Kultur | 08.06.2013

Mit Soul und Funk den Kessel zum Kochen gebracht

Text von David Schneider | Bilder von Moritz Weibel
800 Besucherinnen und Besucher können nicht irren: Der Bieler Cyril Käppeli, alias DJ Cee-Roo, schloss seine Konzertreihe mit dem Titel "The Flashback" gebührend vor ausverkauften Rängen im heimischen Gaskessel ab. Trotz Gedränge wurde eifrig gefeiert.
Cee-Roo wird unterstützt von DJ Vinyl Touch, zuständig für die Turntables, und der Visualjockey Simsek. Der Gaskessel in Biel war mit 800 Besucherinnen und Besuchern ausverkauft.
Bild: Moritz Weibel

Das Sprichwort “Was lange währt, wird endlich gut” trifft auf das Abschlusskonzert des Bieler DJ Cee-Roo nur bedingt zu. Freude herrschte, als am 17. Mai der Musiker nach mehr als zwei Jahren voller Auftritte mit seinem aktuellen Set sein letztes Konzert vor einer geplanten Schaffenspause zu Hause in Biel abhielt. Doch sein Programm war schon längstens mehr als gut. Er war damit nicht nur im Inland erfolgreich, sondern kann mittlerweile auf eine treue Fangemeinschaft in Frankreich zählen und spielte auch in anderen europäischen Ländern erfolgreiche Konzerte. Doch das Heimpublikum in der Uhrenstadt sollte nicht zu kurz kommen. Deshalb das Wiedersehen im Bieler Gaskessel.

 

Volles Haus

Obwohl der Bieler Gaskessel, liebevoll auch “Chessu” genannt, jeweils um 22 Uhr seine Türen öffnet, hatte man als Besucherin oder Besucher auch um 24 Uhr noch die Möglichkeit, sich für nicht mehr als 15 Franken einen Eintritt zu ergattern. Und obwohl das Konzert von Cee-Roo bereits im Voraus über Facebook kommuniziert wurde, war der Anlass erst kurz vor Beginn ausverkauft. Soll heissen: Nach 24 Uhr hiess es “Laden voll” und 800 Besucherinnen und Besucher, hauptsächlich Jugendliche aus Biel, warteten gespannt auf ihren Lokalhelden. Dieser liess nicht mehr lange auf sich warten: Um halb Eins stürmten Cee-Roo und seine zwei Weggefährten DJ Vinyl Touch, zuständig für die Turntables, und der Visualjockey Simsek die Bühne.

 

Und diese hatte es in sich: Jeder der drei Akteure stand auf seinem eigenen Podest. In der Mitte schwebte eine übergrosse, sich drehende Schallplatte, die umrahmt war von schlaufenähnlichen Bannern. Als würden diese Schlaufen ein Geschenk freilegen, erschien mit Beginn des ersten Tracks auf der Fläche der Schallplatte ein altes Schwarz-Weiss-Video. Duke Ellington war da zu lesen, dessen Soul-Lieder die Grundlage für den eröffnenden Remix bildeten, der munter durch die Boxen dröhnte. Visualjockey Simsek unterlegte den Klang mit den passenden Clips, welche den Musiker hinter dem Song zeigten.

 

 

Das Tanzbein schwingen

Nun gab es kein Halten mehr. Cee-Roo, dessen Markenzeichen – die Kappe und die Sonnenbrille – auch dieses Mal nicht fehlen durften, heizte das Publikum an. Als er die Hände in die Höhe riss, jubelten die Leute auf, sie waren bereit für noch mehr Klassiker in neuem Kleid. Es folgten Remixes von Künstlern wie Otis Redding, den Jackson Five und auch von Musikern näherer Vergangenheit, wie zum Beispiel Aloe Blacc. Egal aus welcher Epoche die Originale stammten, der Bieler DJ hauchte jedem Stück Frische und Lebensmut ein, der sich sogleich auf die Zuschauer übertrug. Passend zu jedem Song erschienen die Videoaufnahmen der Originallieder, alle im Takt der Musik gehalten und als Gag mit Auftritten von Cee-Roo aufgepeppt. Die Clips verschmolzen wie die Lieder in flüssigen Übergängen, es kam so gut wie nie zu einer Lücke und den Tanzenden wurde keine Verschnaufpause gegönnt. Es schien aber, als benötigten die Leute trotz dem Platzmangel – bei 800 Besuchern wird es im Gaskessel eng – weder eine Pause noch Freiraum. Selbst einige Jugendliche, die sich auf dem Balkon stationiert hatten, fanden sich der guten Stimmung wegen nach einiger Zeit ebenfalls unter der tanzwütigen Meute.

 

Soul, Funk und Rock’n’Roll

Es blieb nicht nur bei Remixen bekannter Soul- und Funkmusiker, auch die Sparten Rock und Hip Hop hatten ihren Platz. Cee-Roo überraschte mit einer mitreissenden und überraschend frischen Version von “Symphaty for the Devil” der Rolling Stones. Mick Jaggers raue Stimme drang direkt in die Gehörgänge und lies die Glanzzeiten der Rockgiganten aufleben. Direkt darauf folgte Ray Charles Klassiker “Hit the Road Jack”, den die Fans mit Applaus und Singsang goutieren. Auch wenn einige Verschnitte von Rocknummern wie “Purple Haze” von Jim Hendrix oder The Doors “Light my Fire” nicht Begeisterungsstürme auslösten, waren auch diese Teil der einstündigen Show.

 

Doch Cee-Roos Vorliebe für den alten Soul überwog. Zum Glück, möchte man sagen. Denn auf einmal dröhnte die wuchtige Stimme von Ella Fitzgerald durch den Raum. Der sirenenartige Aufschrei ihres “Sunshine of your Love” holte die 800 Anwesenden zurück ins Geschehen. So kam nach dem Durchhänger wieder Bewegung ins Spiel. Nach einer umjubelten Version von Madcons “Beggin” erschien abermals Michael Jackson auf der Leinwand und läutete das Ende der Show ein. Noch einmal stürmte der 24-jährige Cee-Roo die Ränge und verteilte Handclaps, tänzelte umher. Sein Turntable-DJ und der Visualjockey taten es ihm gleich und so verliessen sie zu Dritt unter heftigem Applaus die Bühne. In dicken, klassisch gehaltenen Lettern stand zum Abschluss “The End” auf der Leinwand. Und auch wenn die Show rund um Cee-Roos Album “The Flashback” so ihr Ende gefunden hatte, wird es wohl nicht lange dauern, bis der quirlige Mixmeister mit Kappe und Brille mit frischem Material wieder von sich hören lässt.