Kultur | 24.07.2013

Gurtenstart mit no cash und Volbeat

Text von Robin Mahler | Bilder von Charlotte Hoes
Der Start in die 30igste Ausgabe des Gurtenfestivals ist nur teilweise geglückt. Der im Vorfeld gross angekündigte cashless-Bändel funktionierte aufgrund eines Softwarefehlers nicht. So mussten einige Besucher mit der Gurtenbahn zurückfahren und an den Bancomaten Schlange stehen, um Bargeld zu beziehen. Am Freitag wurde dieser Fehler behoben und die Besucher konnten zwischen Barbezahlung und cashless wählen. Abgesehen von diesem Malheur und den obligaten Regenschauern gingen die ersten zwei Festivaltage gut über die Bühne.
Der Auftakt zum Gurtenfestival ist nur teilweise geglückt.
Bild: Charlotte Hoes

Die Belgische Rockband Triggerfinger punktete mit grosser Spielfreude auf der Zeltbühne. Die Zuschauer liessen sich von dieser Freude anstecken. Bekannt geworden ist die Band durch ein Cover des Songs “I Follow Rivers” von Lykke Li. Die Bandmitglieder sind alle ältere Semester, aber in punkto Energie übertrumpfen sie viele jüngere Acts und hätten sicherlich das Potential für die Hauptbühne.

Auf dieser grossen Bühne passierte anschliessend stimmungsmässig das genaue Gegenteil. Die Rock ‘n’ Roller vom Black Rebel Motorcycle Club schienen nicht motiviert und das Publikum stand gelangweilt in der Gegend herum. Genauso steif und lustlos wirkte auch die Performance des Trios. In diesem Falle hätte wohl die Zeltbühne gereicht.

 

Gelungener Headliner

Mehr Publikumsauflauf gab es dann bei dem Headliner Volbeat. Es war der erste Gurtenauftritt der Band, welche Stadien auf der ganzen Welt füllt. Nach dem Intro von Motörheads “Born to raise hell” ging es fulminant mit einem Gitarrensolo los. Die Band spielte ihren “Elvis Metal” (so genannt wegen der Elvis ähnlichen Frisur des Frontsängers) mit sichtlicher Freude. Mit dem Cover von Johnny Cashs “Ring of fire” wurden das erste Mal die Textkenntnisse des Publikums auf die Probe gestellt. Es folgte die Aufforderung zum Mitsingen beim Refrain von Queens “We will rock you”. Neben den eher poppigeren Liedern des neuen Albums wurden auch die Einflüsse der härteren Musik nicht ignoriert. “Do you like Metal?” fragte Frontmann und Gitarrist Mikael Poulsen in die Menge. Jeweils ein Song von Rammstein, Judas Priest und Slayer wurde kurz angespielt. Nach vier Zugaben beendete Volbeat den Donnerstag in angemessener Manier.

 

Freitag – Das harte Los

Um 15:45 Uhr spielte Bastille aus London ihren verträumten Synth-Pop. Dieser eignete sich für das gepflegte Ausruhen und nebenbei Lauschen.

Ab zum Auftritt der Schweizer Band Eluveitie auf der Zeltbühne. Für eine Band, welche internationale Erfolge feiert und in über 35 Ländern aufgetreten ist, hatte es überraschend wenig Zuhörer. Einige schienen nicht mal zu wissen, wer da gerade spielte. Die neben Volbeat musikalisch härteste Band des Abends passte ihr Liederwahl entsprechend an. Neben den härteren Stücken gab es auch akustisch dargebotene Songs. In der Mitte ihrer Liederauswahl wurde dann ein “Special Guest” auf die Bühne gebeten. Mitglieder der französischen Hip Hop Band Manau, welche 1998 mit dem keltisch angehauchten “La Tribu de Dana” einen weltweiten Hit landete. Zusammen wurde eine spezielle Version des Eluveitie Hits “Inis Mona” gespielt. Die Kombination war ungewöhnlich, aber dem Publikum gefiel es.

Als sich der Auftritt dem Ende zuneigte, leerte sich das Zelt..Viele machten sich für die Toten Hosen bereit. Ein schweres Los für jede Band, wenn sie vor oder nach einem solch grossen Namen spielen muss. Eluveitie liessen sich die Freude aber nicht nehmen und spielte zunehmend härter und schafften es sogar, das Publikum zu einem Circle-Pit (Menschen tanzen in einer vorgegebenen Richtung im Kreis) zu animieren.

 

Masseneuphorie bei den Hosen

Bei den Toten Hosen war es dann von vorne bis hinten brechend voll. Als die Band mit “Ballast der Republik” in ihr Konzert einstieg, gab es kein Halten mehr. Campino und seine Mitstreiter hatten ein leichtes Spiel mit der Masse. Ein Zuschauer wurde auf die Bühne geholt. Er durfte einen ganzen Song singen und schaffte dies auch tatsächlich. Begleitet wurde das Konzert mit einer grossen Leinwand- und Bühnenshow. Campino mischte sich mit einer Kamera ins Publikum. Die Interaktion mit den Fans war ein weiteres Festivalhighlight.

Die Hosen spielten ganze 15 Minuten länger als geplant und beendeten ihr Konzert um 23:45 Uhr. Mittlerweile löste sich die Menge langsam auf und der Weg zur Waldbühne öffnete sich. Dort spielte im Anschluss vor einer kleinen Menge die Band Slag In Cullet. Ihr Alternative-Rock klingt live noch eine Spur härter. Ein neues, selbstfinanziertes Album soll übrigens noch in diesem Jahr erscheinen. Ein Grossteil der Besucher verpasste auf jeden Fall ein tolles Konzert. Die Band gab sich grosse Mühe, hatte einen gelungen Musikmix und gut gespielte Songs. Man könnte dieses auch als eine Art intimen Club-Gig im Freien bezeichnen.

Damit war die Hälfte der 30-jährigen Jubiläumsausgabe des Gurtenfestivals bereits Geschichte.