Kultur | 11.07.2013

„Kommst du mit an den Strand?“

Raymond «Boots« Riley ist Teil der Hiphop-Gruppe «The Coup« aus Amerika. Die politischen Texte von Boots frischt die Band mit Funk und Soul auf. Seit seiner Jugend engagiert sich der aus Detroit stammende Rapper in anti-kapitalistischen Bewegungen. Im Interview spricht er über seine frühesten Erfahrungen in Organisationen und sein politisches Engagement.
Raymond "Boots" Riley ist ein funkiger Hiphopper der alten Schule. Sein grösstes Idol ist Prince.

Tink.ch: Liegt das musikalische Talent bei dir schon in der Familie?

Boots Riley: Gene haben nichts zu tun mit irgendeiner Form von Talent. Alles wird durch Arbeit gelernt. Aber du kannst natürlich Inspiration erhalten. Alles, was dich umgibt, ist Kultur. Meine Grossmutter mütterlicherseits war eine Dichterin, sie leitete eine Theatergruppe. Also habe ich sie gesehen und so kam ich mit künstlerischer Arbeit in Kontakt. So siehst du, was für Möglichkeiten du hast, wenn du von Menschen umgeben bist. Manchmal zeigen dir Eltern, was sie tun und inspirieren dich. In meinem Falle aber war ich inspiriert von Prince, mehr als alles andere.

 

Kannst du ein wenig über deine Band – The Coup – erzählen?

Wir sind eigentlich seit langem eine Live-Band. Früher war es aber relativ unüblich, an einem Hip-Hop-Konzert mit einer Band aufzutreten. Daher standen wir erst ab dem dritten Konzert richtig als Band auf der Bühne und nicht als einzelne Rapper. Aber im Studio und bei den Aufnahmen war eigentlich immer schon die ganze Gruppe vertreten. Die meisten meiner Bandmitglieder spielen seit mehr als zehn Jahren mit uns.

 

Was war deine erste politische Erfahrung?

Das erste Mal, als ich politisch aktiv wurde, war 14 Jahre alt. Ein Organisator fuhr mit einem Van voller vierzehnjähriger Mädchen an meiner Haustür vorbei und meinte: „Hey, wir gehen an den Strand, aber vorher gehen wir noch zu dieser Demonstration der Fabrikarbeiter, kommst du mit?“ Und ich fragte mich bloss, wollte ich in einen Van mit zehn Mädchen? – Ja, auf jeden Fall!

 

So wurdest du nebenbei aktiv?

Die Mädchen waren einfach radikaler als die Jungs. (lacht) Als ich dann fünfzehn wurde, engagierte ich mich bei Sommerprojekten, die Farmarbeitern helfen. Das waren mexikanische Arbeiter, die Hilfe brauchten. Das veränderte mein Leben. Danach sah ich die Welt mit anderen Augen. Plötzlich hat dein Leben einen Sinn. Klar, meine Eltern waren auch politisch aktiv, aber es war nicht so, dass sie mir ihre politischen Absichten aufgezwungen haben. Natürlich wusste ich, als ich der kommunistischen Organisation beitrat, dass mein Vater nicht wirklich sauer auf mich sein würde – Wenn du weisst, was ich meine (lacht).

Denkst du der politische Aktivismus hat sich in den letzten Jahren stark verändert?

Ich bin jetzt 42 Jahre alt. Als wir damals in den achtziger Jahren etwas organisiert haben, waren vielleicht acht oder zehn Leute dort. Ausser ein paar aus der Arbeiterpartei. Das war einfach langweilig. Ich konnte meine Freunde nicht überzeugen, bei etwas mitzumachen. Unsere politischen Aktionen waren einfach peinlich und nicht offen. Aber ich gehöre zur Generation, die dem politischen Aktivismus mehr Kunst und Kultur hinzugefügt hat. Wir haben dem Ganzen Hiphop-Musik beigemischt. Es ist ein Versuch, es anders zu gestalten, allem mehr Style zu geben.

 

Hat das etwas verändert?

Ich denke, das veränderte viel. Es hat sich auf jeden Fall im Vergleich zu heutigem politischen Aktivismus viel entwickelt. Das siehst du vor allem bei der Occupy-Bewegung in den Staaten. Da war eine in jeder einzelnen Stadt in den USA. In Oakland gab es einen Streik, in den 15-˜000 Leute involviert waren. Menschen, die vorher nie irgendwo beteiligt waren. Früher waren politische Organisationen viel zu sektiererisch. Heute sind wir offener und haben die Idee an eine grössere Masse Menschen übertragen.

 

Unterscheiden sich solche Bewegungen von denen in Europa?

Nun, die Menschen in den Staaten meinen, die Leute in Europa seien viel weiter als sie in den USA. Und wenn ich hier bin und zu Treffen gehe, dann höre ich von denen wiederum, wir in Amerika seien weiter. Das Gras ist immer viel grüner auf der anderen Seite.

 

Was ist deine nächste Idee?

Ich mache den Soundtrack für einen Film. Ausserdem habe ich zusätzlich auch eine Comedyshow im Fernsehen, die ich starte. Sie heisst «Show your ass«, die Pilotsendung ist produziert. Und dann werde ich an einem neuen Album arbeiten.

 

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