Kultur | 21.06.2013

Ode an die Menschlichkeit

Text von Linda Bergauer | Bilder von zvg
Der mit dem "Prix de Soleure 2013" ausgezeichnete Dokumentarfilm "Der Imker" des Regisseurs Mano Khalil zeichnet das Portrait eines friedlichen Kämpfers, eines vom Schicksal gebeutelten Kurden, Ibrahim Gezer, der trotz aller Rückschläge unbeirrbar an seiner optimistischen Haltung und seinem liebevollen Blick auf den Menschen festhält. Der Film ist seit Kurzem in den Schweizer Kinos zu sehen.
Der Protagonist Ibrahim Gezer erlebte viele schwere Momente in seinem Leben. Trotzdem kennt er keine Verbitterung.
Bild: zvg

Ibrahim Gezer hatte einen schwierigen Start ins Leben. Sein Vater verstirbt, als er vier Jahre alt ist. In Obhut seiner Grosseltern lernt Gezer die Liebe zu den Bienen kennen, denn der Grossvater erwirbt im Tausch gegen ein Schaf zwei Bienenvölker für seinen Enkel. Aus dem Geschenk erwächst Gezers späteres Ansehen in der Gesellschaft und mit gesamthaft 500 Bienenvölkern auch sein Wohlstand. Als leidenschaftlicher Bienenzüchter, der erste in seiner Gegend, gelingt es ihm, seine Frau und seine elf Kinder in den Bergen der türkischen Region Kurdistans zu unterhalten und ein glückliches Leben zu führen.

 

Odysee in die Ferne

Die Idylle des Familienlebens in den kurdischen Bergen wird durch den eskalierenden türkisch-kurdischen Konflikt jedoch getrübt. Die Tochter Ibrahim Gezers, Elifa, begeistert sich für die Ideale der PKK und den Traum der kurdischen Autonomie. Mit ihrem Beitritt zur Rebellengruppe und ihrer darauffolgenden Ermordung durch die türkische Armee folgt eine Zeit von grosser Repression für die Familie Gezer. Die Familie bricht auseinander: Während Ibrahim verhaftet und gefoltert wird und anschliessend für sieben Jahre untertaucht, sterben weitere seiner Kinder im Konflikt. Seine Frau nimmt sich im Angesicht der Hoffnungslosigkeit das Leben. Mit 55 Jahren folgt Ibrahim Gezer anschliessend zweier seiner Söhne nach Europa und erhält Asyl in der Schweiz.

 

Entwurzelt und mit einer traumatischen Vergangenheit im Gepäck, versucht der einst hoch angesehene Honigproduzent in der Schweiz Fuss zu fassen, sieht sich jedoch vorerst mit den bürokratischen Hürden des Sozialsystems konfrontiert. Imkerei sei kein Beruf, wird dem leidenschaftlichen Bienenzüchter mitgeteilt. Mit viel Ausdauer, Wärme und trotz aller Widrigkeiten mit einem optimistischen Blick in die Zukunft, gelingt es dem Kurden in der Schweiz Freundschaften zu schliessen und letzten Endes auch von der Arbeit am Fliessband zurück zu seinen geliebten Bienen zu kehren.

 

Eine Geschichte, die das Herz erwärmt

Der Drehbuchautor, Kameramann und Regisseur Mano Khalil, welcher selbst kurdischer Abstammung und einstiger Flüchtling ist, hat mit seinem Werk “Der Imker” ein starkes Zeichen für die Menschlichkeit gesetzt. Mit seiner Kamera hält er Landschaftsbilder von eindrücklicher Schönheit fest, die musikalische Untermalung von Komponist Mario Batkovic hätte passender nicht gewählt werden können und sein Protagonist, Ibrahim Gezer, verkörpert Poesie pur. Obwohl Ibrahim Gezers deutsche Sätze gebrochen sind, weiss er den Zuschauenden mit seinen Aussagen zu berühren. “Der Imker” ist ein Plädoyer an den Humanismus und wurde zu Recht mit dem “Prix de Soleure 2013” ausgezeichnet.