Kultur | 05.06.2013

Altbekannte Musikgrössen am Afro-Pfingsten

Text von Fabienne Gsponer | Bilder von Léa Klaue
Winterthur wurde am vergangenen Wochenende zum deutschschweizerischen Treffpunkt der Afromusik. Ganz im Stile der Musik spielten Künstler aus der ganzen Welt am Afro-Pfingsten Festival Musik mit afrikanischen Wurzeln.
Amadou et Mariam, das blinde Paar aus Bamako (Mali) feiert mit seiner einzigartigen Musik weltweit Erfolg. Das Publikum -“ bestehend aus Jung und Alt aus aller Welt -“ war begeistert von der Musik. Die Halle 53 auf dem Katharina-Sulzer-Platz verwandelte sich am Pfingstwochenende in eine einzigartige Erlebniswelt. Am Sonntag war "African Night". Salif Keïta kam als Albino zur Welt und wurde von seiner Familie verstossen. Heute geniesst er als Musiker grosse Anerkennung.
Bild: Léa Klaue

Am Pfingstwochenende war in Winterthur die Welt in grün-gelb-rot getaucht. In der Stadt fand das Afro-Pfingsten Festival statt. Während mehreren Tagen spielten internationale Künstler aus der Reggae und World-Music-Szene auf den Bühnen im Winterthurer Zentrum. Ausserdem wurden Marktstände aufgestellt, wo Kunst und Köstlichkeiten angeboten wurde. Neben dem musikalischen Rahmenprogramm veranstaltete man auch Themenanlässe zu Solidarität, Fairness und Nachhaltigkeit. Das Programm bestand aus Erlebnisgastronomie, Workshops, Fotoausstellungen, Filmvorführungen, sowie Lesungen und Bilderausstellungen und noch vielem mehr. Afrika und sein kulturelles Erbe waren der Schwerpunkt des Festivals. Die heutige soziale Situation im globalen Kontext gab viel Anregung zum Diskutieren.

 

Alle Formen von Reggaemusic

Musikalisch stand der Freitag unter dem Thema “Roots&Reggae”. Der Start in den Abend machte kein internationaler Act, sondern der Neuenburger Junior Tshaka. Der Künstler ist vor allem in der französischsprachigen Schweiz bekannt, hat aber auch international Erfolg. Vom Französischen wechselte die Musik bei Meta&The Cornerstones in eine vielfältige Mischung. Die Künstler sind aus dem Senegal, arbeiten aber in Brooklyn. Ihre Musik ist eine Mischung aus Afro-Pop, Hip-Hop, Rock und Soul.

 

Über den Abend verteilt wurde Reggae in all seinen Ausprägungen, Farben, Stilen und Sprachen gespielt. Rock Dawuni aus Ghana, Groundation aus Kalifornien oder der Altmeister Alpha Blondy (“I wish you were here”) aus der Elfenbeinküste, von allen Ecken der Welt kamen Künstler.

 

Musikdorf Welt

Am Samstag war der Musikstil mit dem Thema “Global Night” breiter gefächtert. Iyeoka aus Amerika gilt als nächste grosse Frauenstimme. Ihre Musik ist eine Mischung aus Soul, Hip-Hop und Funk und erinnert etwas an Amy Winehouse. Zusammen mit Rokia Traoré aus Mali sorgte sie für viel Frauenpower. Rokia singt traditioneller, meist in ihrer Muttersprache Bambara. Ihre Texte handeln von den sozialen Problemen Afrikas. Ebenso aus Afrika kamen Gwana Diffusion. Allerdings ist ihre Musik von arabischen Einfluss. Die Bandmitglieder sind Nachfahren sudanesischer Volksgruppen, die nach Marokko verschleppt worden sind. Ihre Texte sind politisch gefärbt und handeln vom Protest. Der Sänger Amazingh Kateb singt über die Situation in Algerien genauso aber auch poetisch über die Liebe. Ihr aktuelles Album ist den Kindern der arabischen Revolution gewidmet. Der Abschluss der Global Night war schliesslich lateinamerikanisch-spanischen Rhythmen von Macaco aus Barcelona gewidmet.

 

Liebe geht durch den Magen

An den verschiedenen Ständen wurde Essen aus aller Welt angeboten. So konnte man einen ganzen gebratenen Fisch kaufen, oder ein afrikanisches Couscous mit frittierten Kochbananen essen. Laut den Spässen einiger Ivorer schmeckt das traditionelle Essen der Elfenbeinküste zuhause aber nach wie vor besser. Mit Sicherheit ist es dort auch günstiger als in Zürich, wo für ein Gericht gleich viel verlangt wurde, wie für ein Menü in einem besseren Restaurant bezahlt werden muss.

 

Hartes Leben und die Liebe zur Musik verbindet alle

Der Sonntag begann unter dem Leitspruch “Acoustic Africa”. Nachmittags spielten die Botschafter der Tuareg-Kultur, Tamikrest, aus Mali. Sie gehören zu den jungen Nachfolgern der nationalen Musikszene. Abends folgte dann die “African Night” mit international bekannten Stimmen wie Salif Keïta, Amadou et Mariam und Seun Kuti. Salif Keïta kam als Albino zur Welt. Sie sind in Afrika geächtet und werden verfolgt. Aufgrund seiner hohen familiären Stellung hatte er mehr Glück. Dennoch wurde er aus seinem sozialen Umfeld und seiner Familie verstossen. Der Künstler aus Mali hatte wie viele Musiker ein schweres Leben, bis er schliesslich Erfolg hatte. An seinem Konzert in Winterthur mischten sich die Menschen unterschiedlichsten Alters und Herkunft zu einer tanzenden Menge und waren begeistert von der Stimme Salifs sowie von den Klängen, die seine Texte begleiteten.

 

Amadou et Mariam stammen aus derselben Stadt, in die Salif Keïta einst gezogen ist; Bamako, Mali. Sie sind das wohl berühmteste Musikerpaar des afrikanischen Kontinents. Ihre Lieder sind stilübergreifend. Ihre Instrumente ragen von arabischen Flöten über europäische E-Gitarren und afrikanische Perkussionsinstrumente. An ihrem Konzert in Winterthur verwandelten sie die Menschen in eine tanzende Menge. Man hatte den Eindruck, das blinde Paar hat ein besonderes Feingefühl für Stimmungen und kann im Zuschauer genau die richtigen Gefühle zum Ausdruck bringen. Abgerundet wurde der Abend schliesslich noch durch den Sohn des Afrobeat, Seun Kuti. Sein Vater war der berühmte Künstler Fela Kuti, der Pionier und Begründer dieser Stilrichtung.

 

Das Festival war Begegnungsort der verschiedenen Sprachen, Kulturen und vor allem der Menschen. Insbesondere letzteres ist geglückt. Mithilfe von Kreativität und Musik kann der Dialog zwischen den Menschen gefördert werden. Unterschiedliche Weltanschauungen treffen aufeinander. Wünschenswert wäre daher nur, dass sich noch mehr Menschen dafür treffen würden.

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