Sport | 18.07.2013

Frauenfussball hierzulande – wo stockt es?

Text von Tanja Bänziger | Bilder von Pascale Amez
In der Schweiz spielen zurzeit 280'000 lizenzierte Fussballer. Davon sind gerade mal rund 22'000 Frauen oder Mädchen. Das ist keine schlechte Zahl. Doch im Vergleich zum Ausland steht die Schweiz nicht sehr gut da. In vielen Ländern, z.B. in den USA oder auch in Deutschland, ist Frauenfussball deutlich beliebter als hierzulande. Eine Suche nach Gründen.
Von wegen "Frauen können nicht Fussballspielen" - hier Spieltechnik auf hohem Niveau.
Bild: Pascale Amez

“Frauen können nicht Fussball spielen!”, oder “Frauen, die Fussball spielen, sind halbe Männer!” Solche Kommentare hört man im Volksmund immer wieder, nicht nur von Männern, sondern oft auch von Frauen selbst. Möglicherweise sind diese Vorurteile ein  Grund, wieso in der Schweiz Mädchen und Frauen nicht öfter auf die Idee kommen, Fussball zu spielen.

 

“Fussball ist für Mädchen nicht so sexy, wegen den harten Zweikämpfen”, meint Hans Aemisegger, Präsident des Aargauischen Fussballverbands (AFV), dazu. Er findet das schade. Auch die Sekretärin des AFV, Nina Ellingsen, ist dieser Meinung. “Es sollte selbstverständlich sein, dass man als Mädchen Fussball spielt, wie es bei den Jungen der Fall ist”, fügt sie hinzu. Doch in der Realität sieht es oftmals anders aus. Die Mädchen oder Frauen müssen sich eher rechtfertigen, wenn sie Fussball spielen, und werden nicht selten misstrauisch beäugt.

 

Natürlich gibt es aber auch viele Männer und Frauen, die sich freuen, wenn Frauen Fussball spielen. “Ich bekomme mehr positive als negative Reaktionen, wenn ich erzähle, dass ich Fussball spiele”, sagt beispielsweise Rahel Nydegger, die seit 21 Jahren Fussball spielt, aktuell beim SV Safnern. “Es ist aber immer noch in den Köpfen verankert, dass man als Mädchen eher Ballett macht, als Fussball spielt. Fussball gehört noch immer eher in die Männerwelt.”

 

Ruf nach mehr finanzieller Unterstützung

 

Je bekannter Frauenfussball in der Schweiz wird, desto schneller verschwinden gesellschaftliche Vorurteile. Deshalb will der Verband neue Spielerinnen fördern. Wie, weiss Hans Aemisegger: “Man muss die Mädchen zum Spass motivieren, nicht streng zu ihnen sein.” So würden sie den Sport viel lieber ausüben. Je mehr Mädchen Fussball spielen, desto mehr Juniorinnenligen entstehen. Das werde vom Verband stark gefördert.

 

Deniz Bektesevic, Trainer der 1. Frauenmannschaft des FC Luzern Frauen, hat seine Meinung dazu; “Der Verband investiert nicht genug in den Frauenfussball”, meint er. Den Frauen stünden deshalb zu wenige finanzielle Mittel zur Verfügung. Er fände es eine gute Investition, wenn der Verband den Frauenmannschaften unter die Arme greifen würde. Auch Nina Ellingsen ist der Meinung, man sollte mehr Geld in den Frauenfussball investieren. So wie das System im Moment laufe, gingen viele gute Spielerinnen ins Ausland, weil sie dort bessere Möglichkeiten hätten. Ausserdem würden viele Vereine mit Mannschaften in hohen Ligen lieber gute Spieler aus dem Ausland holen, anstatt in die eigene Juniorinnenabteilung zu investieren. “Momentan kommen nur die besten Mädchen weiter”, so Ellingsen. Sie hofft, dass die talentierten Mädchen es einfacher haben werden, sich weiterzuentwickeln, wenn sie besser gefördert werden.

 

Ellingsen und auch Sabrina Allemann, Sekretärin des Fussballverbands Bern/Jura, finden es wichtig, dass in der Schule mehr Mädchen dazu motiviert werden, Fussball zu spielen. Auch Aemisegger findet den Weg über die Schule am effizientesten.

 

Medieninteresse ist gering

 

In den Medien wird nur selten etwas über Frauenfussball berichtet. Auch vom Spitzenfussball der Frauen hört man nur selten, bestenfalls wenn eine Welt- oder Europameisterschaft stattfindet. Die Schweizer Fussballnationalmannschaft der Frauen konnte sich aber noch nie für eine Endrunde qualifizieren. Nydegger hat eine Idee, wieso in der Schweiz Frauenfussball noch nicht so erfolgreich ist wie z. B. in Deutschland oder in den USA: “Die Schweizer sind vielleicht eher ein wenig verklemmt.” Deshalb sei es schwierig, alte Einstellungen gegenüber Frauenfussball zu ändern.

 

Trotz der noch fehlenden Teilnahme an einem Grossereignis wäre es für den Sport wichtig, viel mehr Medienpräsenz zu haben. Beispielsweise indem man über aktuelle Geschehnisse in den Schweizer Ligen der Frauen berichtet. Das würde die Popularität von Frauenfussball um ein Vielfaches steigern. “Es wäre wichtig, dass man auch mal die Spiele der höchsten Frauenligen auf allgemeinen Radio- oder Fernsehsendern bringen würde”, so Nydegger: “Wenn man das durchziehen würde, erreichte man mit der Zeit die Leute und deren Interesse.”

 

Frauenfussball steht jedoch deutlich besser da als noch vor zehn Jahren. Thomas Sahli, Trainer der 1. Frauenmannschaft des FC Spiez sagt dazu: “Wenn ich damals ein Mädchen fragte, ob sie gerne bei uns Fussball spielen würde, bekam ich oft die Antwort, ihr Vater sei wohl dagegen. Heute ist das deutlich anders. Es wird akzeptiert, dass auch Frauen Fussball spielen.”

 

Vergleiche zwischen Männer und Frauen sind schwierig

 

Sahli findet, dass Frauenfussball völlig falsch angeschaut werde. So schreibt er in einem Bulletin des FC Spiez: “Der grösste Fehler, den “man” bei der Betrachtung des Frauenfussballs machen kann, ist, die Frauen mit den Männern zu vergleichen! Immer wieder Parallelen zu ziehen, statt die Entwicklung des Frauenfussballs zu sehen und diesen zu respektieren und zu geniessen.”

Aber es kann nicht erwartet werden, dass jeder, der sich mit Frauenfussball befasst oder ein Spiel schaut, nicht automatisch Vergleiche mit Männerfussball anstellt. Schliesslich ist es dieselbe Sportart.

 

Vielleicht ist das ja gerade das Problem. Vergleicht man Frauenfussball mit Männerfussball, so gibt es einige Unterschiede. Ellingsen und Allemann sind sich einig, dass Frauen in der Spieltechnik auf demselben Niveau sind wie die Männer. Laut Nina Ellingsen ist der grösste Unterschied das Tempo, Allemann findet, es liege an der Kraft. Diese Unterschiede führten dazu, dass ein Match von Männerteams generell lieber geschaut wird, als einer von Frauen.

 

Vielleicht ändert sich das noch. Obwohl in den letzten paar Jahren die Begeisterung für den Frauenfussball wieder ein bisschen abflaute, gibt es einen deutlichen Trend nach oben. Wenn es klappt, dass Mädchen wieder vermehrt motiviert sind, Fussball zu spielen, werden sie auf lange Sicht auf einem besseren Niveau spielen, was zu mehr Interesse und Bekanntheit führt, und vielleicht, in der fernen Zukunft, zu einem Schweizer WM-Titel.