Kultur | 29.06.2013

Diplomausstellung

Text von Sabina Galeazzi | Bilder von Katharina Good
Jährlich präsentiert die Basler Hochschule für Gestaltung und Kunst in einer öffentlichen Ausstellung die Diplomarbeiten ihrer Bachelor- und Masterstudierenden. Unter dem sinnigen Titel "Perspektiven" öffnete die diesjährige Vernissage in der Messehalle 3 letzten Freitag ihre Tore. Rund 220 Absolventen aus verschiedenen Studiengängen bieten nun während zehn Tagen Einblicke in ihr künstlerisches Schaffen.
  • Die Ausstellung "Perspektiven" versammelt rund 220 Diplomarbeiten gestalterischer Studiengänge.

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  • Jedes Institut wählte eine jeweils eigene Präsentationsform.

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  • Die Absolventen des Instituts Hyperwerk zeigen ihre Arbeiten an

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  • Die diplomierten Mode-Designer zeigen die Abschluss-Modeschau in einem Kino.

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  • Das Institut Kunst baut sich eigene Ausstellungswände, um etwa die Serie von Alexandra Meyer zu zeigen.

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  • Man fühlt sich hin- und hergerissen zwischen den Werken. Wie bei "Get closer!" von Yolanda Esther Bürgi und den Videoarbeiten v

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  • Auch die Absolventen des Instituts für Visuelle Kommunikation gestalten aufwändige Originale, so etwa Hanin Lerch.

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  • Die diplomierten Innenarchitekten verbinden neue und alte Raumelemente.

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  • Die Hochschule präsentiert ihre Zukunftsperspektiven: Ab nächstem Jahr werden alle Institute auf dem Dreispitz versamm

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  • Zwischen den Studienmöglichkeiten bleibt am Schluss noch die Qual der Wal.

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Etwas karg präsentiert sich die Messehalle noch zur Pressekonferenz. Ganz anders 24 Stunden später, als die Ausstellung eröffnet wird. Wo ein Tag zuvor noch fleissig Gerüste aufgebaut, Monitore und Scheinwerfer verkabelt wurden, drängen sich nun in Scharen elegant gekleidete, mit den unvermeidlichen Sektgläsern und Häppchen ausgerüstete Besuchende. Jahrmarkthaft muten einzelne Aspekte der Diplomausstellung an: So betreibt ein Stand am Eingang tatsächlich Popcornmaschinen und in einer Ecke lassen sich Kinder mit farbenprächtigen Luftballons vor einer weissen Leinwand fotografieren.

Institutionelle Vielfalt

Trotz des übergreifenden Titels „Perspektiven“ verfügt die Diplomausstellung selbst über kein einheitliches Konzept und die acht beteiligten Institute agieren in der Präsentation ihrer Arbeiten völlig unabhängig voneinander. So werden die Arbeiten der Sparte Industriedesign grösstenteils auf Podesten in Bodennähe ausgestellt und mittels Fähnchen beschriftet. Die Exponate des Hyperwerks hingegen sind durch charakteristische Bambusgitterkonstruktionen kenntlich gemacht. Das Institut für Mode-Design präsentiert in seiner Kino-Nische die bereits im März im Rahmen der Diplomübergabe erfolgte Modenschau und das Institut für Kunst greift für die Darbietung ihrer Werke auf jene weissen Sperrholzplatten zurück, welche auch an der Art Basel als Trenn- und Ausstellungswände Verwendung fanden. Aus ästhetischen Gründen verzichten diverse Institute ausserdem bewusst auf eine Beschriftung der einzelnen Arbeiten, was die Navigation durch die Ausstellung für den Zuschauer alles andere als einfach gestaltet.

Traumzelt und Fliegenfänger

Der kreative Kopf David Baur gehört zu den Absolventen des prozessorientierten Instituts Hyperwerk. Bei seiner Abschlussarbeit „Festival Nomad“ oder „Ein Zelt geteilter Träume“ handelt es sich um ein mit Fellen und Decken ausgestattetes kuppelförmiges Zelt mit integriertem Schattenbildprojektor, welcher von den Besuchenden selbstgestaltete Schattenrisse an die Zeltwände projiziert und zum meditativen Verweilen einlädt. Bereits an sechs Festivals war David Baur mit seinem Traumzelt zu Gast. Ziel seiner Arbeit ist es, einen Raum für die Festivalbesucher zu schaffen, in dem sie sich mit dem Thema Traum und ihrer eigenen Kreativität auseinandersetzen können. Das Projekt soll die Menschen berühren und bleibende visuelle Eindrücke hinterlassen, so der engagierte Absolvent.

Einen völlig anderen Ansatz verfolgt die botanische Installation „Get closer!“ der Künstlerin Yolanda Esther Bürgi vom Institut Kunst. Auf einem Sockel aus Lindenholz steht ein Topf mit einer fleischfressenden Pflanze der Spezies Venusfliegenfalle, darüber hängt ein mit Fliegenleim beschichteter Papierstreifen. Sollte sich wider Erwarten ein unbedarftes Insekt in den Ausstellungsraum und in die Nähe der Installation verirren, so fände es sich dort recht schnell in einer lebensbedrohlichen Zwickmühle wieder. „Es sind die paar Zentimeter zwischen den beiden Konkurrenten Fliegenfänger und Fliegenfalle die mich interessieren“, so Yolanda Esther Bürgi. „Sie bilden einen konzentrierten Denkraum, in dem über ein notwendigerweise fatal endendes Schicksal reflektiert wird. Die Rolle des Insekts bleibt dabei eher zweitrangig.“

Minimalismus und kulinarische Kombinationsfreude

Minimalistisch präsentieren sich die C-Prints von Alexandra Meyer mit den lakonischen Titeln „Hemd I, II, III“: Drei reduzierte Schwarzweiss-Aufnahmen von weissen Hemden, welche durch subtile Eingriffe zum Beispiel in Form von Knitterfalten und Abbinden verfremdet wurden. In ihren Arbeiten spielen Themen wie der menschliche Körper und die Verfremdung alltäglicher Gegenstände seit jeher eine zentrale Rolle. Alles andere als reduziert gibt sich hingegen das Kochbuch der Grafikkünstlerin Angela Stocker vom Institut für Visuelle Kommunikation. In ihrer Arbeit „More is more“ oder „Darf es etwas mehr sein“ verpackt die Absolventin die verschiedene Ebenen eines Kochbuches und verzichtet dabei bewusst auf die Maxime des Minimalismus, dass weniger in jedem Falle mehr sei. So sind die Ingredienzen der einzelnen Gerichte im Buch jeweils einer bestimmten Farbe zugeordnet und auf perforierte Kärtchen gedruckt, die sich herauslösen und zu immer neuen Farb- und Menukombinationen zusammenstellen lassen. Der Titel „Will you pick me“ verweist bereits auf den spielerischen Charakter des ungewöhnlichen kulinarischen Lesevergnügens.

Durchführung 2014 unklar

Wann und ob die Diplomausstellung 2014 überhaupt stattfinden wird, steht momentan noch in den Sternen. Die Hochschule für Gestaltung und Kunst befindet sich momentan in einer Umbruchs- und Umzugsphase. Im Verlauf des nächsten Jahres werden nämlich sämtliche über die Stadt Basel verteilten Institute ihre Sitze in das neu erbaute Hochhaus auf dem Dreispitzareal verlegen. Die Direktorin Kirsten Langkilde verspricht sich für die Zukunft einiges von der Zusammenführung der Institute und Werkstätten. Ziel ist es, den Campus Dreispitz dadurch zu einer kreativen Brutstätte umzugestalten, deren Einfluss idealerweise auch auf die umliegenden Stadtteile ausstrahlt und diese mit der Hochschule verbindet. Ob dieses ehrgeizige Projekt auch Früchte trägt, wird sich erst noch zeigen.