Kultur | 16.06.2013

Geheimrezept: Gute Stimmung und Musik

Text von Eva Hirschi | Bilder von Eva Hirschi
Festivalgänger sind kreative Menschen. Die Tink.ch-Reporterinnen Juliette Ivanez und Eva Hirschi geben einen Einblick in den Festivalalltag.
Die Bierdosendekoration: Jedes Jahr ein Muss. Kreativ, vorlaut und nicht ganz jugendfrei: Die Eskapaden am Greenfieldfestival. Nicht nur Musik hören, sondern auch Musik machen. Dies scheint das Motto einiger Festivalgänger zu sein. Das nützlichste Schild aller Zeiten.
Bild: Eva Hirschi

Eigentlich ist es völlig irrational: Während drei Tagen sind über 27-˜000 Menschen auf einem Gelände versammelt, schlafen in ungemütlichen Zelten, waten durch Müllberge von leeren Bierdosen und Essensresten zum Konzertgelände und hören Musik in voller Lautstärke, manchmal sogar bei strömendem Regen. Und doch sind Openair Festivals Jahr für Jahr ein grosser Erfolg. Das Geheimrezept? Die Welt für drei Tage lang vergessen und sich nur auf die gute Stimmung und die Musik konzentrieren.

 

Wc in der Migros

Das ist auch das Motto, welches ich an Juliette, meine Co-Reporterin von Tink.ch Romandie, weitergeben möchte. Und sie macht gut mit – nur die Toi Tois, die sie kurzerhand in “maison de caca” umgetauft hat, bereiten ihr ein bisschen Mühe. Verständlich! Richtige Toiletten gibt es hier nur spärlich, oft muss ein Plastikhäuschen mit einem Loch der Notdurft dienen. Und trotzdem vermag das die Stimmung der Festivalbesucher nicht zu trüben. Bier und Sonne tun ihren Rest. Und am Mittag pilgern viele Festivalbesucher zum Migros in Interlaken, um dort nicht nur das Mittagessen zu kaufen, sondern auch die zivilisierten Toiletten zu benutzen.

 

Kreatives Festivalleben

Am zweiten Tag unseres Rockabenteuers gönnen wir uns eine Verschnaufpause am Brienzersee, den wir kurzerhand in einen Kühlschrank umfunktionieren um unsere Biere zu kühlen. Im Allgemeinen sind die Leute hier sehr kreativ, was das Überleben während eines Festivals angeht. So nehmen die Getränke beispielsweise in einem kleinen aufblasbaren Babyswimmingpool ein kühles Bad, oder liegen in einer Plastikbox mit Eis. Für die weniger Ausgerüsteten gibt es eine andere Variante: Mit Zeltheringen ein tiefes (so tief, wie das mit Zeltheringen halt möglich ist) Loch graben, einen (leeren!) Müllsack mit Wasser füllen und zusammen mit dem Bier darin verbuddeln. Die kühle Erde ist für den Rest besorgt.

 

Wasserpistolen, Bewertungen und Limbo

Auch was die Nachmittagsbeschäftigung angeht, sind die Festivalgänger einfallsreich. Harmlos sind Karten(trink)spiele oder Konzerte mit Gitarren und zu Trommel umfunktionierten Ravioli-Dosen. Am beliebtesten scheinen an der diesjährigen Ausgabe Wasserpistolen zu sein, mit denen vorbeigehende Genossen abgespritzt werden, oder die traditionellen “Hot!” oder “Leider nein”-Schilder, mit welchen die Leute im Fliessbandtechnik bewertet werden. Auch die “Free Hugs”-Schilder fehlen nicht. Einige Schilder versprechen sogar noch weit mehr. Oft muss man auch ein Limbo-Seil umtanzen, um den Weg zu den Konzerten fortführen zu können.

 

Typisches Festival-Dekomaterial

Auch Dekorationen dürfen bei einem Festival nicht fehlen. Manche Fahne schmückt ein Zelt (dient häufig auch zum Wiederfinden des Zeltes bei höherem Alkoholpegel und dunklerer Nacht), aufblasbare Gummipuppen und Kondome werden ebenfalls als Deko-Material verwendet und Zäune werden mit leeren Bierdosen geschmückt. Ästhetik muss sein.