Kultur | 13.06.2013

“Ich glaube nicht an die CD”

Tink.ch traf am Greenfield-Festival die holländische Symphonic-Metal-Band Within Temptation. Sharon den Adel, die Frontsängerin, und Robert Westerholt, ihr Ehemann und Gitarrist der Band, gaben Juliette Ivanez und Eva Hirschi Auskunft zu ihrer langen Erfahrung, dem Wandel der Musikindustrie und was sie vom Medium Radio halten.
Sharon den Adel (l.) und Robert Westerholt (r.) sehen eine neue Ära auf die Musikbranche zukommen.
Bild: Eva Hirschi

Tink.ch: Ihr blickt auf eine lange Karriere zurück. Gibt es spezielle Erlebnisse, die euch besonders geprägt haben?

Robert: Einmal waren wir am Hurricane-Festival in Deutschland und tatsächlich: es kam ein Hurrikan!

Sharon: Ja, die Staff sagte uns, wir sollten die Bühne in zehn Minuten verlassen, ein Sturm käme auf. Wir schauten sie ungläubig an, denn es war wunderschönes Wetter und blauer Himmel. Wir sagten den Fans, sie sollten das Gelände verlassen und gingen backstage

Robert: und ein paar Minuten später war das ganze Festivalgelände ein einziger See!

Sharon: Es gibt aber auch schöne Erinnerungen, zum Beispiel als wir vor ein paar Jahren an einem Festival auf unser Idol, Peter Steele, trafen. Oder auch die Begegnung mit Keith Caputo, einem Musiker, den wir als Kinder verehrt hatten. Später konnten wir zusammen sogar ein Duett aufnehmen.

 

Ihr seid seit langer Zeit in der Musikindustrie tätig. Konntet ihr mit der Ankunft des Internets und vor allem mit Youtube eine Veränderung wahrnehmen?

Robert: Klar, die Art, wie man heute Musik hört, hat sich komplett verändert. Man ist auf Youtube, auf Spotify und ich denke, es ist eine tolle Veränderung. Es geht in eine bessere Richtung. Früher haben die Leute illegal Musik heruntergeladen. Dank dem Streaming können sie heute legal Musik hören. Im Moment verdienen wir damit leider nur wenig Geld. Aber ich denke, das wird sich in Zukunft ändern. Was aber wichtiger ist, ist dass Musik hören heute viel cooler ist, man kann im Internet neue Bands entdecken oder auf Facebook sehen, was für Musik die Freunde hören. Ich denke, auf die Musik kommt eine neue Zeitspanne zu.

 

Nehmen wir an, in zehn Jahren gibt es keine CDs mehr – was werdet ihr tun, um euer Brot zu verdienen?

Sharon: Es wird immer Retro-Strömungen geben, so wie man das heute bei den Vinyl-Schallplatten sieht. Dinge kommen, aber gehen vielleicht nicht für immer, sondern kommen wieder zurück. Ich glaube zwar nicht an die CD, aber an die Schallplatte. Das war eine andere Generation, ich habe das am Rande noch mitbekommen, meine Eltern hörten Vinyl. Es werden sicher aber auch andere Dinge wieder aufkommen.

 

Glaubt ihr nach eurer Zusammenarbeit mit dem beligschen Radiosender “Q-music” immer noch an das Medium Radio?

Sharon: Im Büro beim Arbeiten hören viele Leute Musik.

Robert: Aber auch auf dem Hinweg, hören sie Radio im Auto. Das Radio ist immer noch ein lebendiges Medium. Zum Beispiel auch in den Ferien, auf einem Roadtrip gehören gute CDs einfach dazu. Ich denke, das Radio wird weiterhin existieren.

 

Heute gibt es aber viele Wege, um Musik zu hören. Ist es für Bands von heute schwieriger, alle Kanäle zu bündeln?

Sharon: Früher war es “klarer” für die Bands. In den 90er-Jahren war das Internet noch nicht so stark entwickelt, die Musikindustrie war traditioneller, die Bands konnten von den jahrelangenen Erfahrungen anderer Bands profitieren. Heute weiss man nicht richtig, welchen Weg man einschlagen soll und wie man Erfolg haben kann. Ich denke, für viele ist das eine grosse Herausforderung. Auf der anderen Seite gibt es aber auch junge Bands. Für sie sind solche Herausforderungen normal, es ist ihre Generation.