Kultur | 27.06.2013

“Erwarte das Unerwartete”

Text von Michelle Stirnimann | Bilder von zvg
Die Australier Luke Steel und Nick Littlemore von Empire of the Sun (EOTS) haben am vergangenen Freitag ihre neue CD veröffentlicht. Tink.ch traf sie zum Interview und wollte unter anderem wissen, warum sich die beiden Männer nicht fotografieren lassen und wie sie mit dem Druck umgehen, unter dem sie nach dem Erfolg der ersten CD stehen.
"Wir nehmen alles auf", erklären die Australier von Empire of the Sun zur Frage, wo sie sich mit Inspiration versorgen. Luke Steel und Nick Littlemore wollten sich am Interviewtermin nicht fotografieren lassen.
Bild: zvg

Im Vorherein wurde ich darüber informiert, dass das Künstlerduo keine Fotoaufnahmen erlauben würde. Falls ich sie aber zeichnen möchte, sei dies ohne Probleme möglich. Ich erwartete, zwei komplett geschminkt und verkleidete Herren anzutreffen, mit Masken und Hüten – wie auf dem Cover halt. Mit einem etwas mulmigen Gefühl betrete ich das  Hotelzimmer in Zürich, um mich mit den zwei Australiern, Luke Steel und Nick Littlemore, zu treffen.

 

Tink.ch: Huch – ihr seid ja gar nicht verkleidet, wie ich das eigentlich erwartet hatte! Wieso dürfen wir denn keine Fotos von euch machen?

EOTS: Es wäre, als würde man den Schleier um die ganze Empire-Mysterie heben. Sind wir nicht von allem noch viel faszinierter, wenn wir es nicht ganz kennen. Solange etwas verborgen ist, ist es viel mysteriöser; unbekannt halt.

 

Unbekannt ist auch die Herkunft eures Namens: Ihr nennt euch Empire of the Sun. Macht ihr das wegen Steven Spielbergs gleichnamigem Film?

Nein, mit Steven Spielberg hat das nichts zu tun. Wir wollten etwas grosses, faszinierendes. Empire of the Sun, fiel uns einfach plötzlich ein und wir dachen: Das sind wir, das verkörpert die Musik, die wir machen.

 

Euer erstes Album “Walking on a Dream” war ein Riesen-Erfolg – steht ihr jetzt unter Druck?

Ständig! Wir stellen uns gegenseitig unter Druck wenn wir am Schreiben sind. In diesem Business musst du Perfektionist sein, und das sind wir in vielen Bereichen.

 

Ihr seid beide neben Empire of the Sun noch mit anderen Bands erfolgreich. Wie habt ihr überhaupt Zeit gefunden, das neue Album zu fertigen und neue Songs zu schreiben?

Ich glaube wir haben die Zeit nicht gefunden – aber wir haben sie uns genommen. In den letzten 19 Monaten haben wir alles in dieses Projekt gesteckt. Wir sassen viel zusammen und ja, haben die Lieder geschrieben. Wir flogen um die ganze Welt, einzig für die Aufnahmen. Wir taten alles, was es brauchte. Es wurde wie zu einer Obsession!

 

Habt ihr euch auch Ziele gesetzt, welche ihr mit dem neuen Album erreichen möchtet?

Die Möglichkeit, weiterzumachen mit dem was wir tun. Es ist eine berechtige Sorge aller Künstler, dass du die Chance nicht erhältst, das Publikum zu erreichen. Das ist der Grund, wieso wir so hart – auch an uns! – arbeiten. Wir haben zu viele Künstler gesehen, die den Erfolg als gegeben erachtet haben und die deshalb untergegangen sind. Wir hatten beide schon vor Empire of the Sun ein Leben im Musikbusiness aber wir sehen hier die Chance, genau das zu tun was wir so lieben und deshalb wollen wir auch alles darein investieren.

 

Ist jemand von euch denn für die Instrumentierung an sich zuständig und der andere für die Songtexte?

Nein, wir machen beide beides. Wir sind wie Vögel, wir fliegen los und finden andere Gegenstände um unser Nest zu bauen.

 

Wo findet ihr denn diese Gegenstände, eure Inspiration?

Es ich überall möglich Inspiration zu finden, aber am meisten Inspiration finden wir in unseren eigenen Leben: In Beziehungen, Freundschaften, Familie, Liebe und allen Dingen, die mit Liebe zu tun haben.

 

Zumindest inIn euren Videos sind viele religiöse Symbole zu finden. Findet ihr auch in der Religion Inspiration?

Ja, wir nehmen alles auf, was wir sehen, jegliche Mythologien und alle Arten von Verehrung und Glauben und Gottheiten. Da sind so viele brillante Sachen, die vor uns waren, die Antike beispielsweise. All das fasziniert uns! Wir möchten diese Sachen miteinander verschmelzen lassen, zu etwas Neuem werden lassen.

 

Auf der neuen CD hat es erstaunlich viele Balladen.

Was wir mit unserer Musik versuchen, ist Momente des menschlichen Seins wiederzugeben und zu teilen und sie mit Musik auszudrücken und auf eine Art zu ehren. Wir wollen das, was wir in unseren Herzen fühlen teilen – das sind teilweise sehr intime Momente, wie beispielsweise im Song “I’ll be around”. Der berührt mich jedes mal von neuem und das, obwohl ich diesen Song selber geschrieben habe. Normalerweise verfliegt das Mysteriöse an neuen Songs und du hast das Rätsel gelöst. Nicht aber bei diesem Song, der trifft mich jedes Mal mitten ins Herz.

 

Um auf eure Tour sprechen zu kommen: Sie startete direkt in einem der Wahrzeichen Australiens: dem m Sydney Opera House. Können wir an eurem einzigen Konzert in der Schweiz, am Heiteren Openair, auch eine solch riesige Show erwarten?

Erwarte das Unerwartete. Es ist wie wenn du in die Kirche gehst: Du erwartest etwas und danach bist du auf eine Art verwandelt.

 

Zum Schluss ein kurzer Slogan, wieso auch jene, die noch nie etwas von euch gehört haben die CD kaufen sollen:

Wieso “Stay up all night to get lucky” (Anspielung auf den Song “Daft Punk”, Anm. d. Red.), wenn du am morgen aufstehen kannst und die neue CD von Empire of the Sun kaufen gehen kannst!