Kultur | 19.07.2013

Bitte bleibt zusammen

Text von Jessica Hefti | Bilder von Jessica Hefti
Bloc Party lockten trotz Sommerwetter Tanzwütige in die Halle. Die Engländer bewiesen warum sie auch nach zehn Jahren noch ihren Platz auf der Bühne verdienen - und nicht in der Originalbesetzung sein müssen, um das Haus zu rocken.
Die netten Jungs von nebenan: Bloc Party on stage.
Bild: Jessica Hefti

Alles was drinnen stattfindet, hat es nicht einfach, wenn es dann mal endlich Sommer ist in der Schweiz. So auch das Konzert von Bloc Party im Komplex 457. Die Liebhaber von Live-Konzerten schienen ihr Budget schon in Open Airs investiert zu haben. Denn trotz des guten Rufs der Indie-Rockband aus London war die Show nicht ausverkauft. So standen an diesem Abend die wahren Fans für kühles Bier an der Outdoor-Bar an und waren sich später nicht zu schade, sich auch bei einem klassischen Sommerabend in die dunkle Konzertbude zu stürzen.

 

Noch blieb Zeit, denn drinnen spielte die Zürcher Band Twilight Empire. Eine Band, bei der man an einem Open Air erst sein Zelt aufstellen gehen würde. Die Klanglandschaften unterhalten dabei ganz passabel, aber die Stimme von Frontmann Basil Ermatinger würde beim Einschlagen von Heringen, gleichermassen untergehen, wie wenn man direkt vor der Bühne stehen würde. Aber wie gesagt, draussen wurde fröhlich Bier gezapft und die Abendsonne genossen.

 

Als der Hauptact des Abends die Bühne betrat, war aber auch der Letzte im Saal und die Stimmung von Null an gleich am brodeln. Da wurde gehüpft, geschrien und geklatscht als die Show mit “So Here We Are” vom Debutalbum “Silent Alarm” eröffnet wurde. Die Band umgeben schon länger Trennungsgerüchte. Ende Juli ist eine Pause angesagt oder vielleicht auch das Ende. Der Schlagzeuger Matt Tong hat die Band bereits verlassen oder sich eben früher in die Pause verabschiedet. Für würdigen Ersatz sorgte an diesem Abend Sarah Jones, die unter anderem für Hot Chip auf Trommeln und Becken haut. Das zierliche Mädchen in Jeansshorts und Strümpfen stand der Band gut und gab mächtig den Takt an.

 

Auch Leadsänger Kele Okereke war in gewohnt guter Form. Lässig kaute er auf einem Kaugummi und kündigte an: “The next song is my favourite one.” Es war “Team A” ein Song von der neusten Platte, der Bloc Partys Rocker-Qualitäten demonstrierte und Hüpftiraden im Publikum auslöste. Immer wieder juckten Finger in die Lasershow rein und reflektierten das Licht auf die pulsierende Menge. Zu Begeisterungsstürmen kam es auch beim Elektro-Überhit “One more chance”. Doch die musikalische Überelektronisierung und weg vom Post Punk Revival, der ihnen vor zehn Jahren zum Durchbruch verhalf, war das, was der Band in den letzten Jahren die Popularität nahm und sie immer wieder ins Kreuzfeuer der Kritik brachte. So zeigten Bloc Party in Zürich alle Variationen ihres Könnens. Das Showcase war ein guter Mix von alten Songs wie dem punkig-treibenden “Helicopter”, Stücken aus der Zwischenphase wie das synthielastige “Ares” und dem aktuell wieder erdigeren Rock, zum Beispiel in “Real Talk”. Zwei Zugabe-Runden hielt die Begeisterung noch aus, dann verabschiedeten sich die Engländer von der Bühne. Man darf hoffen, nicht für immer.

Links