Gesellschaft | 02.06.2013

Im Gespräch über die “Normabweichung”

Text von Anna Riva | Bilder von Simon Keller/zvg
Tink.ch hat Roman Heggli, Mitglied des Vorstands von "Anyway" getroffen und ihn nach Entstehungsgeschichte, Zielen und Hits der Jugendgruppe für die falschsexuelle Jugend gefragt.
Freundschaften schliessen soll bei "Anyway" ganz einfach sein. Roman Heggli holt Schüchterne, die sich für "Anyway" interessieren auch mal an der Tramhaltestelle ab.
Bild: Simon Keller/zvg

Tink.ch: Du bist Mitglied des Vorstands von “Anyway”. Wie seid ihr auf die Idee gekommen, die Gruppe zu gründen?

Roman Heggli: In den 1990er Jahren gab es verschiedene Jugendgruppen, die in der ganzen Schweiz und speziell in Basel, Zürich, Bern, und im Aargau aktiv waren. Vor ungefähr zehn Jahren wurden diese Angebote immer weniger genutzt, da die Kontakte auch über das Internet geschlossen werden konnten. Es hat sich jedoch in den letzten Jahren gezeigt, dass viele Jugendliche wieder das Bedürfnis haben, andere sogenannte Falschsexuelle real und nicht nur virtuell über das Internet kennenzulernen. “Anyway” ist aus diesem Bedürfnis entstanden.

 

Warum sollte man “Anyway” besuchen?

Um neue, nette Leute ungezwungen kennenzulernen, ohne das Gefühl zu haben, es gehe jetzt um ein Date. Jeder und jede hat die Möglichkeit, frei und spontan über jegliches Thema zu reden, sei es nun homospezifisch oder nicht. Wir wollen die Teilnehmenden in ihrer Persönlichkeit stärken, sie verstehen lassen, dass sie richtig sind, so wie sie sind.

 

Was sind die Höhepunkte in dieser Tätigkeit?

Wir beschäftigen uns viel mit Prävention, indem wir die Jugendlichen in ihrer Persönlichkeit stärken. Teilweise laden wir Gäste der AIDS-Hilfe ein, die über Gefahren und Risiken von sexuell übertragbaren Krankheiten referieren. Oder wir haben andere interessante Gäste wie Stella, eine Transfrau, die über ihr Leben, ihre Ehe und ihre Kinder erzählt hat.

 

Seid ihr mit der Anzahl an Teilnehmenden zufrieden?

Ja, sehr. Die Kampagne im November 2012, mit den Werbeplakaten in den Basler Trams über “Anyway” waren ein Riesenerfolg. Wir haben ständig neue Leute, die über das Projekt mehr erfahren möchten. Viele kommen einige Monate regelmässig, dann eher sporadisch, weil sie die neu geschlossenen Freundschaften ausserhalb unserer Treffen pflegen. Für uns Leiter ist dieser Wechsel toll, weil wir immer wieder andere Themen und Schwerpunkte setzen und diese mit neuen Jugendlichen diskutieren können.

 

Und wenn sich jemand nicht traut, zum ersten Mal alleine zu kommen?

Das ist kein Problem. In diesem Fall holen wir die Person an der Tramhaltestelle ab. Und wenn eine Teilnehmerin oder ein Teilnehmer noch persönlichere Fragen hat, bieten wir die Möglichkeit eines persönlichen Gesprächs an.