Gesellschaft | 05.06.2013

Prochain arrêt Fribourg

Text von Petra Passeraub | Bilder von Petra Passeraub
Da es im Wallis keine Universität gibt, sind die Walliser Studenten in der ganzen Schweiz verstreut. Unsere Reporterin ist in Fribourg gelandet - und es gefällt ihr.
In Freiburg sind die kalten Jahreszeiten lang und dunkel ... ... dafür begeistern das Nachtleben und die Grillabende an der Saane.
Bild: Petra Passeraub

Für jeden Maturanden und jede Maturandin aus dem Wallis stellt sich im April die Frage, in welche Stadt das Studium einen führen wird. Ich aber konnte mich sehr schnell entscheiden. Für Fribourg.

 

Doch wieso gerade Fribourg? Wer mit dem Zug nach Freiburg reist, merkt schon bei der Einfahrt in den Bahnhof, dass Fribourg eine zweisprachige Stadt ist. Nach langem Hin und Her sind auch hier – wie in allen anderen zweisprachigen Städten in der Schweiz – die Ortstafeln in beiden Sprachen angeschrieben worden. Doch wer denkt, dass jeder Einkauf problemlos auf Deutsch erledigt werden kann, der täuscht sich. Nur jeder dritte Einwohner Fribourgs spricht deutsch. Bei einem Einkauf in Deutsch stösst man deshalb rasch an sprachliche Grenzen.

 

„Est-ce que vous avez… Comment on dit?“

Mit den Französischkenntnissen, die man sich während seiner Schulzeit  angeeignet hat, kann man nach grundsätzlichen Dingen wie etwa Milch oder Joghurt fragen. So zumindest geht es mir. Die Suche nach Druckerpatronen gestaltet sich da schon schwieriger. Die Patronen lassen sich einfach nicht finden und daher überwinde ich mich eine Mitarbeiterin zu fragen. „Est-ce que vous avez des… ähm.. des comment on dit?… Je cherche des choses pour imprimer.“ Ein ratloser Blick seitens der Verkäuferin war die Folge. Sie überlegt kurz und geht in Gedanken wahrscheinlich alles durch, was mit drucken zu tun hat. Dann aber führt sie mich in die Abteilung für Blätter, Tinten und sonstige Dinge für Drucker. Geschafft!

 

Feiern am Montag

Um die mangelnden Französischkenntnisse aufzubessern, gibt es eine gute Möglichkeit. Das Nachtleben von Fribourg. Spricht man da jemanden an, lautet die Frage nicht „Studierst du hier in Fribourg?“ sondern „Was studierst du?“. Dies zeigt, dass Fribourg die Studentenstadt schlechthin ist. Gut jede dritte Person, die man in Fribourg’s Strassen oder Clubs antrifft studiert in der Saane-Stadt. Jede Studienrichtung ist im Nachtleben durch etliche Vertreter vor allem am Montag ab 22 Uhr bestens vertreten. Denn dann heisst es: Crazy Monday – Studierendenabend. Nach dem Vorglühen in einer Wohngemeinschaft beginnt der Abend um 22 Uhr im Café du XX. Hier treffen sich Studierende auch gerne an anderen Tagen der Woche, da das Café nicht sehr teuer und gemütlich ist. Über das Irish Pub, das man um 24 Uhr aufsucht, führt dann der Weg schlussendlich ins Rock Café, wo sich gut bis in den frühen Morgen feiern lässt.

 

Dunkle Jahreszeiten

Neben neuen Bekanntschaften mit Mitstudierenden lernt man auch das Wetter in Fribourg kennen. Herbst und Winter gestalten sich in Fribourg sehr neblig. Während im Wallis die Sonne auch in dieser eher düsteren Zeit vom Himmel scheint, ist in Fribourg jede Strasse und jedes Gässchen in Nebel getaucht. Wenn sich dann aber der Frühling langsam ankündigt, verdrängt auch in Fribourg die Sonne den letzten Nebel. Da ist es schön an der Saane zu grillieren oder in einem der vielen Parks in Fribourg gemütlich zu sitzen und ein Eis zu geniessen.

 

Richtig warm ums Herz wird in Fribourg wohl jedem Walliser oder jeder Walliserin einmal. Sei es, wenn man in den Wallisertreffs wieder für ein paar Stunden nur den eigenen Dialekt hört und kein Wort weiter erklären muss. Oder wenn die Sonne den ganzen Tag vom Himmel scheint und die Sonnenbrille das wichtigste Accessoire wird. Alles in allem, freue ich mich jede Woche aufs Neue, wenn ich wieder in den Zug einsteige und es heisst: „Prochain arrêt Fribourg“.