Kultur | 17.06.2013

Enttäuschungen und Highlights

Text von Eva Hirschi | Bilder von Manuel Lopez
Dritter Festivaltag: an das wilde Festivalleben sind wir inzwischen gewöhnt und widmen uns deshalb in diesem dritten Teil des Greenfield-Tagebuchs ganz und gar der Musik. Unsere Reporterinnen erlebten Enttäuschungen und Highlights.
Kurz aber heftig: Ska-P beglückte das Publikum wegen Verspätung mit gerade mal vier Songs. Heiss ging es bei der finnischen Band Nightwish zu und her: doch nicht nur die Pyroshow heizte dem Publikum mächtig ein. Die neue Sängerin Floor Jansen vermochte zu überzeugen. Wie lange sie wohl bei Nightwish bleibt?
Bild: Manuel Lopez

Samstagabend: Dritter und letzter Festivaltag. Das Line-Up für heute Abend ist genial, eigentlich schon fast zu genial, denn alle Konzerte können wir wegen zeitlichen Überschneidungen gar nicht anschauen. So verzichten wir schweren Herzens auf die amerikanische Punkrock Band Bad Religion um bei den Spaniern von Ska-P und vor allem dann bei der finnischen Symphonic-Metal-Band Nightwish weit vorne stehen zu können. Warum, erfahrt ihr in Kürze.

 

Langes Warten – kleiner Lohn

Wir machen uns also bereit für das Ska-P Konzert. Unsere Strategie: wir stehen so weit vorne wie möglich, allerdings auf der linken Seite. So können wir möglichem Pogo-Getanze in der Mitte ausweichen (für Laien: Menschen, die zu Punkmusik wild herumhüpfen und sich dabei absichtlich mit den Schultern und anderen Körperteilen rammen – und ja, es endet oft mit blauen Flecken oder einer blutigen Nase). Doch bevor es überhaupt so weit kommt, geschieht erst einmal… nichts. Die Band lässt auf sich warten. Nach einer halben Stunde werden wir informiert, dass die Crew technische Schwierigkeiten hat. Wir warten weiter.

 

Erst 55 Minuten später steht die Band endlich auf der Bühne. Und spielt gerade mal vier Lieder, denn für mehr hat die Band leider keine Zeit – anscheinend der strikten Organisation des Festivals wegen. Als wollten die Deutschen Veranstalter beweisen, dass auch sie mit der Schweizer Pünktlichkeit mithalten können. Immerhin reichen aber diese vier Lieder aus, um das Publikum zumindest teilweise zu entlöhnen. “A La Mierda” und “Cannabis”  – die wohl bekanntesten zwei Songs der Band – sind nämlich auch mit von der Partie. Trotzdem: als die Band die Bühne verlässt, hallt ihnen die Enttäuschung ihrer Fans in Form eines Pfeifkonzerts entgegen. Wir stürmen inzwischen nach vorne, um uns einen guten Platz zu ergattern.

 

Nightwish – mehr als Musik

Was dieses Jahr aber ganz besonders ist: die Band tritt mit einer neuen Sängerin an. Nachdem sie sich 2005 – also nach neun Jahren gemeinsamer Musikkariere – wegen Streitereien von der Sängerin Tarja Turunen trennte, stand bis 2012 die Schwedin Anette Olzon an ihrer Stelle. Die beiden Stimmen könnten unterschiedlicher fast nicht sein, von der vollen Opernstimme von Turunen zur höheren und flacheren Popstimme von Olzon. Doch auch mit Olzon hält es die Band scheinbar nicht länger aus. 2012 folgt ein erneuter Wechsel und mit der  niederländischen Musikerin Floor Jansen holt sich Nightwish wieder eine stärkere Stimme ins Boot. Die frühere After-Forever-Sängerin sei offiziell allerdings nur vorübergehend bei der Band – was das genau heisst, bleibt abzuwarten. Dies erklärt, warum wir so gespannt auf das Konzert von Nightwish warten, denn es ist in der Schweiz das Erste mit der Neuen im Bunde.

 

Feurige Sängerin

Bald steht die Band auf der Bühne und auch wenn auf den ersten Blick das silbern glänzende Kleid von Jansen etwas irritiert, so macht das ihre Stimme nach den ersten Tönen gleich wieder wett. Sie übertrifft die hohen Erwartungen, die wir an sie hatten –nicht nur was ihre Stimme betrifft, sondern auch ihre Ausstrahlung. Sie witzelt mit dem Publikum und lacht mit den anderen Bandmitgliedern. Janses überzeugt – musikalisch wie persönlich. Und für die Fans ist die Songwahl ein wahrer Leckerbissen. Von ganz alten bis zu ganz neuen Songs sind zahlreiche Musikperlen dabei. Ich komme bei “Wish I Had An Angel” und “Nemo” voll und ganz auf meine Kosten während meine westschweizer Kollegin das Lied “I Want My Tears Back” kaum erwarten konnte. Und auch bei diesem Konzert tauschen sich Feuerwerke und Flammen mit lautem Knallen ab, typisch Nightwish. So lässt sich ein Wahnsinns-Festival gut beenden.