Kultur | 29.06.2013

Ein Hit und alle stehen

Text von Jessica Hefti | Bilder von zVg Gary von der Ahé
Die hartgesottenen Toto-Fans liessen sich weder von den überteuerten Ticketpreisen noch von dem ausschliesslichen Sitzplatz-Angebot abschrecken. Sie wussten, ihre Band live zu hören, war jede Mühe wert. Und sie behielten recht.
Wer gewinnt die Gunst des Publikums? Ganz klar: Bandleader ist Steve Lukather.
Bild: zVg Gary von der Ahé

Der Blick ins Hallenstadion lässt nicht auf ein Rockkonzert schliessen: Stuhlreihen in der Standing-Area, wo normalerweise enthusiastischen Musikfans ihrer Lieblingsband am nächsten sind. Beim letzten Besuch in Zürich hatten Toto eine neue Platte im Gepäck und 10’000 Zuschauer wollten sie sehen. Dieses Jahr feierte Toto sein 35jähriges Bestehen mit einer Jubiläumstour, die nur noch 3’300 Fans anlocken konnte. Die Bühne wurde in der Hallenmitte aufgebaut, was trotz der mässigen Zuschauerzahl das Gefühl eines grossen Konzertes vermittelte. Doch schon die ersten Klänge von “On the run” machen klar, dass es heute nichts mit einer gemütlichen Schunkelparty wird. Mittlerweile sind die Fans der ersten Stunde zwar etwas angegraut, doch spätestens beim Überhit «Rosanna« sind alle auf den Beinen, singen und tanzen mit.

 

Die Hauptrolle geht an Lukather

Was Toto live zu einem Erlebnis macht, sind die Soundqualität und die musikalischen Höhenflüge der Bandmitglieder. Steve Lukather, David Paich, Simon Phillips, Nathan East und Steve Porcaro liefern ein musikalisches Feuerwerk höchster Güte ab. Nicht weiter schlimm, dass Sänger Joseph Williams und die beiden Backgroundsänger höchstens eine Statistenrolle besetzen. Unumstrittener Bandleader ist Gitarrist Steve Lukather, der bereits mit 17 Jahren zu den wichtigsten Studiogitarristen in den USA zählte und der mit Toto seit der Bandgründung 1977 unterwegs ist.

Die Band bediente sich am Abend im Hallenstadion Zürich aus dem reichen musikalischen Fundus und präsentierte alte Trouvaillen wie «St. George and the Dragon« vom zweiten Album «Hydra« oder das epische «Better World« vom 1999er Album «Mindfields«. Natürlich durften ihre grössten Hits «Hold the Line« und «Africa« auf der Setliste nicht fehlen. Mit neuen Arrangements klangen sogar die millionenfach gespielten Hit-Songs bei Toto frisch und unverbraucht.

Zwar füllte sich das Hallenstadion nicht wie in den Jahren zuvor. Die Band zeigte sich unbeeindruckt und bot dem fast intimen Rahmen eine mitreissende Show. Bei Toto steht nicht Effekthascherei im Vordergrund, sondern das musikalische Handwerk und eine Vielfalt an Stilrichtungen, wie sie nur selten gehört wird. Die Band verabschiedeten sich mit «Home of the brave« von einem dankbaren Publikum. Mit Toto wird auch beim 40-jährigen Jubiläum zu rechnen sein.

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