Gesellschaft | 19.06.2013

Zehntausende Kinder indirekt betroffen

Text von Anna Riva | Bilder von zvg
In der Schweiz ist für mehrere zehntausend Jugendliche der Kontakt zum Alkohol passiver Natur: Nicht sie, sondern ihre Eltern werden vom Kater am Tag danach heimgesucht. Das Projekt "Mama trinkt - Papa trinkt" von Sucht Schweiz setzt sich für das Wohlergehen von Kindern und Jugendlichen zwischen acht und zwanzig Jahren ein, die in ihren Familien mit solchen Problemen konfrontiert sind.
Kinder und Jugendliche, die in der Alkoholsucht ihrer Eltern nicht mehr weiterwissen finden mit dem Projekt "Mama trinkt - Papa trinkt" Hilfe. Fragen über Fragen: Gemäss Irene Abderhalden von Sucht Schweiz fühlen sich Kinder oft mitschuldig.
Bild: zvg

Laut der schweizerischen Stiftung Sucht Schweiz ist in unserem Land mit mehreren zehntausenden von Kindern und Jugendlichen zu rechnen, die mindestens einen alkoholabhängigen Elternteil haben. In diesen Fällen kann der Alkohol nicht nur das Leben des oder der Betroffenen, sondern auch ganze Familien zerstören.

 

Anonyme Informationsplattform

Mit dem Projekt “Mama trinkt – Papa trinkt” bricht Sucht Schweiz seit 2011 die Isolation, in der Kinder und Jugendliche mit einem alkoholisierten Elternteil leben. Die Webseite des Projekts ist in zwei Kategorien geteilt. Eine für Kinder von acht bis zwölf und die andere für Jugendliche von dreizehn bis zwanzig Jahren. Sie soll als nationale Austauschplattform für Fragen, Diskussionen und Ratschläge rund um den Alkohol, seine Wirkungen und die besten Verhaltensweisen konzipiert, die Angehörige – besonders Kinder – annehmen können. Täglich wird sie von acht Uhr morgens bis neun Uhr abends von Präventionsfachleuten der schweizerischen Suchtabteilung kontrolliert und moderiert. In diesem Forum können sich Kinder und Jugendliche anonym über ihre Erfahrungen austauschen und bekommen professionelle Ratschläge von den Fachpersonen.

 

Möglichst viele Betroffene erreichen

Die Seite ist einfach gestaltet, Informationen und nützliche Adressen von Prävention- und Suchtinstitutionen (Blaues Kreuz, psychiatrische Dineste, Erziehung- und Beratungszentren), nach Kantonen aufgeteilt, sind schnell zu finden. Seit der Lancierung wurde die Seite laut Jahresbericht 2012 von Sucht Schweiz 13’000 mal besucht. Das Angebot ist sowohl auf Deutsch als auch auf Französisch verfügbar. Wie Irene Abderhalden, Leiterin der Präventionsabteilung von Sucht Schweiz sagt, ist das Ziel des Projektes möglichst viele Kinder und Jugendliche zu erreichen. Damit soll der Zugang zu weitergehenden kantonalen Hilfsangeboten erleichtert werden.

 

“Kinder fühlen sich mitschuldig”

“Die Kinder, die sich am Forum ‘Mama trinkt – Papa trinkt’ beteiligen, beschäftigt in erster Linie, wie sie ihren Eltern helfen können”, erklärt Frau Abderhalden. “Sie wünschen sich nichts mehr, als dass zu Hause wieder Normalität einkehrt. Häufig wollen sie auch verstehen, warum Mama oder Papa sich anders verhalten und was das mit ihnen zu tun hat. Sehr viele Kinder fühlen sich schuldig oder mitschuldig für die Probleme des alkoholabhängigen Elternteils”, so Abderhalden.

Links