minuten, um nach dem Wechsel wieder ins Spiel zu kommen, aber auch die bis dahin harmlosen Lausanner konnten nicht von den Umstellungen im Luzerner Spiel profitieren. Matar Coly, der neue, kräftige Stürmer, der von den Berner Young Boys zu den Waadtländern gestossen ist, konnte einige Bälle behaupten, schaffte es aber vorerst nicht, sich Chancen zu erarbeiten. Überhaupt fand sich wenig Zusammenhängendes im Spiel der Lausanner und zunehmend auch beim Heimteam. Hyka belebte das Spiel aber merklich. Er setzte sich nach 35′ auf der linken Seite durch, der agile Rangelov verpasste, und der neue Australier im Team der Luzerner, Oliver Bozanic, verzog einen schönen Volleyschuss knapp.

Vierfacher Rangelov

Diese gute Chance läutete die Luzerner Schlussoffensive vor der Pause ein. Bei einem Freistoss aus 18 Metern zielte Rangelov noch einige Zentimeter zu hoch, wenig später zappelte der Ball aber doch im Netz der gut organisierten Lausanner: Flügel Adrian Winter setzte sich auf der rechten Seite durch und flankte punktgenau auf Rangelov. Der Stürmer köpfte geschickt gegen die Laufrichtung des Torhüters zur Luzerner Führung. Mit diesem Tor egalisiert der Bulgare bereits seine Torausbeute aus der letzten Saison. Gerade einmal ein einziges Tor ist ihm nämlich in der enttäuschenden letzten Saison gelungen, was für einen ehemaligen Bundesliga-Torjäger eindeutig zu wenig ist. Rangelov stiess vor einem Jahr von Borussia Dortmund, das ihn an Energie Cottbus ausgeliehen hatte, zum FCL. Zwar traf Rangelov in jedem Spiel für den letztjährigen Champions League Finalisten, er durfte jedoch auch nur ein Spiel für die erste Mannschaft bestreiten, bevor er in den Nachwuchs abgeschoben wurde. In Luzern hofft man, dass die Torflaute von Rangelov nun endlich vorbei sein wird. Der Stadionspeaker zeigte sich gar euphorisiert ob des raren Torschützen: Vier Mal, anstelle der gemeinhin verbreiteten drei Mal, liess er die Fans “Rangelov” skandieren. Nüchterner betrachtete es Luzern-Captain Michel Renggli: “Wir konnten uns gute Chancen erarbeiten. Super, dass Dimitar schon trifft.” Die Luzerner Pausenführung war denn auch verdient, obwohl einiges auf Zufall beruhte und logischerweise die Automatismen fehlten. Dennoch zeigte sich Luzern-Trainer Carlos Bernegger zufrieden wie sein Team den Ball in den eigenen Reihen zirkulieren liess. Der Argentinier bemängelte allerdings, dass man sich zu viele leichte Ballverluste leistete. “Fürs erste Spiel war es in Ordnung, aber Fehler dürfen nicht immer damit entschuldigt werden, dass das Team zu wenig eingespielt sei.”

“Ein harziges Spiel”

In der zweiten Hälfte flachte die Partie ab. Das Heimteam zeigte sich nur noch selten vor dem gegnerischen Tor, und so kamen die Gäste besser ins Spiel: Ohad Kadosi scheitert nach einer Stunde alleine vor dem gut reagierenden Luzern-Hüter David Zibung. Mit dem Ausgleich wären die harmlosen Lausanner aber gar fürstlich belohnt worden, obwohl es Luzern lange Zeit verpasst, vehement das zweite Tor zu suchen, was die Lausanner hoffen liess, durch einen beherzten Vorstoss oder eine Standardsituation doch einen Punkt aus der SwissporArena zu entführen. “In der zweiten Halbzeit haben wir unsere Dominanz verloren”, stellte auch Bernegger fest. So brauchte es schon einen Stellungsfehler vom Lausanner Aussenverteidiger Adriano De Pierro, der kurz vor Schluss im Duell mit Rangelov einen hohen Ball unterschätzte und dem auf einen Fehler lauernden Claudio Lustenberger ermöglichte, das erlösende 2:0 alleine vor dem machtlosen Fickentscher zu erzielen. “Wir sind froh, können wir die drei Punkte mitnehmen. Es war ein sehr harziges Spiel”, sagte der Torschütze.

Lausanne-Trainer Laurent Roussey zeigte sich vor allem von der ersten Halbzeit seines Teams enttäuscht. “Der einzige Fehler, den wir machen, führt gleich zum Tor. Das ist schade. Aber wir müssen, das Gute mitnehmen fürs nächste Spiel.” Auch der Lausanner Kapitän Guillaume Katz sah nicht nur Schlechtes im Spiel seines Teams, denn: “Viele Spieler bestritten heute den ersten Ernstkampf, da ist klar, dass noch nicht alles genau stimmt.” Lausanne kann also mit der Niederlage leben, und in Luzern ist der Fokus gleich nach dem Spiel sowieso ganz woanders als beim heutigen Sieg: Am Dienstag ist der Deutsche Spitzenklub und letztjährige Champions League Finalist Borussia Dortmund für ein Testspiel zu Gast in Luzern. Auf “eine grosse Herausforderung und ein Riesenspektakel” freut sich Claudio Lustenberger, und auch Michel Renggli sieht dieses Spiel als Chance, sich mit Stars zu messen. Dimitar Rangelov wird sicherlich speziell motiviert ins Spiel gegen seinen ehemaligen Klub gehen, und jetzt, wo er das Toreschiessen wieder entdeckt hat, versuchen, die Gelb-Schwarzen zu ärgern. Auch wenn es nur ein Freundschaftsspiel ist, werden am Dienstag sicher mehr Leute im Stadion sein als an diesem sonnigen Sonntagnachmittag. 9’424 waren es. Die Chancen stehen gut auf ein ausverkauftes Stadion, wenn ein Hauch von Champions League über der Allmend liegt. Der Fussballalltag ruft dann wieder früh genug – bereits am Samstag im Aarauer Brügglifeld.